Kirchheim

Besser mal „Nachdenken“

Diskussionsabend Neu gegründete Kirchheimer Initiative wirft einen kritischen Blick auf die westlichen Medien.

Kirchheim. Heinrich Brinker, Land- und Bundestagskandidat der „Linken“, möchte die politische Diskussion in Kirchheim beleben. Im „Club Bastion“ stieß er damit auf offene Ohren. Als kultureller, literarischer und letztlich politischer Club stellt er der Initiative „Nachdenken“ seit Januar den Clubkeller einmal im Monat für ein Treffen zur Verfügung. Der Vorstand, so dessen Sprecher Bernhard Fischer, war sich darüber einig, dass es sich dabei nur um eine überparteiliche Veranstaltung handeln darf, die offen und nicht verunglimpfend über politische Themen diskutiert.

Die Februar-Runde war betitelt mit „Ein kritischer Blick auf die Medien“. Die freiberufliche Fotojournalistin Gabriele Kärcher aus Weilheim zeigte „Ungereimtheiten“ in der politischen Berichterstattung deutscher und westlicher Zeitungen und Fernsehsender auf. Kärcher ist beruflich auf Pferdebilder und -zucht sowie auf die Beziehung des Menschen zu Pferden spezialisiert.

In ihrem Vortrag zum Thema Qualitätsjournalismus zeigte sie zum Beispiel eine „entlarvende“ Szene des Satire-Magazins „Die Anstalt“, in der Max Uthoff und Claus von Wagner eine Reihe namhafter Journalisten in enge und verdächtige Verbindung mit Lobby-Institutionen und Werbung in eigener Sache bringen.

In Gabriele Kärchers mehr als eine Stunde dauernden „Impulsreferat“ bekamen insbesondere Journalisten der Leitmedien wie „Welt“, „Spiegel“ oder „Zeit“ ebenso wie die Berichterstatter der öffentlich-rechtlichen Medien ihr Fett ab. Kärcher sprach den dort tätigen Redakteuren Neutralität ab, beschuldigte sie, in ihrer Themen- und Wortwahl ausschließlich den Vorgaben des „transatlantischen Bündnisses“ (also der NATO-Staaten) oder den Leitlinien der Verleger unterworfen zu sein. Positive Gesinnungsansätze etwa von Russlands Präsident Putin oder des nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Un kämen in westlichen Medien nicht vor.

„Hetzkampagne“ gegen Trump

Kärchers Appell an die Leitmedien: Sie sollen recherchieren, Quellen prüfen und lesen. Als positive Beispiele solcher Arbeitsmethoden zeigte sie weitere Videoausschnitte, beispielsweise vom kremlnahen Fernsehsender „Russia Today“ oder aus den mit Donald Trump eng verbundenen „Fox News“. Auch auf eigene Erfahrungen griff die Referentin zurück: Sie berichtete von einer dreiwöchigen Russlandreise („Freundschaftsfahrt“), an der sie teilgenommen hat, über die aber ausschließlich in alternativen Medien positiv berichtet wurde. Die „Leitmedien“ hätten die Tour nicht erwähnt oder als russische „Propaganda“ verhöhnt. Die allgemeine Stimmung gegen den US-Präsidenten Donald Trump empfindet sie als „Hetzkampagne“ der Mainstream-Medien, wobei doch eigentlich seine Gegenkandidatin Hillary Clinton „entlarvt“ worden sei. Von Wikileaks-Gründer Julian Assange und Edward Snowden höre man ja auch nichts mehr, während Deniz Yücel ein großes Medienecho gefunden habe. Und das alles, obwohl doch Artikel 1 der UNESCO Mediendeklaration ganz klar umfassende und ausgewogene Verbreitung von Informationen fordert!

Die überschaubare Diskussionsrunde von etwa zehn Personen war unschlüssig. Natürlich sei „Russia Today“ kein unabhängiges Medium, recherchiere aber gut, Kritik an der NATO sei schon okay. Selbstverständlich verfolge auch der russische Präsident geostrategische Interessen, ebenso wie die NATO. Die „Tagesthemen“ dagegen betrieben Meinungsmache und selbst die Lokalzeitungen hätten keine Möglichkeit mehr, zu recherchieren, sie übernähmen tendenziöse Agenturmeldungen. Eine Teilnehmerin bemängelte grundsätzlich die fehlende Diskussionskultur im Land, vor allem bei jüngeren Leuten. Ein anderer hat sein Zeitungsabonnement gekündigt und sich stattdessen ein Buch des Kopp-Verlags gekauft. Der Verlag ist unter anderem dafür bekannt, Verschwörungstheorien und rechtspopulistische Titel zu vertreiben.

Die von Heinrich Brinker ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe „Nachdenken“ wird am 28. März fortgesetzt. Aus der Mitte der Teilnehmer wurde angeregt, das Medienthema noch einmal zu vertiefen, mit dem Ziel, auch in der Lokalzeitung auf mehr Nachhaltigkeits- und Friedensthemen hinzuwirken. Andrea Barner

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