Kirchheim

Boller Bad überzeugt mit Wunderkraft

Geschichte Was hat die Adler-Apotheke mit den Bad Boller Quellen zu tun? Dass es hier einige Verbindungen gibt, verdeutlicht Stadtführerin Edith Burgert bei einem besonderen Rundgang. Von Heike Siegemund

Schon vor Jahrhunderten war die Heilkraft der Bad Boller Quellen in aller Munde. Doch was hatten Herzog Friedrich I. und die Adler-Apotheke in Kirchheim damit zu tun? Diese Frage beantwortete Edith Burgert bei einer Stadtführung im Rahmen der Themenwochen „Faszination Wasser“. Schade war, dass sich nur acht Interessierte an der Kirchheim-Info eingefunden hatten, um an mehreren Stationen in der Stadt - beim Schloss, bei der Adler-Apotheke und beim Brunnen auf dem Marktplatz - den interessanten Ausführungen der Stadtführerin zu folgen und Wissenswertes rund um das Boller „Wunderbad“ und die Verbindungen zur Teckstadt zu erfahren.

Drei Männer waren in diesem Zusammenhang wichtig, weshalb Edith Burgert vom „Dreigestirn“ sprach: Johann Bauhin, der Leibarzt von Herzog Friedrich I., hatte das Wasser aus den Boller Quellen untersucht; der Herzog selbst, der eine Zeit lang seine Regierungsgeschäfte vom Kirchheimer Schloss aus tätigte, stellte das Geld für den Bau des Boller Bades zur Verfügung; und Bauherr Heinrich Schickhardt zeichnete schließlich für den Bau und die Brunnentechnik in Bad Boll verantwortlich. 1597 konnte das Bad nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht werden.

Die Kirchheimer Adler-Apotheke hat einiges mit den Bad Boller Quellen zu tun. Links zeigt Stadtführerin Edith Burgert ein Bild v
Die Kirchheimer Adler-Apotheke hat einiges mit den Bad Boller Quellen zu tun. Links zeigt Stadtführerin Edith Burgert ein Bild vom ersten Boller Bad. Foto: Heike Siegemund

Alles begann damit, dass der Herzog „einen Drang hatte, die Wissenschaft zu fördern“ und nach Bodenschätzen suchte, informierte die Stadtführerin. In der Region rund um die Teck ließ er Bohrungen vornehmen. „Eigentlich suchte er Silber und Salzminen, doch die hat er nicht gefunden.“ Stattdessen stieß er in Boll auf eine Schwefelquelle.

Bauhin untersuchte diese auf Geheiß des Herzogs und stieß neben dem Boller Wasser auf zahlreiche Versteinerungen wie Ammoniten und Belemniten. Weil er hier so viel entdeckte, wurde das Bad Boller Bad nach seiner Erbauung „Wunderbad“ genannt. Nun kam auch Johann Lutz ins Spiel, der an der Ecke Max-Eyth-Straße/Marktstraße die erste Apotheke in Kirchheim eröffnet hatte und später das Gebäude kaufte, in dem bis heute die Adler-Apotheke untergebracht ist. Zusammen mit diesem Apotheker analysierte Bauhin das Boller Wasser. Sie fanden heraus, welche Heilkraft es besitzt, dass es zum Beispiel bei Gelenk-, Muskel- und Nervenerkrankungen hilfreich sein kann. Die Heilkraft des Boller Wassers sprach sich herum, sodass zahlreiche Menschen ins „Wunderbad“ strömten. Dieses bestand aus einem Badesaal, Stuben und Zimmern für die Gäste, Stallungen und einem „Lustgarten“, also einem großen Park. Es gab einen Tanzplatz und Konzerte. Die Badegäste hatten einige Regeln zu beachten, zum Beispiel: „Frauen dürfen nicht unsittlich berührt werden“ und „Wasserspritzen ist verboten“. Die „Oberaufsicht“ hatte in der Anfangszeit der Vogt von Kirchheim. An dieser Stelle machte die Stadtführerin einen Sprung zum Anfang des 19. Jahrhunderts: König Wilhelm I. ließ das Boller Bad abreißen und einen Bau im neoklassizistischen Stil errichten. Auch hier gab es wieder eine Verbindung zu Kirchheim: Wilhelms Frau Pauline war die Tochter von Herzogin Henriette, die über 45 Jahre im Schloss der Teckstadt lebte. Noch heute sind am Eingang des Boller Bades die Buchstaben „WP“ für Wilhelm und Pauline zu lesen. Der König verkaufte das Bad an Pfarrer Johann Christoph Blumhardt, der es in seinem Sinne weiterführte.

Die Kirchheimer Adler-Apotheke hat einiges mit den Bad Boller Quellen zu tun. Links zeigt Stadtführerin Edith Burgert ein Bild v
Stadtführerin Edith Burgert. Foto: Heike Siegemund

Kirchheims Wasserwelt erkunden

Der Wasserturm in Kirchheim kann am Freitag, 20. April, um 10 Uhr besichtigt werden. Die Teilnehmer dieser Führung im Rahmen der Themenwochen „Faszination Wasser“ können sich über das Lebensmittel Wasser und die technischen Anlagen informieren. Normalerweise sind die Türen des Wasserreservoirs am Hohen Reisach fest verschlossen. Eine Anmeldung bei der Kirchheim-Info unter 07021/502555 ist erforderlich. hei

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