Kirchheim

Buhlen um die Fachlehreranwärter

Bildung Kultusministerin Susanne Eisenmann hat sich über die Situation des Pädagogischen Fachseminars informiert. Dabei stellte sie klar: Der Standort Kirchheim ist nicht infrage gestellt. Von Iris Häfner

Susanne Eisenmann überzeugte sich vom attraktiven Ambiente und der qualitativen Arbeit des Kirchheimer PFS, das ihr Klaus Buck (
Susanne Eisenmann überzeugte sich vom attraktiven Ambiente und der qualitativen Arbeit des Kirchheimer PFS, das ihr Klaus Buck (Zweiter von links) und Karl Zimmermann näherbrachten. Foto: Markus Brändli

Ministerieller Besuch im Kirchheimer Schloss: Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU) steht im Marstallgarten und lässt das Ambiente an diesem traumhaften Spätsommertag kurz auf sich wirken. Schließlich ist das „Drumrum“ eines der Pfunde, mit denen Kirchheim wuchern kann. „Wir haben einen optimalen Standort: einen S-Bahn-Anschluss, die Nähe zur A 8 - und vor allem eine tolle Infrastruktur“, sagt Klaus Buck, kommissarischer Leiter des Pädagogischen Fachseminars (PFS). Es sei schon etwas Besonderes, im Zentrum der Stadt zu sein mit all seinen Vorteilen, was auch die Gastronomie mit einschließt. Dazu kommt die Ausstattung in den historischen Gebäuden Schloss und Marstall, die beispielhaft ist - und nicht zu vergessen Sporthalle und -platz in nächster Nähe.

Von all dem konnte sich Susanne Eisenmann überzeugen. Sie wollte den Standort persönlich kennenlernen, um zu sehen, welche Perspektiven Kirchheim bietet. Bei ihrem Besuch stellte sie - sehr zur Freude ihres Fraktionskollegen und Kirchheimer Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann, der vor Jahren für den Erhalt gekämpft hat - klar, dass der Standort nicht infrage gestellt wird, im Gegenteil: „Wir bauen auf Kirchheim. Hier wird hervorragende Arbeit geleistet“, attestierte sie der Einrichtung. Die Ministerin will die Aus- und Fortbildung enger aneinander binden und damit stärken. Deshalb erarbeitet ihr Ministerium ein Konzept, das die Fachlehrerzukunft sichern und ab Januar 2019 in Kraft treten soll. „Die Fachseminare sind gut aufgestellt und ich will jedem Standort seine individuellen Spielräume lassen“, sagte Susanne Eisenmann auch mit Blick auf die zwei weiteren PFS in Schwäbisch Gmünd und Karlsruhe.

„Als Ausbildungsart sind wir beispielhaft, wie man Quereinsteiger in den Lehrerberuf reinbringt. Das ist keine Schnellbleiche“, sagte Klaus Buck. Dass es bei der Attraktivität der Fachlehrer-Ausbildung auch um eine adäquate Bezahlung der Absolventen im Schuldienst geht, ist Susanne Eisenmann klar, ebenso dass diesbezüglich Handlungsbedarf besteht. Schließlich steht auch dieser Sektor in Konkurrenz zur Wirtschaft, wo ebenfalls ein Fachkräftemangel beklagt wird.

Entsprechende Weichen wurden schon gestellt, so ist die Ausbildung von zwei auf drei Jahre ausgedehnt worden. Bei dem Besuch wurde auch der Frage nachgegangen, wie Fachlehrer künftig ihren Platz finden. „Sie sind immer wichtig im Gesamtzusammenhang in Schulen. Fachlehrer sind besonders qualifiziert, um den Ganztagesbereich auszugestalten“, erläutert Klaus Buck. Sie unterrichten in der Sekundarstufe, also von Klasse fünf bis zehn, in ihren Fächern. Das sind beispielsweise Sport, Bildende Kunst, Musik oder Technik. Im Fokus stehen Gemeinschaftsschulen, Real- und Werkrealschulen. „Ich habe niemanden mehr auf dem Markt“, so der PFS-Leiter über seine Absolventen. Auch neue Unterrichtsthemen wie die Fortbildung mit Informatik sind im Gespräch.

In angenehmer Atmosphäre konnten im Schloss wichtige Dinge angesprochen werden, es fand ein gegenseitiger Gedankenaustausch statt. „Das war ein richtig befruchtender Termin“, freut sich Klaus Buck. Von der Attraktivität des Fachlehrerberufs sind alle überzeugt, deshalb wird unter anderem auch in sozialen Netzwerken wie Facebook für das PFS geworben, und es gibt einen Tag der offenen Tür. Ganz wichtig scheint auch die Mund-zu-Mund-Propaganda zu sein, wie die Umfrage unter den Seminaristen ergab, die mit Susanne Eisenmann im Schloss waren. Mit zur Delegation gehörten unter anderem auch Dr. Corina Schimitzek, Leiterin des Schulamts Nürtingen, und Clemens Großmann in seiner Eigenschaft als geschäftsführender Schulleiter der Kirchheimer Schulen.

Vor kritischen Themen drückte sich die Ministerin nicht und hielt mit Zahlen dagegen, die eine klare Sprache sprechen: Nur 0,3 Prozent der Verträge im Land seien befristet. „Es gibt aber viele Lehrer, die einen befristeten Vertrag in Kauf nehmen, weil sie lieber im Ballungsraum arbeiten wollen als irgendwo auf der Alb“, sagte Susanne Eisenmann. Diese Entwicklung sei in den vergangenen zwei, drei Jahren eklatant geworden.

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