Kirchheim

Beständig wie ein Mammutbaum

Jubiläum Seit 25 Jahren gibt es den Lindorfer Ortschaftsrat. Zur Feier pflanzen die Stadtteilvertreter Mammutbäume – ein Zeichen für die Zukunft. Von Daniela Haußmann

Mit festem Schritt will der Lindorfer Ortschaftsrat auch den Weg in die Zukunft beschreiten. Fotos: Daniela Haußmann
Mit festem Schritt will der Lindorfer Ortschaftsrat auch den Weg in die Zukunft beschreiten. Foto: Daniela Haußmann

Eigentlich hätte der Lindorfer Ortschaftsrat in diesem Jahr allen Grund, die Korken knallen zu lassen. Denn vor ziemlich genau 25 Jahren wurde das Verwaltungsorgan ins Leben gerufen. Anstatt zu feiern, pflanzten die Ratsmitglieder zum Jubiläum jedoch vier Mammutbäume. Damit setzten sie entlang der sogenannten Birkenallee ein deutliches Zeichen für Nachhaltigkeit, Stabilität und Zukunftsorientierung. Dass sich Lindorf zu einem attraktiven Wohnort und einem lebhaften Kirchheimer Stadtteil entwickelt hat, ist nicht zuletzt auch der Verdienst jener Bürgervertreter, die sich seit Gründung des Gremiums aktiv für die Belange der Kommune einsetzen.

Weiteres Großprojekt: Kindergarten

Laut Klaus Pesl war die Neugestaltung der Lindorfer Ortsmitte ein Mammutprojekt, das die Ratsmitglieder in der von 1999 bis 2004 währenden Legislaturperiode auf Trab hielt. Am Ende aller Mühen war es dem Lokalpolitiker zufolge allen Beteiligten gelungen, einen attraktiven Siedlungskern zu schaffen, der bis heute eine hohe Aufenthaltsqualität bietet.

Ein weiteres Großprojekt war der Bau des neuen Kindergartens. „Vor circa 20 Jahren schauten sich die Ratsmitglieder in anderen Kommunen um, sammelten viele Informationen und fällten den Entschluss, einen Fertighauskindergarten zu bauen“, erzählt der Lindorfer. Die Stadt, die für den Bau etwa 2,5 Millionen Mark in den Haushalt eingestellt hatte, konnte so Finanzmittel in Höhe von rund einer Million einsparen.

Kamen vor 150 Jahren ins Land

Seine Gremiumskollegin Anke Spielvogel sah bei der Jubiläumsaktion aber auch in der Sanierung des Bürgerhauses einen wichtigen Meilenstein. „Es war das erste Projekt der gerade gegründeten Lindorfer Stadtteilvertretung“, sagt Kommunalpolitiker Dr. Alexander Forkl. „Mit dem Instandsetzungsprojekt nahm der Rat offiziell seine Arbeit auf.“

Aus seiner Sicht bildete dieser erste Anfangserfolg das Fundament für den Zusammenhalt der Ratsmitglieder und den starken Rückhalt, den das Gremium anschließend in der Bevölkerung genoss.

Über die Jahre hat der Ortschaftsrat nichts von seinem Elan eingebüßt. Stets hat er die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung aufgegriffen, um sie in den Gemeinderat und die Stadtverwaltung hineinzutragen, wie Ortsvorsteher Stefan Würtele betonte. Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern. „Genau dafür stehen die vier Mammutbäume, die wir anlässlich des Jubiläums pflanzen“, sagt Würtele. Mammutbäume hätten, genau wie der Lindorfer Ortschaftsrat, eine tief verwurzelte Tradition.

Die ersten Exemplare dieser Sumpfzypressengewächse wurden vor etwa 150 Jahren in Württemberg ausgesät. Ins Ländle holte sie König Wilhelm. 1864 bestellte der Regent für 90 Dollar in Kalifornien Saatgut und zwar in der damals gängigen Maßeinheit Lot. Ein Lot entsprach 15 Gramm, zumindest nach schwäbischer Auffassung. Die Amerikaner verstanden unter „a lot of“ freilich etwas gänzlich anderes, nämlich „eine große Menge“ Saatgut, die dann mit dem Schiff über den großen Teich gesegelt kam. „Die Amerikaner hatten circa 450 Gramm an Samen geliefert“, sagt Würtele. 1884 wurden sie über ganz Württemberg verteilt angepflanzt. Aus ihnen sprossen etwa 7 500 Mammutbäume. Einige davon haben so den Weg ins Gewann Rübholz gefunden.

In Europa kleiner als in Amerika

Mammutbäume gelten als lebende Fossilien, denn sie bedeckten bereits vor 110 Millionen Jahren in riesigen Wäldern einen Großteil der Erdoberfläche. Die Bäume können über 100 Meter hoch und rund 1 500 Jahre alt werden. In Nordamerika erreichen sie einen Stammdurchmesser von drei bis sechs Metern. Dem Wachstum und Alter der Sumpfzypressengewächse sind hierzulande durch die klimatischen Bedingungen enge Grenzen gesetzt. Beeindruckend war für Stefan Würtele vor allem, dass die Rinde der Mammutbäume feuerfest ist.

All diese Eigenschaften machen die Baumart für den Ortsvorsteher zu etwas ganz Besonderem. „Das trifft auch auf den Ortschaftsrat und die Einwohner von Lindorf zu“, sagt Stefan Würtele. „Aus diesem Grund haben wir keine Eichen, Linden oder Buchen gepflanzt, sondern Mammutbäume.“ Die Mammutbäume werden laut Petra Reiner noch sehr lange an der Birkenallee im Lindorfer Forst stehen. Dort sollen sie ein gut sichtbares Zeichen für die Beständigkeit des Stadtteils, aber auch des Ortschaftsrates setzen.

Mit festem Schritt will der Lindorfer Ortschaftsrat auch den Weg in die Zukunft beschreiten. Fotos: Daniela Haußmann
Foto: Daniela Haußmann
Anzeige