Kirchheim

Bulkeser bauen neue Brücken

Delegation aus Serbien zu Gast beim Heimattreffen in Kirchheim – Partnerschaft in Vorbereitung

Das 34. Pfingsttreffen der Bulkeser in Kirchheim stand nicht nur im Zeichen der Vergangenheit. Der Blick ging auch in die Zukunft – zur neuen Partnerschaft.

Heimattreffen der Bulkeser - gut 70 Jahre nach der Vertreibung aus ihrem Dorf in der Batschka und 50 Jahre nach der Übernahme de
Heimattreffen der Bulkeser - gut 70 Jahre nach der Vertreibung aus ihrem Dorf in der Batschka und 50 Jahre nach der Übernahme der Patenschaft durch die Stadt Kirchheim. Dieses Jahr soll etwas ganz Neues entstehen: eine Partnerschaft zwischen Kirchheim und dem heutigen Magli´c.Foto: Ralf Just

Kirchheim. Dass frühere Bewohner aus Bulkes sich über Pfingsten in Kirchheim versammeln, hat eine lange Tradition. Nicht zuletzt deshalb hat Kirchheim vor 50 Jahren die Patenschaft für die weltweit verstreuten Bulkeser übernommen. Neu war allerdings beim 34. Treffen, zu dem die Heimatortgemeinschaft Bulkes aufgerufen hatte, dass auch heutige Bewohner der 1786 gegründeten Ortschaft eingeladen waren. Insofern gab es auch sprachlich ganz andere Töne: Außer Deutsch und dem Bulkeser Heimatdialekt – einer pfälzischen Mundart – war auch viel Serbisch zu hören. Die Verbindung zu Baˇcki Magli´c – dem einstigen Bulkes, das mittlerweile nach Baˇcki Petrovac eingemeindet ist – soll in diesem Jahr zu einer richtigen Städtepartnerschaft zwischen Kirchheim und dem Ort in der serbischen Provinz Wojwodina führen.

Aus der Patenschaft, die die Stadt Kirchheim 1966 für die aus ihrer Heimat vertriebenen ehemaligen Bürger von Bulkes übernommen hat, erwächst somit etwas ganz Neues, was in die Zukunft weist und vom Geist der Versöhnung geprägt ist. Wilhelm Bauderer, der das Treffen der Heimatortgemeinde in der Kirchheimer Stadthalle leitete, sprach deshalb von einer „bedeutenden Entwicklung für uns Bulkeser“. Es scheine, als würden die alten Bulkeser die Rolle als Brückenbauer recht gut meistern: „Obwohl unsere politische Gemeinde Bulkes vor 70 Jahren aufhörte zu existieren, sind die überlebenden Heimatvertriebenen und ihre Nachkommen wieder dabei, politisch aktiv zu werden und einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.“ Nun gehe es darum, „die alte Heimat auf eine humane Weise wiederzugewinnen und dort stets ein willkommener Gast zu sein“.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker sprach von einer neuen Ebene, „auf die wir uns mit unseren Bulkeser Patenkindern begeben.“ 1966 seien noch 500 Bulkeser Zeugen der Patenschaft gewesen. Aber jetzt könne etwas ganz anderes entstehen: Die Generationen, die Krieg, Terror und Vertreibung nicht mehr am eigenen Leib erfahren mussten, könnten nun an einer gemeinsamen partnerschaftlichen Zukunft arbeiten. Den ersten Schritt freilich haben die „alten“ Bulkeser unternommen, die viele Jahrzehnte nach der gewaltsamen Vertreibung wieder in die alte Heimat reisten, um Kontakt zu den heutigen Bewohnern aufzunehmen. Anerkennend sagte sie: „Welch ein Schritt!“

Für diese andere Seite, für die heutigen Bewohner, sprach Branislav Bugarski, Provinzialsekretär der autonomen serbischen Provinz Wojwodina. Er selbst stammt aus Novi Sad und hat lange Zeit nicht viel erfahren von den Gräueltaten, mit denen die Donauschwaben in der Batschka aus ihren Heimatdörfern vertrieben worden waren. „Dass fast 200 Kinder aus Bulkes in einem Internierungslager ums Leben gekommen sind, habe ich nicht gewusst“, gestand er ein. Und eine große Hoffnung für die Zukunft brachte er ebenfalls zum Ausdruck: „Wenn nächstes Mal in der Familie jemand umziehen sollte, dann freiwillig und mit einem Lächeln, weil er woanders eine neue Herausforderung sucht.“

Karol Wehrle überbrachte auf Serbisch die Grüße seines Vaters Friedrich, der sich nicht mehr auf die weite Reise machen konnte. Er nannte wesentliche Ziele für die Zukunft: außer der Restaurierung der evangelischen Kirche in Magli´c die Sanierung des Friedhofs, die Eröffnung eines Heimatmuseums, die neue Partnerschaft mit Kirchheim und das Vermitteln in allen persönlichen Angelegenheiten ehemaliger deutscher Bewohner von Bulkes.

Josef Jerger gratulierte seitens der donauschwäbischen Landsmannschaft zum 50-jährigen Bestehen der Patenschaft und sprach Themen an wie die ernsthaften Bemühungen der serbischen Regierung um Wiedergutmachung an den Vertriebenen. Roland Paul vom Institut für pfälzische Geschichte in Kaiserslautern bedankte sich bei den Bulkesern für viele wertvolle Informationen zur Geschichte ausgewanderter Pfälzer. Heinrich Hoffmann schließlich brachte so manche Erinnerung an das Leben in der alten Heimat wieder auf. Dabei ging es um traurige Erinnerungen an die Vertreibung und an die Zeit im Internierungslager Jarek, aber auch um den eigenen Neubeginn in der zweiten Heimat – beispielsweise in der Patenstadt Kirchheim.

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