Kirchheim

„Aufschluss geben nur Tests“

Interview Die Kirchheimer Kinderärztin Dr. Katja Frankenbusch nimmt Stellung zur Erkältungs- und Abstrichwelle.

Interview Katja Frankenbusch
Dr. Katja Frankenbusch. Foto: pr

Wie geht es denn zurzeit bei Ihnen in der Praxis zu?

Dr. Katja Frankenbusch: Seit Anfang vergangener Woche steht das Telefon nicht still. Die Praxis ist rappelvoll, und wir arbeiten bis spät am Abend, um den Andrang bewältigen zu können.

Mit welchen Anliegen kommen Eltern mit Kindern zu Ihnen?

Frankenbusch: Wenn Kinder Fieber, Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen haben, möchten die Kindergärten oft einen Ausschluss von Corona. Im Moment geht eine Sommergrippe um, bei der ähnliche Symptome auftreten, die aber nichts mit Corona zu tun haben. Auch Streptokokken gibt es sehr häufig. Entsprechend ist die Nachfrage.

Wie gehen Sie damit um, wenn Eltern ein Attest von Ihnen wollen?

Corona lässt sich nur durch einen negativen Test ausschließen. Der einzig praktikable Weg ist in diesem Fall, einen Abstrich zu machen. Der Nachteil: Die Eltern müssen sich dann zwei Tage frei nehmen, bis das Testergebnis vorliegt - und das Abstrichzentrum kommt an seine Grenzen.

Wie viele Tests haben Sie denn schon angeordnet?

In den vergangenen drei Tagen waren es 83 Abstriche - von denen bis jetzt keiner positiv war.

Überreagieren die Kindergärten?

Auch wenn es manchem übertrieben erscheinen mag - es ist nicht die Aufgabe derjenigen, die Kindertageseinrichtungen leiten, zu entscheiden, ob ein Kind mit Erkältungsanzeichen kommen darf oder nicht. Deswegen wird eine ärztliche Einschätzung gewünscht. Ganz unabhängig von Corona dürfen Kinder mit einem Infekt nicht in die Kita. Eher problematisch ist es, wenn ein Kind mit Heuschnupfen ein Mal niest und dann nach Hause geschickt wird, da ein Corona-Verdacht geäußert wird.

Wie könnte es jetzt weitergehen?

Die grundsätzliche Strategie muss von oben vorgegeben werden, es handelt sich ja um ein gesellschaftspolitisches und epidemiologisches Problem. Auch ändert sich die Lage täglich. Im Moment ist das Infektionsrisiko in Kirchheim gering, aber wenn 20 Infizierte aus Mallorca zurückkommen, sind wir schnell wieder an dem Punkt, an dem wir nach den Faschingsferien waren. Im Kreis Göppingen sind jetzt fünf Kinder positiv getestet worden. Abstriche helfen, die Lage unter Kontrolle zu behalten.

Interview: Bianca Lütz-Holoch

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