Kirchheim

Berlin entscheidet

Die Argumente sind ausgetauscht. Allerdings ist nicht ganz klar, ob sie auf der jeweils anderen Seite auch angekommen sind. Die Anwohner, die gegen die Bebauung der Klosterwiese sind, verweisen auf die wertvolle Grünfläche. Die Stadt verweist auf ihre Notlage, so schnell wie möglich Wohnraum für die Anschlussunterbringung zu schaffen. Beide Seiten haben gute Argumente. Nur: Zusammenbringen lassen sie sich nicht.

Zudem sind längst Fakten geschaffen: Die Klosterwiese ist kleiner geworden. Die Fundamente sind fertig und warten auf den Hochbau. Keiner der Petenten kann ernsthaft davon ausgehen, dass der Petitionsausschuss daran etwas ändert und eventuell sogar einen Rückbau empfiehlt. Dieser Teil der Klosterwiese wird nicht mehr zum Rasen.

War also alles für die Katz‘? Gehen die Petitionen aus wie das Hornberger Schießen? Auf den ersten Blick lautet die Antwort „Ja“. Der Bau der beiden Gebäude lässt sich sicher nicht mehr verhindern. Auf den zweiten Blick aber dürfte zumindest der Aufschrei, der mit den Petitionen einhergeht, seine Wirkung entfalten: Stadtverwaltung und Gemeinderat werden sich so lange wie möglich hüten, die zwei weiteren Gebäude, die der Bebauungsplan „hergibt“, auch noch bauen zu wollen.

Aber: Sollte es wieder einen ähnlich hohen Zustrom von Flüchtlingen geben wie 2015, dann muss die Stadt irgendwann auch weitere Häuser bauen - auch auf der Klosterwiese.

Wenn es also darum gehen soll, dass es wirklich bei den zwei Neubauten auf der Klosterwiese bleibt, dann ist die ganz große Politik gefragt. Darüber wird nämlich nicht in Kirchheim entschieden, sondern in Berlin. Die Politik muss dafür sorgen - sowohl durch die Sicherung der europäischen Außengrenzen als auch durch eine konstruktive Entwicklungszusammenarbeit -, dass sich „Zustände wie 2015“ nicht wiederholen. Das hatten zumindest die hiesigen Kandidaten im Bundestagswahlkampf betont. Jetzt geht es darum, das auch umzusetzen.

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