Kirchheim

Bewegte Zeiten

Randnotiz Ich hab kein Corona. Ich hab Rücken. Wen wundert’s? Vom Bett über Küche ins Homeoffice, am Abend über Küche und Sofa zurück ins Bett. - An manchen Tagen passt mein Aktionsradius auf das, was ein selbsterklärter Kanzlerkandidat einmal als seinen Wunschort für meine Steuererklärung beschrieben hat. Bei bandscheibenbedingten Engpässen habe ich zur Leibesertüchtigung den Dienstleister meines Vertrauens. Weil Sport und Bewegung ansteckend sein können, gibt der bei Seitstütz und Standwaage allerdings Hilfestellung nur noch im virtuellen Raum. Das kann man machen. Nach der x-ten Skype-Konferenz im Heimbüro hält sich mein Hunger auf Bewegtes im 17-Zoll-Format nach Feier­abend dann aber doch in Grenzen.

Lehrer wissen es schon lange: Rütteln und schütteln muss man den Tagesplan. Das nennt sich Rhythmisierung. Gut, dass es Einkäufe gibt. Lässt man das Auto im Stall und sattelt Schusters Rappen, bringt das tatsächlich Kreislauf und Knochen in Schwung. Zumal an der Ladentheke und im Supermarkt dank Maskenpflicht großes Kino läuft. Wer sein Körbchen vergnügt durch die Auslagen schwingt, braucht nur ein wenig Fantasie, um sich wie ein Zaungast am Filmset zu fühlen: Dort lädt Billy the Kid Bohnen nach, steht Hannibal Lecter für Ge­schnetzeltes an, und an der Kasse wacht die Raumpatrouille.

Ich trete unbemerkt beiseite, zücke mein Handy und knipse heimlich ein paar Fotos. Sollte ich in naher Zukunft als Erzählonkel zur Risikogruppe überwechseln, könnte ich die zum Beweis herzeigen. Glauben tut einem das später ja keiner. Bernd Köble

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