Kirchheim

Beherzt ein Leben gerettet

Zivilcourage Die Busfahrer Ugur Altun und Mario Landwehr vom Omnibusverkehr Kirchheim (OVK) wurden für ihren Mut von der VVS ausgezeichnet. Fahrer des Jahres ist Spiros Kounouslis. Von Cornelia Wahl

Spiros Kounouslis (Dritter von links) ist vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zum Busfahrer des Jahres im Landkreis E
Spiros Kounouslis (Dritter von links) ist vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zum Busfahrer des Jahres im Landkreis Esslingen gekürt worden. Für besondere Zivilcourage wurde Ugur Altun (Zweiter von links und unten) ausgezeichnet.Fotos: Cornelia Wahl

Zwei Busfahrer unterhalten sich an einem frühen Dezember-Morgen während ihrer Pause am Bahnhof. Plötzlich hören sie Schreie und Hilferufe einer Frau, die vom Bahnsteig zu ihnen herüberdringen. Ohne Zögern rennen die beiden los, um zu helfen. Sie sehen, wie ein Mann eine Frau an den Haaren gepackt hält und vor eine einfahrende S-Bahn zerrt. Dramatische Szenen, wie sie in einem Drehbuch für einen Krimi stehen könnten, sich jedoch am 29. Dezember 2017 um 6.59 Uhr tatsächlich am Wendlinger Bahnhof abspielten.

Die beiden Busfahrer des Omnibusverkehrs Kirchheim (OVK), Ugur Altun und Mario Landwehr, konnten durch ihr beherztes Eingreifen verhindern, dass der Frau weitaus Schlimmeres widerfuhr. Ugur Altun schaffte es, die 27-Jährige aus den Griffen des Angreifers zu befreien. Der Täter griff daraufhin Mario Landwehr an und schlug ihn zu Boden. Ugur Altun kam seinem Kollegen zu Hilfe und wurde dabei erheblich an der Schulter verletzt. Dennoch gelang es Mario Landwehr, den Angreifer zu überwältigen und ihn mit seinem Kollegen festzuhalten, bis die Polizei kam. Ugur Altun war dann bis Mai 2018 dienstunfähig. „Meine Schulter war ausgekugelt. Ich bin operiert worden“, erzählt er von den Folgen seiner Heldentat: „Ich habe immer noch Probleme damit. Es ist nicht mehr so wie früher.“

„Dass die beiden nicht gezögert haben, sich gegen den Mann zur Wehr zu setzen, hat der Frau wahrscheinlich das Leben gerettet“, sagt der stellvertretende OVK-Chef Markus Dannenmann nicht ganz ohne Stolz. Als Anerkennung für das beherzte Eingreifen übergab VVS-Geschäftsführer Horst Stammler am Donnerstag am Zentralen Omnibusbahnhof in Esslingen an Ugur Altun den Sonderpreis: einen Theater- sowie einen Restaurantgutschein im Wert von 100 Euro. Mario Landwehr, der wegen Urlaubs nicht dabei war, erhält die Gutscheine von seinem Chef.

Kounouslis ist am beliebtesten

Doch es gab noch eine weitere Auszeichnung. Annähernd 1 000 Fahrgäste beteiligten sich per Flyer, E-Mail oder Facebook an der Wahl zum „Busfahrer des Jahres 2018“. Die Fahrgäste des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart VVS haben Spiros Kounouslis im Landkreis Esslingen gewählt. Diejenigen, die er mit seinem Gefährt sicher von A nach B chauffiert, mögen an ihm unter anderem seine „äußerst ausgeglichene und rücksichtsvolle“ Fahrweise, seine Höflichkeit und Freundlichkeit. Wenn der Grieche von seiner Arbeit hinter dem Steuerrad erzählt, strahlt er. „Meine Arbeit ist wie ein Hobby für mich“, sagt der 58-Jährige. Seit zwei Jahren fährt er für die GR Omnibus GmbH. Bevor er vor sechs Jahren nach Deutschland kam, war er Busfahrer in der griechischen Metropole Athen. An seinem Beruf erfreut ihn der enge Kontakt zu seinen Fahrgästen. Und so ist es ihm ein Anliegen, mit den Leuten zu sprechen, die er befördert. „Viele Fahrgäste kennen mich bereits, und darüber freue ich mich jeden Tag“, erzählt er. Auch sein Chef Erhard Kiesel zeigt sich sehr erfreut über die Auszeichnung: „Herr Kounouslis hat nicht nur ein offenes Ohr für seine Fahrgäste, sondern verhält sich auch in stressigen Situationen zuvorkommend und ist sicher unterwegs“, zieht er sein Fazit.

Spiros Kounouslis darf sich als Anerkennung über einen Gutschein für das Stuttgarter Theaterhaus mit Restaurantbesuch und einen Reisegutschein freuen.

Busfahrer VVS
Busfahrer VVS

Preis für besonderen Mut

Den Sonderpreis für vorbildliche Zivilcourage wurde zum dritten Mal vergeben. Er wird immer dann verliehen, wenn sich jemand im Zusammenhang mit dem Öffentlichen Personennahverkehr besonders für das Wohl eines anderen Menschen eingesetzt hat. Erhalten kann ihn jeder - egal ob Busfahrer, Fahrgast, Lokführer oder Passant.cw

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