Kirchheim

Bei der Arbeit hat‘s gefunkt

Ehejubiläum Margit und Reinhold Burkhardt sind seit 60 Jahren verheiratet. Ihre Liebe zum Reisen und zur Natur verbindet die beiden. Auch noch heute gibt es regelmäßige Spaziergänge mit dem Rollator. Von Iris Häfner

Margit und Reinhold Burkhardt feiern morgen ihre Diamantene Hochzeit.Foto: Carsten Riedl
Margit und Reinhold Burkhardt feiern morgen ihre Diamantene Hochzeit.Foto: Carsten Riedl

Von wegen, einen alten Baum verpflanzt man nicht – Margit und Reinhold Burkhardt sind der lebende Gegenbeweis. Seit März wohnt das Ehepaar, das morgen das Fest der diamantenen Hochzeit feiert, in Kirchheim. Die beiden haben das Angebot angenommen, im Haus der Schwiegertochter in einer separaten Wohnung zu leben und die Zelte in Stuttgart-Zuffenhausen abgebrochen. „Wir haben uns gut eingelebt und fühlen uns wohl“, erzählen die beiden unisono.

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In ihrer neuen Heimat kennt sich das Jubelpaar bereits bestens aus. Jeden Tag wird etwa eine Stunde mit dem Rollator ein Spaziergang unternommen. Beliebtes Ausflugsziel ist die Hahnweide, aber auch der Bergwald hat es den beiden angetan. „Die Strecke muss geteert sein, auf den Feldwegen hoppelt es mit dem Rollator so“, verdeutlicht Reinhold Burkhardt die Tücke des Objekts – wobei beide das Gefährt ansonsten schätzen. Ihn und seine Frau schmerzt es, dass sie die Alb direkt vor der Haustüre haben, aber sie nicht mehr erwandern können. „Vor zwei Jahren hätten wir jeden Weg ausgekundschaftet.“

Margit Burkhardt wurde 1933 in Altstadt im Kreis Freudenthal im heutigen Tschechien geboren und nach Kriegsende aus dem Sudetenland vertrieben. Zunächst ging es nach Bayern, dann zog die Mutter der Arbeit beim Daimler wegen nach Stuttgart, und Margit folgte. Der 1930 geborene Reinhold Burkhardt ist in der Bad Cannstatter Arbeitersiedlung Steinhaldenfeld groß geworden. Ins Gedächtnis eingebrannt hat sich der 14. April 1943: Ein Blindgänger hat ihm „das halbe Knie weggebombt“, sechs Monate war er danach im Krankenhaus. Dabei hatte er noch Glück, ein Vater von sechs Kindern wurde bei den gemeinsamen Aufräumarbeiten nach einem Bombenangriff getötet.

Kennengelernt haben sich Margit und Reinhold Burkhardt bei der Arbeit. „Wir haben bei der gleichen Firma gearbeitet, und dann hat‘s halt g‘schnackelt. Vollkommen unverhofft hat sie mich eingefangen. Ich war ein richtiger Vagabund und selten zu Hause“, verrät Reinhold Burkhardt schelmisch lachend. Den Schritt in die gemeinsame Zukunft haben die beiden nie bereut und fünf Kinder miteinander großgezogen. Die ersten Jahre waren schwierig, wie so viele in dieser Zeit mussten sie bei null anfangen. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, ging sie zur Nachtschicht bei der Post. „In 60 Jahren haben wir niemanden gebraucht. Wir haben alles selbst geschafft – und haben immer zusammengehalten“, erzählen sie stolz und schauen sich dabei liebevoll vertraut in die Augen.

Das Reisen war die große gemeinsame Leidenschaft. Ein alter VW-Bus mit 24 PS war das erste Auto, den sie „halb campingmäßig“ umbauten. Der erste Urlaub ging dann in den Bayerischen Wald. „Camping war unser Leben“, erzählt Margit Burkhardt. Später ging es mit einem großen Wohnwagen, der Platz für acht Personen bot, auf Tour. 21 Jahre stand das Gefährt in Biberwier in Tirol. „Jede freie Minute haben wir dort verbracht, es war unsere zweite Heimat. Die ganzen Berge dort haben wir erwandert“, sagt Reinhold Burkhardt. Auch Fern- und viele Busreisen haben sie unternommen. So waren sie beispielsweise in Alaska, Kanada und in Moskau. Aber auch Ungarn war regelmäßiges Ziel, wo sie auch Freunde gefunden haben.

Auf ihr Fest freuen sie sich riesig, nicht zuletzt deshalb, weil die Familie zusammenkommt. Nicht nur die fünf Kinder haben sich angekündigt, auch die sechs Enkel und drei Urenkel werden das Jubelpaar feiern. Die weiteste Anreise hat eine Enkelin: Sie ist in Schweden verheiratet und kommt mit ihrer Familie.