Kirchheim

Blues-Legende rockt die Bastion

Konzert Britischer Blues-Musiker spielt mit seiner Band elektrische und akustische Songs.

Blues-Legende Mick Pini (links) spielt in der Bastion mit dem Bassisten Uwe Jesdinsky und Schlagzeuger Dave Horner.Foto: Tanja S
Blues-Legende Mick Pini (links) spielt in der Bastion mit dem Bassisten Uwe Jesdinsky und Schlagzeuger Dave Horner.Foto: Tanja Spindler

Kirchheim. Eric Clapton nannte ihn den „legitimen Nachfolger von Peter Green“, unter den europäischen Blues-Musikern ist er ein ganz großer Name: Der italienischstämmige Brite Mick Pini spielte in der Bastion zusammen mit dem Bassisten Uwe Jesdinsky und Schlagzeuger Dave Horner rockige, elektrische Blues-Songs. Ohne seine Kollegen folgten im zweiten Teil des Konzerts neue Acoustic-Songs, die nun auf Mick Pinis Album „Highfields Boy“ erschienen sind. Highfields ist die Gegend bei Leicester, in der Mick Pini in den 50ern und 60ern aufwuchs. Auch musikalisch gehen die neuen Songs zu den Wurzeln des Sängers, Gitarristen und Komponisten zurück. Die lange, stetig wachsende Tradition des Blues und vor allem viel Peter Green und Freddie King klingt aus Mick Pinis Musik heraus.

Der „Donald-Trump-Blues“

In der ersten Hälfte bekamen die Zuhörer rockige, härtere Blues-Sounds zu hören. Wie im Blues üblich, kreisen die Songtexte um die großen, zeitlosen Sorgen und Nöte des Lebens: unglückliche Liebe, Sehnsucht, Verlorenheit, in Alkohol ertränkte Traurigkeit, auch Wut drückt sich in den Texten und vor allem in den melancholischen Melodien und Harmonien aus. Auch politische Songs fehlen nicht: In „Hey Mr. President“, angriffslustig gesungen von Schlagzeuger Dave Horner und mit deutlich härteren Gitarren-Riffs, geht es brandaktuell um Lüge und Wahrheit, „alternative Fakten“ und Täuschung - Mick Pini nennt ihn auch den „Donald Trump Blues“.

Bei den elektrischen Songs steht die E-Gitarre im Vordergrund, in langen instrumentalen Phasen und Soli zeigt Mick Pini, dass er sein Instrument technisch, aber vor allem auch mit authentischem, starkem Ausdruck beherrscht. Seine Stimme ist dabei stark, fest und klar.

Was der Musiker stimmlich aber tatsächlich draufhat, konnte man erst bei den akustischen Songs so richtig hören. Hier tritt die Gitarre als Begleitung in den Hintergrund, und Mick Pini zeigt alle Farben seiner Stimme: oft rauchig, mal zart und verletzlich, mal kräftig, meist tief aus dem Körper kommend, manchmal auch nasal - für jede neue Atmosphäre in seinen Songs, für jede überraschende Wendung der Melodie oder Harmonie hält er eine eigene Stimmfarbe bereit. Das ist es, was seine Blues-Musik besonders emotional und berührend macht.

Britisches Lebensgefühl

In diesem zweiten Teil kam er auch in Plauderlaune und erzählte dem Publikum in seinem liebenswerten Englisch-Deutsch-Mix (mittlerweile lebt er in Deutschland) von seinen musikalischen Anfängen in seiner Jugend und worum es im jeweils nächsten Song geht. Wie beim Song „Cocaine Blues“, der das Lebensgefühl der 60er widerspiegelt. Oder wie der Song „Daddy Blues“, der das britischen Lebensgefühl der Gegenwart zur Zeit des Brexit in Musik umwandelt: Tiefer Schmerz und Resignation werden hier hör- und fühlbar.

Nachdem Mick Pini allein mit seiner Stimme und seiner Acoustic-Gitarre die Zuhörer zu fesseln vermochte, kam für die letzten Songs noch einmal elektrische Verstärkung auf die Bühne. Zu dritt gab die Mick Pini Band noch einmal richtig Gas, mit viel Drive und Rock-’n’-Roll-Songs wie „Go, Johnny Go!“ von Chuck Berry. Das war übrigens der einzige Cover Song des Abends. Schade nur, dass das Konzert nicht so gut besucht war, wie es der Qualität der Musiker entsprochen hätte. Elisabeth Selch

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