Kirchheim

Auf Marter und Tod folgt Zuversicht

Konzert Zur Todesstunde Jesu führten der Chor an der Martinskirche und das Schwäbische Kammerorchester unter der Leitung von Bezirkskantor Ralf Sach Händels Brockes-Passion auf. Von Juliane Kästner

Karfreitagskonzert zur Todesstunde Jesu - mit dem Chor an der Martinskirche und dem Schwäbischen Kammerorchester.Fotos: Markus B
Karfreitagskonzert zur Todesstunde Jesu - mit dem Chor an der Martinskirche und dem Schwäbischen Kammerorchester.Fotos: Markus Brändli

Gut 300 Jahre nach ihrer Entstehung im Jahre 1716 wurde im Karfreitagskonzert in der gut besuchten Kirchheimer Martinskirche ein weniger bekanntes Passions-Oratorium Georg Friedrich Händels auf einen Text des Hamburger Ratsherrn Barthold Heinrich Brockes aufgeführt: Unter der Leitung des Bezirkskantors Ralf Sach musizierten der Chor an der Martinskirche, das Schwäbische Kammerorchesters und als Solisten Anna-Maria Wilke, Sopran, Mareike Bender, Mezzosopran, Daniel Schmid, Tenor, und Matthias Baur, Bariton.

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Der ursprüngliche Titel „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“ lässt schon erahnen, dass - im Geiste der Entstehungszeit des barocken Librettos - das Leiden Jesu im Zentrum steht. In 106 Sätzen, die zum großen Teil solistisch besetzt sind, wird in längeren narrativen Passagen - vorwiegend rezitativischen Charakters - und dialogischen Elementen die Passionsgeschichte vom letzten Abendmahl bis zur Kreuzigung erzählt.

Eine besondere Rolle spielt die „Tochter Zion“ - Sinnbild für die Seele der Gläubigen, die, sehr eindrucksvoll dargeboten von Anna-Maria Wilke, in 17 Arien das Geschehen kommentiert, hinterfragt und als Beobachter und moralische Instanz auftritt.

Die souveräne Leichtigkeit der Solistin wurde durch sehr schöne Oboensoli noch unterstrichen. So war die Rolle im Verlauf der drei Teile gekennzeichnet durch verzweifelte Trauer, aufgebrachtes Unverständnis und einen leidenschaftlich theatralischen Appell an Pilatus - bis hin zu einem zuversichtlichen Ende im vorletzten Satz.

Daniel Schmid glänzte in den Rollen Jesu, des Evangelisten und teilweise des Petrus und führte so in allen drei Teilen durch das Geschehen. In bildreichen Rezitativen und Arien mit zurückhaltender Orchesterbegleitung gestaltete er gekonnt einen maßgeblichen Teil des Konzerts, wobei der dramatische Text stellenweise durchaus etwas mehr opernhaftes Temperament zugelassen hätte.

Nachdem für Mareike Bender im ersten Teil nur wenige - eher undankbare - Passagen (Caiphas, Kriegsknecht) zu singen waren, bot sich für sie im zweiten und dritten Teil in den Rollen des Judas, der Maria und einer „gläubigen Seele“ auch die Gelegenheit, ihr Können zu entfalten. Das gelang ihr, von den Streichern stimmungsvoll untermalt, besonders eindrücklich in der Arie „Was Wunder, dass der Sonnen Pracht“.

Dem Schwäbischen Kammerorchester kein Unbekannter, verkörperte Matthias Baur gelungen die Rollen des Pilatus und des Hauptmanns.

Einen zahlenmäßig eher kleineren, jedoch szenisch bedeutenden Teil gestalteten die 53 Sängerinnen und Sänger des Chors an der Martinskirche: In kurzen Einwürfen brachten sie in der Rolle der Jüngerschar, des aufgebrachten Mobs oder eines Spottchors die Stimmungslage der Handlung noch deutlicher zur Geltung. Dabei waren gerade wegen der Kürze der Passagen besondere Präzision, Präsenz und Genauigkeit gefragt. In den letzten beiden der vier schlichten Choräle, die den Schluss der Passionsmusik bilden, kommen die Zuversicht und Hoffnung der Gläubigen zum Ausdruck.

Nach fast dreistündigem Konzert, das nicht nur den Musizierenden ein gewisses Durchhaltevermögen abverlangte, klang das Konzert unter Verzicht auf Applaus mit den Klängen der Friedensglocke der Martinskirche aus und entließ alle in ein hoffentlich frohes Osterfest.

Karfreitagskonzert in der Martinskirche mit der Brockes-Passion von G.Fr. Händel , Konzert, Karfreitag
Karfreitagskonzert in der Martinskirche mit der Brockes-Passion von G.Fr. Händel , Konzert, Karfreitag