Kirchheim

Café Hope macht wieder Hoffnung

Soziales Kirchheims mittäglicher Treffpunkt für alle gesellschaftlichen Gruppen ist seit kurzem wieder geöffnet. Das Essen gibt es auch zum Mitnehmen und das Ganze sogar umweltfreundlich. Von Thomas Zapp

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Für Margarete von Locquenghien gab es kein Zögern, als sie hörte, dass der Mittagstisch im Café Hope wieder geöffnet hat. „Ich komme natürlich“, sagte sie zu Ulrike Guse, der zweiten Vorsitzenden des Trägervereins. Der älteste Stammgast des Cafés wird im Oktober 97 Jahre alt und gehört zweifellos zur Risikogruppe, war aber der erste Gast im jetzt wieder eröffneten Café Hope. Das gesellige Zusammensein und der familiäre Kontakt zu Gästen und Mitarbeitern beim Mittagstisch ist für sie wichtiger als die Vermeidung jeglicher gesundheitlicher Risiken.

Café-Leiterin Martina Rieker weiß, dass es vielen ihrer Stammgäste ganz genauso geht. „Die Premiere war richtig gut“, sagt sie. Die Leute waren froh, wieder einen Treffpunkt zu haben. Ihr Einsatz hat sich also gelohnt. Sie überschlägt, das ein Drittel der Gäste zur Risikogruppe gehören, bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern schätzt sie den Anteil sogar auf die Hälfte.

Sie und Ulrike Guse haben viel unternommen, um den Betrieb unter maximalen Schutzvorkehrungen wieder zu ermöglichen. Neben den Abständen zwischen den Tischen, Plexiglas vor der Essensausgabe und fertig zubereiteten Tellern haben sie sich auch um das Thema „Take Away“ viele Gedanken gemacht. „Es haben doch einige Angst, sich hier hinein zu setzen“, sagt Ulrike Guse. Aber durch die Corona-Verordnung ist das Mitbringen eigener Tupperschüsseln aus hygienischen Gründen nicht gestattet. Um nicht unnötig viel Müll durch Einweggeschirr zu produzieren, ist das Café Hope daher auf das Stuttgarter Start-Up „reCircle“ zugegangen. Die bieten ein Pfandsystem mit robusten Plastiktellern an. Für einmalig zehn Euro Pfand pro Teller können Kunden mit ihrem leeren Geschirr kommen, es an der Essensausgabe abgeben, um dann frisches Geschirr mit frischem Essen mitzunehmen. „Wir sind das erste Projekt in Kirchheim, das Essen darin zum Mitnehmen anbietet“, sagt Ulrike Guse. In Weilheim bieten bereits einige Gastronomen einen Mitnahmeservice mit diesem System an. Zwar sei das Pfand nicht billig, aber dafür werden auch beschädigte Teller oder Schüsseln problem- und kostenlos ausgetauscht. Zumindest können die Macherinnen des Cafés so garantieren, dass Hygiene- und Umweltschutz sich nicht ausschließen. Außerdem setzen die Verantwortlichen verstärkt auf regionale Produkte. Alles wird frisch vor Ort zubereitet, inklusive des Nachtisches.

Beiden ist die Erleichterung über den Neustart anzumerken. „Der Kampf gegen die Einsamkeit ist so wichtig, der hat in der Pandemie am meisten gelitten“, sagt Ulrike Guse. Sie streicht eine der großen Besonderheiten des Café Hope heraus: „Es gibt wenige Projekte, wo wirklich alle Gesellschaftsgruppen zusammenkommen.“

Alles ist jedoch nicht wie vorher, denn das Abstandsgebot berührt das Wesen der Einrichtung. „Das Schlimmste ist, dass ich niemanden in den Arm nehmen und trösten kann. Über den Rücken streicheln ist noch das höchste der Gefühle“, sagt Martina Rieker. Auch gebe es wegen der Abstandsregeln keine großen Tische mehr, an denen gemeinsam gegessen und geplaudert werden kann. Nach dem Essen sitzen die Gäste ebenfalls nicht mehr so lange am Tisch. Denn manchmal stehen schon die nächsten da und warten.

Die Prinzipien und das Wesen des Cafés kann jedoch auch die Corona-Krise nicht zerstören: „Bei uns ist jeder wertgeschätzt in seiner Individualität. Wir sind wie eine Familie“, betont Ulrike Guse. Das gelte sowohl für die Gäste als auch für die Mitarbeiter. Die Gemeinschaft wolle man sich auch von Corona nicht nehmen lassen. Besonders gefällt ihr daher das Attest eines Arztes für ihren ältesten Helfer, der 88 Jahre alt ist. Dort steht zu lesen: „Aus medizinischer Sicht ist dieser Einsatz sehr zu empfehlen.“

Verein mit gemeinnütziger und wirtschaftlicher Seite

Der Treffpunkt in der Steingaustraße in Kirchheim ist ein Angebot für benachteiligte Menschen. Gegründet zur Unterstützung der sozial-diakonischen Arbeit der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, bietet es regelmäßig Mittagessen, bei denen sich Migranten, Flüchtlinge und Bürger treffen, vom Senior bis zum Arbeitnehmer, der in der Büropause kommt. Wer mithelfen will, könne einfach vorbeikommen und schauen, ob ihm das ganze zusagt, versichern die Macherinnen.

In der Küche des Café Hope arbeitet eine fest angestellte Köchin und eine 450-Euro-Kraft sowie drei Ehrenamtliche. Jeden Tag helfen zudem zehn bis 15 Ehrenamtliche im Service.

Der Verein hat eine gemeinnützige und einen wirtschaftlichen Teil. Das Café muss sich selbst tragen, von den Umsätzen werden auch die Mitarbeiter bezahlt. Es gibt aber auch andere Aktionen wie Ausflüge oder Treffen, die zum gemeinnützigen Teil gehören.

Erwachsen ist das Projekt aus der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Kirchheim.

Geöffnet hat das Café in der Steingaustraße 45 in Kirchheim von Dienstag bis Donnerstag, 11.45 bis 13.15 Uhr. Es gibt immer ein Fleischgericht sowie ein vegetarisches Gericht, jeweils mit Nachtisch.

Reservierungen für Gruppen ab acht Personen werden unter folgender Telefonnummer entgegengenommen: 0176/45 73 93 17.zap

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