Kirchheim

Brombeeren auf Bäumen

Pflanzung Im Hain der Kulturen steht nun ein Maulbeerbaum als Zeichen der Verbundenheit zwischen Kirchheim und Bulkes. Von Iris Häfner

Noch kahl steht der frisch gepflanzte Maulbeerbaum im Hain der Kulturen. Foto: Markus Brändli
Noch kahl steht der frisch gepflanzte Maulbeerbaum im Hain der Kulturen. Foto: Markus Brändli

Der Hain der Kulturen ist um ein Baumexemplar reicher. „Das Setzen eines Baums ist an Symbolik kaum zu überbieten. Er schlägt Wurzeln und ist sichtbares Zeichen der Verbundenheit zwischen Kirchheim und der Heimatortgemeinschaft Bulkes“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, die gemeinsam mit Wilhelm Bauderer von den Bulkesern letzte Hand anlegte und lockere Erde auf die Baumscheibe schaufelte. Gerade in der heutigen Zeit ist es nach Ansicht des Stadtoberhaupts wichtig, einen Baum als Zeichen des friedlichen Miteinanders gedeihen zu sehen.

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Eine Maulbeere steht nun im jungen Bürgerpark hinter der Alleenschule. In der Batschka, der einstigen Heimat der Bulkeser, gehörte diese stattliche Pflanze zum Ortsbild. Sie wuchsen in den Straßen und auf den Bauernhöfen. „Brombeeren, die auf Bäumen wachsen“, beschrieb Wilhelm Bauderer die Früchte des Baums, die von den Männern in Form von Hochprozentigem geschätzt wurden - und werden. Fallen die reifen Früchte vom Baum, gären sie schnell und bilden Alkohol. „Für Enten und Gänse war das ein besonderer Schmaus. Sie schwankten wie Betrunkene oder machten Purzelbäume“, erinnerte sich der Vorsitzende der Bulkeser.

Maulbeerbäume sind wesentlicher Bestandteil für die Seidenproduktion. „Die Zucht der Seidenraupe kam aus China in die Batschka, wo sie gute Bedingungen vorfand“, erklärte Wilhelm Bauderer. Die Raupen ernähren sich von den Blättern, weshalb die Bauern Äste abschnitten und im Stall oder anderen Räumen auslegten, damit sich die Tierchen daran laben konnten. „Die machten sich durch ein geheimnisvolles Geräusch bemerkbar - man sah nichts, aber man spürte, dass im Raum ein furchterregender Geist herrschte“, so der Vorsitzende. Nach einiger Zeit verpuppten sich die Raupen und bildeten goldgelbe Kokons. „Diese sammelte man ein und verkaufte sie an die Seiden-Produzenten.“

Im vergangenen Jahr wurde beim 34. Treffen der Bulkeser in Kirchheim die 50-jährige Patenschaft zwischen Stadt und Heimatortgemeinschaft gefeiert. „Bei dem Eifer haben wir vergessen, den Baum zu pflanzen - was nun nachgeholt ist als sichtbares Zeichen der Verantwortung, die Kirchheim für die Bulkeser übernommen hat“, sagte Angelika Matt-Heidecker. In diesem Jahr wird ein weiterer Schritt unternommen. Die Verbundenheit zwischen der Teckstadt und den Heimatvertriebenen wird nun symbolträchtig mit der Städtepartnerschaft mit der serbischen Gemeinde Bacˇki Petrovac manifestiert. Bacˇki Magli´c, das ehemalige Bulkes, gehört zu dieser Gemeinde. „Dieses Unterfangen dürfte einen Seltenheitswert haben, weil es eine der ersten Städtepartnerschaften zwischen einer serbischen und einer deutschen Kommune sein wird. Möglicherweise wird es sogar einmalig sein, weil es durch gute Beziehungen der ehemaligen und der heutigen Bewohner des Orts inspiriert wurde“, sagte Wilhelm Bauderer.