Kirchheim

Außer „Drop“ und Steilkurve sind feste Strukturen gefragt

Bike-Park Bürgerbeteiligung in der Linde wird zur Jugendbeteiligung: Wenn es um ihren Sport geht, nehmen auch schon Elfjährige das Motto „Be Part“ ernst. Von Andreas Volz

Diskussionsrunde der Streckenplaner: Die Biker sitzen mit Grünflächenchef Christoph Kerner (hinten rechts) am Tisch.Fotos: Marku
Diskussionsrunde der Streckenplaner: Die Biker sitzen mit Grünflächenchef Christoph Kerner (hinten rechts) am Tisch.Fotos: Markus Brändli

Ein Bike-Park muss her in Kirchheim: Größere und kleinere Jungs diskutieren ganz ernsthaft und zielgerichtet im Mehrgenerationenhaus darüber, was es dazu alles braucht. Dass aus ihren Ideen möglichst schon bis Sommer 2019 Wirklichkeit wird, zeigt sich daran, dass die Kirchheimer Stadtverwaltung mit von der Partie ist. „Wir haben schon einen Bike-Park“, sagt Bürgermeister Günter Riemer zur Einführung in den Abend. „Aber jetzt geht es darum, ihn wieder aus dem Dämmerschlaf zu erwecken.“ Ringsum gebe es entsprechende Anlagen. „So was muss doch auch in Kirchheim möglich sein. Die Anlage ist ja da. Aber was tut sie? Sie wächst zu mit Gras.“

Wer dafür sorgen soll, dass auf der Freifläche am Schlossgymnasium bald kein Gras mehr wächst, ist Grünflächen-Sachgebietsleiter Christoph Kerner. Was den Parcours betrifft, hat er sich bereits Expertenrat eingeholt - bei Fabian Schlichter, der in Weilheim einen Bike-Park quasi im Alleingang durch- und umgesetzt hat: „Er ist die vorhandene Strecke abgefahren und hat uns schon die ersten wichtigen Tipps gegeben, aus der Sicht des Bikers.“

In der Linde ist Fabian Schlichter einer von mehreren Dutzend Jungs, die sich über die Neugestaltung des Bike-Parks Gedanken machen. Erstaunlich viele von ihnen sind noch ziemlich jung - zwischen elf und 13 -, und sie machen das, was sich Verwaltung und Kommunalpolitik immer wünschen: Sie reden mit, nicht nur ausgesprochen sachkundig, sondern auch sehr sachlich.

Der Moderatorin Nadine Blüse helfen sie geduldig weiter, wenn es bei der Biker-Sachkunde an der einen oder anderen Stelle hapert. Sie alle haben das Ziel, das die Mitarbeiterin von „Be Part“ folgendermaßen formuliert: „Wir wollen euch beteiligen, dass der Bike-Park hinterher auch so aussieht, wie ihr ihn möchtet. Sonst bringt das ja gar nichts.“

In zwei Gruppen wird anschließend basisdemokratisch erarbeitet, was der Bike-Park alles braucht. In der einen Gruppe sitzen die Streckenplaner, in der anderen diejenigen, die sich auch um die sonstige Infrastruktur kümmern. Oft kommen sie aber auf dieselben Ergebnisse, weil sie ja dasselbe Anliegen haben.

„Drop, Table, Kicker, Pumptrack“ - das sind die Dinge, die am häufigsten genannt werden, wenn es um die Wünsche für die neue Strecke geht. Über das Stichwort „Dirtschanze“ folgen dann sogar einige deutsche Begriffe wie „Rampe“, „Steilkurve“ oder „Große Schanze“. Schnell stellt sich bei der Streckengruppe heraus, dass es drei unterschiedliche Bereiche geben muss: eine neue Rennstrecke, die zwar kleiner, dafür aber besser wird als die alte, einen Teil für die Anfänger samt Pumptrack zum Aufwärmen sowie einen Bereich für Dirt Jumps, der für Anfänger wie für Könner gleichermaßen geeignet ist.

Ebenso schnell wird in den einzelnen Gruppen über konkrete Probleme gesprochen: das Wasser etwa, das sich an manchen Stellen sammelt, oder auch „krasse Steine“ auf der Strecke. Ein Problem ganz anderer Art sind Hütten oder Schuppen, um Geräte unterzustellen: In der freien Landschaft werden sie öfters aufgebrochen.

Ob es um Beschädigungen durch Vandalismus oder durch das Wetter geht, es braucht regelmäßige Kontrollen. „Kontrollieren können ja wir“, sagt einer der jüngeren Teilnehmer, „wir sind sowieso nebenan an der Schule und können jeden Mittag vorbeischauen.“

Wichtig ist den Jungs auch die Sicherheit. Es soll keine Kreuzungen auf der Strecke geben, jeder soll passende Schutzkleidung tragen, Biker auf ganz unterschiedlichen Niveaus sollen die jeweils passenden Angebote finden.

Eine Schwierigkeit bereiten die Öffnungszeiten. Einerseits sollte der Bike-Park jederzeit jedem zugänglich sein. Andererseits aber wünschen sich die Jungs feste Trainingszeiten, auch unter Anleitung. Außerdem hätten sie gerne Wettkämpfe. Immer wieder fällt das Stichwort „Verein“. Ob sich wirklich ein Verein gründet, sei dahingestellt. Was aber vor allem damit gemeint ist, sind feste Gruppen und verlässliche Strukturen.

Hinzu kommen ganz andere Strukturen: Manche wünschen sich einen Kiosk, andere zumindest Toiletten. Dass man die Anlage pflegen muss, ist allen klar. Die Bereitschaft zur Mitarbeit ist auf jeden Fall vorhanden. Keiner der Jungs will sich drücken. Alle sind sie wieder dabei, beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppen - am Mittwoch, 9. Januar, um 17 Uhr in der Linde. Auch wer jetzt nicht dabei war, kann noch dazustoßen.

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