Kirchheim

Billard, Pizza und Weihrauch

Ehrenamtspreis 120 Ministranten gestalten in der katholischen Gesamtkirchengemeinde regelmäßig die Gottesdienste mit, verbringen ihre Freizeit zusammen und erleben auch manches Abenteuer. Von Peter Dietrich

Ein Sofa in den Jugendräumen „Bierbrezel“ und einige der „Minis“ aus Kirchheim und Umgebung. An hohen Festtagen wie Fronleichnam
Ein Sofa in den Jugendräumen „Bierbrezel“ und einige der „Minis“ aus Kirchheim und Umgebung. An hohen Festtagen wie Fronleichnam (Foto unten) sind auch ältere Ministranten dabei.Fotos: Peter Dietrich, Markus Brändli

Dicht gedrängt sitzen gut 20 „Minis“, wie sie ganz offiziell und kurz heißen, in den Jugendräumen „Bierbrezel“ in der Lindachallee 29. Sonst treffen sie sich in zwei getrennten Gruppenstunden, doch für den Teckboten haben sie diese extra zusammengelegt.

Mitmachen geht nach der Erstkommunion, also ab der dritten Klasse, zuletzt wurden am 22. Juli in Dettingen neue Minis aufgenommen. Ein Mini kann auch schon etwas größer sein, es gibt keine Altersgrenze. An hohen Festtagen machen Minis, die in diesem Jahr für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen sind, mit, die schon 30 Jahre alt sind. Insgesamt zählt die katholische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim 120 Minis. Sie kommen bis aus Schlierbach und Bissingen zu den Kirchheimer Gruppenstunden. Viktor Hoffmann, 22 Jahre alt und Mitarbeiter, fährt immer mit dem Kleinbus von Dettingen her und nimmt einige Minis mit.

Wie finden Kinder dazu? „Wenn die Eltern dahinterstehen, ist das ein Selbstläufer“, sagt Viktor Hoffmann. Einmal war die Schwester schon dabei, einmal der Bruder. In den Gruppenstunden ist jeder willkommen, er muss dazu nicht katholisch sein.

Neueinsteiger lernen von den Erfahrenen. Was sind die Hauptfehler? „Zu früh klingeln und falsch laufen“, sagt Ilaria Franke. Was macht man im Zweifelsfall? „Lächeln und so tun, als wüsste man gerade, was man machen muss“, sagt die Jugendreferentin Carolin Koepke, sie hat die Minis für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen. „Irgendwann versteht man, dass es immer dasselbe ist“, sagte Viktor Hoffmann. Ja, zwischen den Pfarrern gebe es Unterschiede, sagen einige, aber gut sei, dass die Liturgie feststehe. Um die Gewänder kümmert sich die Mesnerin, sie kontrolliert auch, ob nach dem Umziehen jeder korrekt gekleidet ist. Gebraucht wird jeder Ministrant etwa alle zwei bis drei Wochen. Eine gewisse Aufregung ist am Anfang normal, doch das gibt sich mit der Zeit.

Zweimal Wasser

Für manche Pannen können die Minis absolut nichts, aber sie erzählen sie freimütig: Einmal fiel eine Glocke ab, ein anderes Mal war statt einmal Wasser und einmal Wein in beiden Gefäßen Wasser. Was tun? „Wir haben uns nichts anmerken lassen“, sagt die 22-jährige Verena Küfner.

Die wöchentliche Ministunde dauert rund 90 Minuten und wird mit so schönen und „profanen“ Dingen wie Pizzabacken, Spielen, Basteln, dem Fußballspielen auf der Klosterwiese und mit Billard verbracht. Eben das, was andere Jungscharen oder Jugendgruppen ebenfalls gerne tun.

