Kirchheim

Bei der FBS herrscht Ernüchterung

Corona-Pandemie Die Familien-Bildungs­stätte leidet unter dem Ausfall der Kurse. Mit dem Herbst- und Wintersemester soll es nun weitergehen. Aber wie? Von Günter Kahlert

Verschlossene Türen bei der FBS: Die Corona-Pandemie hat den Kursbetrieb beendet. Der Aushang am Eingang (kleines Bild) macht di
Verschlossene Türen bei der FBS: Die Corona-Pandemie hat den Kursbetrieb beendet. Foto: G. Kahlert

Eigentlich wird in diesen Juli-Tagen jedes Jahr das neue Programm der Familien-Bildungsstätte (FBS) vorgestellt. Eigentlich. Aber normal ist seit März schließlich nichts mehr. „Wir hatten das Herbst- und Wintersemester schon vollends geplant, doch dann kam Corona“, erzählt Julika Holzäpfel, die als Fachbereichsleitung unter anderem für den Bereich Gesundheit und die Mini-Clubs zuständig ist. Von heute auf morgen wurde die ganze Bildungseinrichtung geschlossen - ein abrupter Lockdown, wie er auch viele andere Bereiche in Deutschland lahmgelegt hat. Im Moment verharrt das Programm in der Schublade und wartet auf die Anpassung an die kommenden Verordnungen.

Die Verschiebung der Programm-Veröffentlichung ist die eine Sache, der sofortige Kurs-Stopp im März jedoch eine andere, noch viel schwerwiegendere. „Der komplette Wegfall der Kursgebühren trifft uns hart“, schildert FBS-Leiterin Gudrun Müller die aktuelle finanzielle Situation. Selbstverständlich gibt es Zuschüsse vom Land, vom Landkreis und von der Stadt, aber das ist nur der kleinere Teil. „Im Bereich der Bildung müssen wir zwei Drittel unserer Kosten über die Kursgebühren abdecken“, erklärt Müller die Finanzierungsstruktur.

Anfangs gab es noch Hoffnung, dass es nach den Osterferien allmählich wieder anläuft. Doch das zerschlug sich schnell. Gudrun Müller beriet sich mit Julika Holz­äpfel und der pädagogischen Leiterin Andrea Bürker, wie es weitergehen soll. Ergebnis: der Präsenzbetrieb bis zu den Sommerferien wurde eingestellt. „Wir haben versucht, im Internet die jeweils aktuellen Corona-Verordnungen zu studieren“, erzählt sie, „aber ich konnte oft erst am Sonntag­abend lesen, was ich ab Montag regeln soll.“ Da sei dann zwangsläufig die Planung zum Stillstand gekommen, weil man einfach nicht gewusst habe, was passiert.

Reserven für die schwierige Zeit zu mobilisieren ist keine Option. Denn es gebe praktisch keine. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und dürfen sozusagen auch keine Gewinne machen, also haben wir auch kein finanzielles Polster oder Vermögen“, erklärt Gudrun Müller. Mit Sparen sieht es ähnlich aus. „Da gibt es nichts Nennenswertes, wir haben immer die Ausgaben an die erwartbaren Einnahmen angepasst.“ Die Umstellung auf Online-Kurse sei auch keine Lösung. Das habe in einzelnen Bereichen zwar funktioniert, sei aber mehr ein Versuch gewesen, da es zu viele Bereiche gibt, die sich nicht dafür eignen. „Das betrifft vor allem die Arbeit mit Eltern und kleinen Kindern“, nennt Julika Holz­äpfel ein Beispiel.

Ein Lichtblick für die Familien-Bildungsstätte ist ihr zweites Standbein, die Ganztagsbetreuung an Schulen. „Die wurde anfangs auch komplett eingestellt, dann kamen aber schnell die verschiedenen Stufen der Notfallbetreuung.“ Einen „Glücksfall“ nennt das Gudrun Müller, da weiterhin Einnahmen erzielt wurden. Inzwischen läuft die Betreuung in der Alleenschule, der Konrad-Widerholt-Schule und der Weilheimer Limburgschule mit den Grundschülern im „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“. Heißt im Klartext: Alle einsatzfähigen Kräfte arbeiten wieder, aber der Ganztagsbetrieb musste komplett umorganisiert werden, da sich die Klassen und die Jahrgangsstufen nicht mischen sollen. Die Betreuung der älteren Schüler ab Klasse fünf in der Raunerschule, in der Freihof-Realschule und im Lenninger Schulzentrum hat nach wie vor nur einen eingeschränkten Umfang.

Völlig ernüchternd findet Gudrun Müller den Umstand, dass ein Bereich wie die Familienbildung derzeit gar nicht mehr öffentlich wahrgenommen wird: „Da ist es ganz schwierig, Tendenzen oder Aussagen zu kriegen, ob man weitere Zuschüsse bekommt.“

Trotz aller Schwierigkeiten ist das FBS-Team aber vorsichtig optimistisch. Julika Holz­äpfel meint: „Wir gehen davon aus, dass wir zum Semesterbeginn im September mit Anpassungen wieder starten können.“ Wann das neue Programm veröffentlicht wird, lässt sich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, auch wenn es längst viele Anfragen gibt.

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