Kirchheim

Besucher-Tests sind in Pflegeheimen die Ausnahme

Pflege Die Heime sollen offen bleiben, trotz vieler Corona-Neuinfektionen. Das ist Wille der Politik. Um ihre Bewohner zu schützen, setzen Heime auf Regeln für Besucher und – wenn vorhanden – auf Antigen-Schnelltests. Von Antje Dörr

Anders als im Frühjahr dürfen pflegebedürftige Menschen momentan Besucher empfangen, so wie hier im Kirchheimer Fickerstift.Foto
Anders als im Frühjahr dürfen pflegebedürftige Menschen momentan Besucher empfangen, so wie hier im Kirchheimer Fickerstift.Foto: Markus Brändli

Die erste Hochphase der Pandemie hat bei vielen Angehörigen Narben hinterlassen. Die Mutter oder den Vater wochenlang nicht im Pflegeheim besuchen zu können, war für beide Seiten belas­tend. Nun ist Adventszeit, und die hohe Zahl der Corona-Neuinfektionen hält Deutschland einmal mehr in Atem. Und doch ist für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen dieses Mal alles anders. Die Heime sind offen, Bewohner dürfen pro Tag zwei Besucher in ihren Zimmern empfangen. Natürlich mit Maske, Abstand und desinfizierten Händen. Stefan ­Wiedemann hat den Eindruck, dass das funktioniert. „Die Angehörigen sind sehr diszipliniert. Sie wollen so etwas wie im Frühjahr nicht mehr“, sagt der Geschäftsführer der DRK-Seniorenzentren. Dort gibt es keine festen Besuchszeiten, eine Anmeldung ist nicht nötig. Lieber eine Streuung der Besuche über den Tag als eine Ballung zu bestimmten Zeiten, lautet die Devise.

Im „Haus im Lenninger Tal“, das von der Evangelischen Heimstiftung betrieben wird, ist das anders. Auch dort sind Besuche erwünscht, aber auch stärker reglementiert. Möglich sind sie täglich zwischen 10 und 19 Uhr, für maximal zwei Stunden. Ohne Anmeldung kommt keiner rein, Besucher müssen sich spätestens am Vortag oder bis Freitagnachmittag fürs Wochenende anmelden. Hinzu kommen weitere Vorsichtsmaßnahmen. „Wir messen Fieber bei den Besuchern, und sie müssen einen Selbstauskunfts­bogen ausfüllen und unterschreiben“, sagt Petra Annen, Leiterin der Einrichtung. Der Aufwand für das Besuchsmanagement ist erheblich. Vor allem die Anmeldungen, die mal telefonisch, mal per Mail hereinkommen, halten Annen und ihr Personal auf Trab. „Unser Träger versucht gerade, eine Online-Anmeldung einzurichten, um uns zu entlasten“, sagt die Heimleiterin.

Seit dem 9. November setzt man im „Haus im Lenninger Tal“ außer­dem auf Schnelltests, um Ansteckungen zu verhindern. Annen und ihr Team bieten Besuchern die Tests alle zwei Tage lang in einem Zeitfenster von zwei Stunden an. Die Resonanz ist jedoch zögerlich. „Es wird momentan noch nicht so gut angenommen“, sagt die Heimleiterin bedauernd. Zwingen kann sie niemanden, der Test ist freiwillig. Mitarbeiter lassen sich hingegen bereitwillig tes­ten - wohl auch, weil allen der erste Lockdown noch in den Knochen steckt. „Dass das Personal getestet werden kann, hätten wir uns im April sehr gewünscht. Man hat schon ein besseres Gefühl danach“, sagt Annen. Gleichzeitig sei es natürlich nur „eine Momentaufnahme“. Getestet werden auch die Bewohner des Pflegeheims, wenn die Angehörigen zustimmen, wobei die Durchführung des Nasen-Rachen-Abstrichs bei den mehrheitlich demenziell erkrankten Menschen nicht immer ganz einfach ist. „Wir probieren es, aber einige Bewohner wehren es auch ab“, sagt Annen.

Antigen-Tests sind im „Haus im Lenninger Tal“ ausreichend vorhanden. Auch an Schutzkleidung fehlt es dieses Mal nicht. Knapp ist hingegen Personal. „Ich würde gerne jemanden einstellen, der die Tests durchführt“, sagt ­Annen. Denn das Besuchsmanagement und die Durchführung der Tests rauben ihr und ihrem Team das, was ohnehin am knappsten ist: Zeit für die Bewohner. „Zwischen halb vier und fünf nach dem Kaffee, das war immer unsere Zeit, in der wir uns mit den Bewohnern beschäftigen konnten, beispielsweise singen oder ein Fotoalbum anschauen“, sagt Annen und ergänzt: „Der Zeitdruck ist noch größer geworden.“

In den DRK-Seniorenzentren sind Schnelltests im großen Stil momentan nicht möglich, weil zu wenige vorhanden sind. „Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien das verteilt wird“, sagt Stefan Wiedemann etwas ratlos. „Wir haben Anfang Oktober bestellt.“ Die Tests, die vorhanden seien, würden bei Verdachtsgeschehen eingesetzt. Wiedemann setzt ohnehin mehr Hoffnung auf die mögliche Impfung der Bewohner als auf die ­Antigen-Tests. „Damit schütze ich letztendlich niemanden“, sagt er.

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