Natürlich gibt es in den Jugendräumen „Bierbrezel“, in denen heute ausnahmsweise beide Gruppen zusammen sind, kein Bier, aber eine begehrte Kiste mit Süßigkeiten. Jeden Monat oder zweiten Monat gibt es größere Aktionen, etwa Filmtage. Einmal im Jahr gibt es ein Wochenende in einem Selbstversorgerhaus. Im März 2018 gab es eine WG-Woche im Bohnauhaus. Alle taten das, was sie sonst auch tun, also zur Schule gehen oder in einen Verein, aber sie wohnten in dieser Woche zusammen, mit Luftmatratze und Isomatte.

Wallfahrt nach Rom

In dieser Woche steht die Ministrantenwallfahrt nach Rom an, sie gibt es alle vier Jahre. Aus der Diözese nehmen über 6 000 Jugendliche teil, aus Kirchheim sind es etwa 30. „Es wären noch mehr, aber man darf erst ab 14 Jahren mit“, sagt Carolin Koepke. Die Busfahrt in die italienische Hauptstadt dauert 15 bis 16 Stunden. Auch eine Begegnung mit Papst Franziskus steht auf dem Programm. Die Fahrt ist für die Minis sehr beeindruckend, Carolin Koepke war als Jugendliche selbst dabei. Übernachtet wird in Rom überall, in Ferienwohnungen, Zelten und Hotels. Die Kirchheimer Ministranten haben es gut erwischt; auf sie wartet ein zentral gelegenes Hotel beim Kolosseum. Zur Finanzierung der Reise haben die Minis Socken und Eis verkauft, es gab einen Kinderbasar, eine Tombola und vieles mehr. Ihre Reisekasse hat den wunderbaren Namen „Römertopf“ bekommen.

Drei Fragen an Jugendreferentin Carolin Koepke

Carolin Koepke, Jugendreferentin der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim u.T., die Wanddekoration hinter ihr (in den Ju
Carolin Koepke, Jugendreferentin der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim u.T., die Wanddekoration hinter ihr (in den Jugendräumen "Bierbrezel" in der Lindachallee 29) passt, denn in der ersten Ferienwoche fahren die Minis nach Rom

1. Sie waren früher selbst ein „Mini“, erinnern Sie sich noch an die Anfangszeit, wie war das?

Ich bin damals von einer Schulfreundin in die Gruppenstunde der Minis mitgenommen worden. Und obwohl ich anfangs nur sie kannte, war ich sehr schnell mittendrin und es wurde selbstverständlich, immer mittwochs in die Ministunde zu gehen. Ich kann mich auch noch sehr gut an die ersten Male ministrieren erinnern: Ich war ganz schön nervös, alles richtig zu machen und im Gottesdienst auf dem Präsentierteller zu stehen. Aber zum Glück gab es viele tolle ältere Minis und unsere Mesnerin, die mit Gummibärchen und Tipps gegen die Nervosität half.

2. Ein Drittklässler, Junge oder Mädchen, fragt Sie, warum er oder sie Mini werden soll. Was antworten Sie?

Bei den Minis warten einzigartige Erlebnisse: Beim Ministrieren erlebt man den Gottesdienst aus einer neuen Perspektive und kann selbst mitgestalten. Und in der Gruppe der Minis kann sich jede und jeder mit eigenen Talenten einbringen. Gemeinsam sind sie eine bunte Truppe und haben jede Menge Spaß. Die Minis sind eine große Gemeinschaft und haben dort gute Freunde gefunden.

3. Was macht Ihnen heute in der Arbeit mit den Minis am meisten Spaß?

Unsere Minis zeigen, wie aus einer großen Gruppe Kinder und Jugendlicher eine starke Gemeinschaft werden kann - das beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Es macht unglaublich Spaß, gemeinsam mit ihnen immer neue Abenteuer zu entdecken. Ein Besuch in der Ministunde ist immer eine tolle Auszeit vom Alltag. Gemeinsam neue Projekte wie eine WG-Woche zu entwickeln und umzusetzen, ist immer spannend. Bei all den Aktionen merkt man, wie viel Herzblut der Minis mit dabei ist, das steckt einfach an!

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