Kirchheim

Bis 2022 bleibt das Museum zu

Sanierung Die oberen Etagen des Kornhauses werden umgebaut. In vier Jahren soll das Städtische Museum seine neue Dauerausstellung eröffnen. Von Andreas Volz

Noch sind die oberen Stockwerke des Kornhauses nicht ausgeräumt. Die Dauerausstellung ist nur nicht mehr öffentlich zugänglich.
Noch sind die oberen Stockwerke des Kornhauses nicht ausgeräumt. Die Dauerausstellung ist nur nicht mehr öffentlich zugänglich. Aus Brandschutzgründen sind die Räume seit zwei Jahren abgeschlossen.Fotos: Jean-Luc Jacques

Seit zwei Jahren befindet sich das Städtische Museum im Kirchheimer Kornhaus in einem Dornröschenschlaf: Nur Erdgeschoss und erster Stock stehen für Ausstellungen zur Verfügung. Kunstbeirat, Kulturring und Museum müssen sich die Räumlichkeiten teilen. Die darüberliegenden Stockwerke sind dagegen für die Öffentlichkeit geschlossen. Grund dafür sind umfangreiche Brandschutzsanierungen, ohne die die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet wäre. Die Dauerausstellung bleibt also auf unbestimmte Dauer zu.

Von außen sieht man dem Kornhaus nichts an: Es wird nicht von dornigen Rosen überwuchert. Auch die Gefahr, dass innen alles verstaubt, besteht nicht: Die alte Dauerausstellung war ohnehin schon angestaubt - nicht was die Objekte betrifft. Aber die Darstellungsformen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Museumsbesucher wollen heutzutage eben mehr als Gegenstände anschauen und die dazugehörigen Beschreibungen lesen.

Interaktive Grafiken, Filme, Tonaufnahmen, Mitmachstationen - all das ist in zeitgemäßen Museen gefragt. Das geht sogar so weit, dass selbst der Begriff „Museum“ als angestaubt gilt. Landauf, landab scheuen sich Verwaltungsmitarbeiter und Ratsmitglieder, dieses Wort zu verwenden, weil es als so unattraktiv abgestempelt wird wie „Dia-Abend“.

Was macht also ein Museum, das nach Möglichkeit gar nicht mehr so heißen soll, das seit zwei Jahren geschlossen ist und das wohl kaum vor 2022 wieder eröffnet? Museumsleiterin Stefanie Schwarzenbek nennt mehrere Kernaufgaben. Die Kulturvermittlung in Form von Ausstellungen ist nur eine davon. Und das läuft ja trotzdem weiter, auch wenn derzeit eine Dauerausstellung fehlt: „Wir haben zwei Sonderausstellungen im Jahr, und die haben immer eine enorme Zugkraft. ,Steinzeitdorf und Keltengold‘ hat beispielsweise 4 200 Besucher ins Kornhaus geführt.“

Kulturvermittlung betreibt au­ßerdem die Museumspädagogik: Sie führt ihre bekannten und beliebten Angebote in Jesingen fort. Das Ausweichquartier an der dortigen Schule scheint mehr als nur eine Notlösung zu sein. Die Räumlichkeiten und das Außengelände eignen sich hervorragend für die Wissensvermittlung an Kinder, die mit Spiel und Spaß einhergeht.

Zu den anderen Kernaufgaben zählt Stefanie Schwarzenbek das Sammeln, das Bewahren und das Erforschen von Objekten, die mit der Kirchheimer Geschichte zu tun haben - oder eben mit der Geschichte auf „Kirchheimer Markung“. Der rote Faden, der sich durch die neue Dauerausstellung ziehen soll, führt künftige Besucher zu unterschiedlichen Aspekten der Siedlungs- und Stadtentwicklung: „Immer wieder wurden Siedlung und Stadt neu erfunden, und in Kirchheim können wir das über Jahrtausende hinweg lückenlos darstellen.“

Da wären zum einen äußere Einflüsse wie Wasser und Bodenqualität. Dann gibt es obrigkeitliche Entscheidungen wie die für den Ausbau Kirchheims zur Landesfestung, was ab 1539 zu einem enormen Aufschwung geführt hat. Handwerk, Gewerbe und Industrie haben die Stadt im 19. Jahrhundert stark verändert. Außerhalb der Stadtmauern, die man größtenteils abgerissen hat, entstanden damals neue Viertel. In derselben Zeit hat bürgerschaftliches Engagement zum Aufblühen des Vereinswesens beigetragen. In den Revolutionsjahren 1848/49 wurde politische Teilhabe eingefordert. Nach 1945 führten Krieg und Vertreibung zu einem gewaltigen Bevölkerungsanstieg - und abermals zu neuen Stadtvierteln.

Das alles soll die neue Sonderausstellung abdecken, wie Stefanie Schwarzenbek vorab verrät: „Wir wollen mit dem neuen Konzept aber nicht nur die allgemeine Geschichte irgendwie in Kirchheim verorten. Wir wollen dabei vor allem abstraktes Schulwissen nachvollziehbar und sinnlich erlebbar machen.“

Da stellt sich durchaus die Frage: Wann ist es denn endlich so weit? Konkrete Zeitpläne gibt es noch nicht. Nur so viel steht fest: Zum 100-jährigen Bestehen des Städtischen Museums 2022 soll die neue Dauerausstellung unter Dach und Fach sein. Auch der Brandschutz ist dann auf dem neuesten Stand. Schließlich hat ein Brand im Museum nur einen einzigen festen Platz: in den Jahren nach 1690, als die Stadtentwicklung nach dem großen Stadtbrand ein besonders wichtiges Thema war.

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