Kirchheim

Bilder sollen Brücken bauen

Ausstellung Flüchtlinge und Gymnasiasten präsentieren in einer Fotoschau in der Stadtbücherei ihre Lieblingsplätze in Kirchheim. Die Wünsche und Bedürfnisse decken sich oft. Von Daniela Haußmann

Kirchheim mit den Augen von Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrungen sehen - die Ausstellung „EinWeg“ macht es möglich. Die B
Kirchheim mit den Augen von Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrungen sehen - die Ausstellung „EinWeg“ macht es möglich. Die Bilderschau soll nicht nur Neugier wecken, sondern Kontakte zwischen Bürgern und Flüchtlingen herstellen.Foto: Daniela Haußmann

Eine Bilderschau unter dem Titel „EinWeg – mein Weg nach und durch Kirchheim. Welche Orte sind mir wichtig?“, ist in den nächsten sechs Monaten in der Kirchheimer Stadtbücherei zu sehen. Das vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ mit 1 100 Euro unterstützte Fotoprojekt haben zwölf Flüchtlinge und Schüler des Kirchheimer Schlossgymnasiums realisiert. Entstanden sind eindrucksvolle Ablichtungen, die mehr sind als nur Momentaufnahmen von Stimmungen und Aufenthaltsräumen.

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„Die Fotos zeigen, dass junge Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – eine Vorliebe für ganz bestimmte Orte im Stadtgebiet teilen“, erklärt die Brückenhaus-Mitarbeiterin Rieke Müller, die das Projekt initiiert hat. „Es wird deutlich, dass die Wünsche und Bedürfnisse junger Flüchtlinge und Schüler in vielerlei Hinsicht deckungsgleich sind.“ Sport treiben, Freunde treffen, Ruhe finden, Spaß haben – all das findet sich in den Fotografien wieder und eint die Teilnehmer. Die in Kirchheim verankerten Aufnahmen laden zum Perspektivenwechsel ein. Sie eröffnen die Möglichkeit, die abgebildeten Plätze und Situationen durch die Augen junger Menschen mit und ohne Fluchterfahrung zu sehen.

„Die Ausstellung soll Impulse für Begegnungen und Gespräche setzen. Genau wie die zwölf Fotografen, die sich bei der Realisierung des Projekts näherkamen, soll Besuchern der Stadtbücherei über das Medium der Fotografie der Zugang zu Flüchtlingen und die Kontaktaufnahme mit ihnen erleichtert werden. Gemäß Ingrid Gaus, Leiterin der Kirchheimer Stadtbücherei, kommen täglich bis zu 600 Besucher, darunter auch zahlreiche Flüchtlinge. Die Ausstellung bietet die Chance, dass Zuwanderer und Einheimische ins Gespräch kommen. „Solche Kontakte gibt es zwar. Doch sie finden eher selten statt“, so die Bibliothekarin, weil kaum einer wildfremde Menschen einfach anspreche.

Das bestätigt auch Gwen, die die neunte Klasse des Schlossgymnasiums besucht und an dem Projekt mitgewirkt hat. „Aufeinander zuzugehen, fällt den Meisten schwer“, sagt die Schülerin. „Einfach jemanden auf der Straße anzusprechen, ist mit Vorbehalten verbunden, weil man nicht weiß, wie die Person reagiert.“ Das gilt Laura zufolge gerade mit Blick auf Menschen, die eine besondere Vergangenheit mitbringen. „Schließlich können die Betroffenen bestimmte Fragen, wie zum Beispiel die nach der Flucht oder nach der Familie, als unangenehm empfinden“, betont die Gymnasiastin. Trotzdem haben die Jugendlichen ihre Lebenswege verglichen. „Einer der Flüchtlinge hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, meine Heimat zu verlassen“, erinnert sich Gwen. „Die Zusammenarbeit hat mich dazu bewegt, darüber nachzudenken, was ich an meinem Leben schätzen kann.“

Kunsttherapeutin Daniela Egner, die das Projekt mitgestaltet hat, berichtet, dass ganz bewusst Einwegkameras zum Einsatz kamen. Aus ihnen leitet sich der Titel der Ausstellung ab. „Im Gegensatz zur Digitalfotografie werden nicht beliebig viele Aufnahmen gemacht“, so Egner. „Die Jugendlichen mussten ins Gespräch kommen und überlegen, welche Orte sie aus welchem Grund auswählen und wie sie sie in Szene setzen.“

„Das Projekt war auch für die Flüchtlinge eine Bereicherung“, so Egner. „Sie haben Kontakt zu gleichaltrigen Deutschen bekommen, erfahren, wo die sich aufhalten und welche Bedürfnisse sie haben.“ Aus der Aktion ist die eine oder andere Freundschaft entstanden. „Ich habe noch keine geknüpft. Das braucht Zeit. Aber einer der Flüchtlinge hatte vor kurzem Geburtstag“, erzählt die Gymnasiastin Alina. „Einige haben mit ihm gefeiert.“ Müller hofft, dass die Bilder auch unter Bibliotheksbesuchern Brücken bauen.