Kirchheim

Bürgermeister warten erst mal ab

Wohnungsbau Kooperationsmodell mit kommunalen Bauträgern im Kreis erhält viel Lob, stößt in den Gemeinden bisher allerdings auf wenig Interesse. Von Bernd Köble

Neuer Wohnraum für Flüchtlinge im Kirchheimer Hafenkäs: Die Großen Kreisstädte gehen im sozialen Wohnungsbau zumeist eigene Wege
Neuer Wohnraum für Flüchtlinge im Kirchheimer Hafenkäs: Die Großen Kreisstädte gehen im sozialen Wohnungsbau zumeist eigene Wege.Foto: Jean-Luc Jacques

Es wird gesucht und geforscht. Nach neuen Wegen und auf allen Ebenen. Wie kommt man möglichst rasch zu neuen Wohnungen, die auch für Menschen mit geringem Einkommen bezahlbar sind? Für Senioren, für junge Familien und Alleinerziehende aber auch für Flüchtlinge mit einer Bleibeperspektive. In der Woche, in der die Bundesregierung unter dem Schlagwort „urbanes Wohnen“ Bauen erleichtern will, geht auch der Landkreis Esslingen mit einem neuen Modell für sozialen Wohnungsbau an die Öffentlichkeit.

Die Kreisverwaltung gab den Anstoß dazu, und acht kommunale und genossenschaftlich organisierte Wohnbaugesellschaften sind der Einladung gefolgt. Es geht um Unterstützung von Städten und Gemeinden, die sich bei der Bauentwicklung aus eigener Kraft schwertun. Das Prinzip ist einfach: Die Kommune stellt den Baugrund zur Verfügung, die Wohnbaugesellschaft übernimmt als Generalunternehmer oder Baubetreuer alles Weitere bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Der Vorteil: weniger Aufwand, weniger Risiko. Die Bauträger erstellen sogenannte Hybrid-Häuser in Systembauweise zu einem gesicherten Festpreis und nach modernen Energiestandards. Es geht um Nachhaltigkeit. 20 Jahre sind zur Abschreibung veranschlagt. Danach soll die Gemeinde Grundstück und Gebäude zurückkaufen können. Tatsächlich sollen die Gebäude deutlich länger genutzt werden können. Angepeilter Basispreis für ein Haus von der Stange: rund 800 000 Euro. Das entspräche einem Quadratmeterpreis von etwas mehr als 2 100 Euro.

Noch gibt es die Häuser nur auf dem Reißbrett. Die Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB) erstellt auf der Flandernhöhe oberhalb der Stadt einen Prototyp. Im April soll Spatenstich sein. Hagen Schröter, Geschäftsführer der Esslinger Projektentwicklungsgesellschaft (ES-PEG), unter deren Federführung das Konzept entstand, ist von der Praxistauglichkeit der Gebäude überzeugt. „Das sind Grundrisse, die man schon vor 50 Jahren gebaut hat“, sagt er. „Einfach und funktional.“

Schröter war dabei, als das Konzept im Oktober erstmals den Rathauschefs vorgestellt wurde. In der Bürgermeisterversammlung in Erkenbrechtsweiler war das Interesse groß. Doch dabei blieb es. Konkrete Anfragen bisher: Fehlanzeige. Ein wesentlicher Grund dafür: Viele Gemeinden haben schlicht keine Flächen. Andere wiederum fürchten, sich dabei die Finger zu verbrennen. „Die Materie ist nicht einfach“, gesteht Hagen Schröter. „Kein Schultes will das Versuchskaninchen spielen.“ Verunsicherung herrscht vor allem darüber, inwieweit die Direktvergabe von kommunalem Baugrund einen Angriffspunkt bietet. Im Frickenhausener Ortsteil Tischhardt hat ein privater Investor gegen solche Praxis bereits Klage eingereicht.

Landrat Heinz Eininger versuchte bei der Vorstellung des Konzepts gestern im Verwaltungsausschuss, die Gemüter zu beruhigen. Eininger sieht keinen Verstoß gegen Vergaberichtlinien. Das Landratsamt als Baubehörde will an die Bürgermeisterämter deshalb Informationsblätter verteilen – als Handlungsempfehlung. Das vorgelegte Konzept bezeichnete der Landrat als „wertvollen Impuls“. Jetzt sei es jeder Kommune selbst überlassen, wie sie damit umgehe.

Projektsprecher Hagen Schröter ist zuversichtlich, dass sich die Zurückhaltung legen wird. Die Kommunen seien schließlich verpflichtet, entsprechenden Wohnraum bereitzustellen und dabei seit vielen Jahren in Verzug. „Diese Wahrheit“, sagt er, „muss sich in den Köpfen vieler Bürgermeister erst noch durchsetzen.“

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