Kirchheim

Bei Lernlücken helfen „Lernbrücken“

Bildung Wegen der Corona-Pause sind die Schüler nicht mehr alle auf dem gleichen Stand. Die Lehrer sind sich einig, dass hier was gemacht werden muss. Helfen soll nun ein Sommer in der Schule. Von Elise Czaja

Leere Klassenzimmer: Für die Sommerferien wurde aufgestuhlt. Das soll dieses Jahr anders werden, denn die „Lernbrücken“ finden i
Leere Klassenzimmer: Für die Sommerferien wurde aufgestuhlt. Das soll dieses Jahr anders werden, denn die „Lernbrücken“ finden in der von Schülern heißgeliebten Sommerpause statt. Foto: Carsten Riedl

Etwas Schlimmeres als die Sommerferien in der Schule zu verbringen gibt es für Schüler kaum. Manche müssen trotzdem dran glauben. Viele Kinder bringen aus der unfreiwilligen Homeschooling-Phase Lernlücken mit. Um die Kinder alle auf den gleichen Wissensstand zu bringen, sollen sie nun Extrahilfe bekommen. Lehrer dürfen bestimmen, welche Kinder schon in den letzten zwei Wochen der Sommerferien in die Schule gehen. Mithilfe der sogenannten „Lernbrücken“, die Kultusministerin Susanne Eisenmann vorgeschlagen hat, soll schwachen Schülern vor Beginn des neuen Schuljahres wieder auf die Beine geholfen werden. Es werden keine Orchideenfächer wiederholt, sondern nur die Kernkompetenzen Mathe und Deutsch. Sage und schreibe 13 Millionen Euro werden dem Land für dieses Vorhaben zur Verfügung gestellt. Allerdings ist die Teilnahme komplett freiwillig - für Schüler und Lehrer. Eltern dürfen nach der Empfehlung der Lehrer entscheiden, ob ihr Kind den Sommer in der Schule verbringt oder nicht. Mit 40 Euro die Stunde will man Lehrern den Aufwand schmackhaft machen. Sollte dies nicht gelingen, bekommen Referendare und Lehramtsbewerber die Stunden angeboten.

Clemens Großmann, Geschäftsführender Schulleiter in Kirchheim, sieht die Lernbrücken positiv. Die Idee sei gut für Schüler, die Nachholbedarf haben. Allerdings wurden die Lehrkräfte während der Corona-Zeit sehr gefordert. „Lehrer sind zweigleisig gefahren. Sie mussten online unterrichten und Präsenzunterricht vorbereiten“, sagt Großmann. Dies war erheblich mehr Arbeit als sonst. Neben Notfallbetreuung in den Ferien sollen sie während ihrem Urlaub nun auch noch unterrichten. Trotzdem denkt er, dass die Lernbrücken Erfolg bringen können - wenn die Schüler sie denn auch nutzen. Der Start ins neue Schuljahr soll ihnen dadurch leichter fallen, da sie so für die neuen Themen vorbereitet sind. „Kinder vergessen in den Ferien immer viel. Das ist aber gar nicht schlimm, wenn man ihnen etwas auf die Sprünge hilft“, so Großmann.

Unterricht in kleinen Gruppen

Das funktioniert allerdings nur, wenn die Eltern ihre Kinder beim Lernen auch unterstützen. Die Lernbrücken sind keine Kinderbetreuung. „Vierzehn Tage können gravierende Mängel nicht beheben“, sagt Großmann. Nur wer sich wirklich dahinter klemmt, kann von den Lernbrücken profitieren. Die kleinen Gruppen sollen sicherstellen, dass jedes Kind genug Zuwendung erhält. Welche Schulen diese Kurse anbieten, ist noch nicht bekannt.

„Freiwillige Lernbrücken in den Sommerferien sind kein Ersatz für regulären Unterricht“, heißt es bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie vertritt unter anderem die Interessen von Lehrern. Die Arbeitsbelastung der Lehrer und der Nutzen der Lernbrücken sind besonders wunde Punkte. Die GEW spricht sich klar gegen die Lernbrücken aus. Stattdessen fordert die Gewerkschaft „längst überfällige Förderstunden“. Dadurch könne man die individuellen Schwächen der Kinder besser aufgreifen und ihnen auch nachhaltig helfen.

Wer keine Empfehlung zur Lernbrücke bekommen hat, aber trotzdem etwas Anschub braucht, kann sich privat Nachhilfe suchen.

Die Schülerhilfe in Kirchheim beispielsweise bietet ein Sommerferienprogramm zum Aufholen von Stoff an. In vier Wochen sollen Schüler fit fürs neue Schuljahr werden.

Bei dem privaten Nachhilfelehrer Dominik Laux sind nach Corona einige Neuanmeldungen dazugekommen. Seine bisherigen Schüler sind auch nach der Pause wieder zu ihm zurückgekehrt. Er sieht die Lernbrücken positiv, allerdings bemerkt er, dass viele Jugendliche skeptisch sind. Er berichtet, dass eine seiner Schülerinnen die Empfehlung der Lehrerin ablehnt. Sie möchte lieber bei Dominik Laux bleiben, der auch in den Sommerferien Kurse anbietet. „Unterrichtsstoff kann in einer Homeschooling-Phase nie so intensiv durchgearbeitet werden wie in der Schule“, sagt er. Allerdings sei ihm aufgefallen, dass sich Lehrer während der Corona-Pause sehr bemüht haben, den Stoff so gut wie möglich an die Schüler zu vermitteln.

Es gibt also genügend Angebote, um Wissenslücken auszumerzen. Das klappt aber nur, wenn die Schüler wirklich wollen.

Lernen in der Schule, das war lange nicht möglich.
Lernen in der Schule, das war lange nicht möglich.

Tipps, wie Schüler sich motivieren können

Wecker sind aggressiv. Wer sich einen angenehmen Weckton einstellt, beginnt den Morgen gleich mit etwas Schönem. Beim Fertigmachen die Lieblingsband zu hören, kann die Laune schon kräftig heben.

Grundlage für späteren Erfolg ist nun mal die Schule. Wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man sich für sein eigenes Ziel abquält, ist alles halb so schlimm.

Freunde sind im Schulalltag das Kostbarste überhaupt. Man kann zusammen lernen und Hausaufgaben machen. Und wenn die Klausur nicht so super lief, hat man auch eine Schulter zum Ausheulen.

Pausen müssen sein. Wenn man lernt, braucht der Kopf mal eine Auszeit. Sobald man merkt, es geht nichts mehr rein ins Hirn - aufstehen, sich bewegen, genug trinken.

Ein Raum zum Lernen ist für Schüler fast genauso wichtig wie ein Raum zum Leben. An einem Schreibtisch, der nur für Schularbeiten vorgesehen ist, wandern die Gedanken nicht zu weit weg.

Mit Selbstvertrauen kann man Berge versetzen. Wer sich selbst Dinge zutraut und Aufgaben beim Schopf packt, schafft viel mehr. Angst ist ein schlechter Berater. Nur Mut! el

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