Kirchheim

Brücken ächzen unter Schwerlastverkehr

Bauen Nach der Katastrophe in Genua ist Brückensicherheit ein großes Thema. Bei den Autobahn- und kommunalen Brücken in und um Kirchheim besteht keine Einsturzgefahr. Saniert werden muss trotzdem. Von Antje Dörr

Wie tragfähig eine Brücke ist, wird in Deutschland regelmäßig überprüft.Symbolfoto: Jean-Luc Jacques
Wie tragfähig eine Brücke ist, wird in Deutschland regelmäßig überprüft.Symbolfoto: Jean-Luc Jacques

Die Bilder der Katastrophe in Genua haben sich ins Gedächtnis eingegraben: Eine mächtige Autobahnbrücke, die scheinbar aus dem Nichts in sich zusammenfällt. Seitdem reißt die Diskussion um Brückensicherheit nicht ab. Ist so etwas auch hier möglich?

Auf dem Autobahnabschnitt zwischen Wendlingen und Aichelberg befinden sich laut Regierungspräsidium Stuttgart (RP) 25 Brücken. Die Brücke, die bei Wendlingen über den Neckar führt, ist mit 166 Metern die längste. Dicht auf den Fersen ist das Bauwerk an der Anschlussstelle Aichelberg mit einer Länge von 113 Metern. „Die Brücken wurden Anfang der 80er-Jahre gebaut. Sie befinden sich in einem guten, ordentlichen Zustand“, heißt es aus dem RP Stuttgart, das für die Straßen des Bundes zuständig ist. An den Brücken bestünden keine Sperrungen aufgrund von Schäden.

Fährt man ein wenig weiter Richtung München, sieht die Welt schon anders aus. Die Brücke an der Anschlussstelle Mühlhausen weist laut Regierungspräsidium altersbedingte Schäden auf. 2014 und 2015 wurde sie saniert und gesichert. Allerdings reicht das offenbar nicht aus. „Aktuell planen wir den Ersatzneubau, der ab 2020 vorgesehen ist“, sagt eine Sprecherin des RP. Vorsichtsmaßnahmen, die auf der Brücke seit einiger Zeit gelten, sind ein Lkw-Überholverbot und ein generelles Tempolimit von 60 Kilometern pro Stunde.

Der ADAC weist auf den Sanierungsstau bei deutschen Brücken hin. Laut Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erhalten 5 000 Bauwerke die Note „nicht ausreichend“ und schlechter, mehr als 700 werden gar als „ungenügend“ bezeichnet. Das sei allerdings nicht mit „einsturzgefährdet“ gleichzusetzen. Reimund Elbe vom ADAC verweist auf das deutsche Kontrollsystem, das Katastrophen wie in Genua verhindern soll. Grundlage ist die DIN 1076. Bei den Autobahnbrücken finde alle sechs Jahre eine Hauptprüfung statt. „Sichtbare und unsichtbare Mängel werden unter die Lupe genommen“, sagt Elbe - „von der Schraube, die locker sein kann, bis zur Materialermüdung, die nicht auf den ersten Blick sichtbar ist.“ Alle drei Jahre finde eine einfache Prüfung statt. Die Straßen- und Autobahnmeistereien überprüften die Bauwerke jährlich. Für Elbe eine sinnvolle Regelung: „Die Fachleute kennen die Brücken, weil sie dort täglich unterwegs sind. Die bemerken Veränderungen sofort.“ Jedes halbe Jahr werde nach Rissen und anderen Schäden geschaut. Wie effektiv das ist, zeige das Beispiel der maroden A-1-Brücke bei Leverkusen, die bis auf Weiteres für den Schwerlastverkehr gesperrt ist.

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