Kirchheim

Corona hat die Industrie fest im Griff

Unternehmen Die Wirtschaft im Landkreis Esslingen befindet sich in der Krise. Das hat eine Umfrage der IHK ergeben.

Industrie und Handel blicken wenig optimistisch in die Zukunft. Symbolbild: Carsten Riedl
Industrie und Handel blicken wenig optimistisch in die Zukunft. Symbolbild: Carsten Riedl

Region. Was von Unternehmen im Kreis Esslingen während der Corona-Pandemie beobachtet und durchgemacht wurde, spiegeln die Ergebnisse der jüngsten Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zur Konjunktur wider: Sowohl die Bewertung der Lage als auch der Geschäftsentwicklung befinden sich im Sinkflug. 70 Prozent der Unternehmen melden Umsatzeinbußen, knapp die Hälfte eine schlechte Ertragslage. Jeweils mehr als 60 Prozent rechnen mit sinkenden Auftragszahlen und Umsatzeinbußen. Die Folge sind stark nach unten korrigierte Investitionspläne. Kurz: Die Wirtschaft im Kreis Esslingen befindet sich in der Krise. Hinzu kommt: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie überlagern die strukturellen Herausforderungen lediglich. Deren Anzeichen waren in der Industrie bereits seit 2019 sichtbar.

Nach der als äußerst riskant eingeschätzten Binnennachfrage platzieren die Unternehmen das Risiko der Pandemie-Folgen knapp dahinter auf Rang zwei. Mehr an Gewicht gewinnt das Risiko der Finanzierung. Als deutlich geringerer Risikofaktor gegenüber früheren Umfragen wird die Wirtschaftspolitik gesehen. Es scheint, dass die Zufriedenheit der Unternehmen mit den politischen Entscheidungsträgern angesichts der Sofortmaßnahmen gestiegen ist.

Die Arbeitsmarktsituation hat sich im Kreis Esslingen im Juni erneut verschlechtert. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,3 Prozent. Stabilisierend wirkt bislang der Einsatz von Kurzarbeit, dadurch ist der Anstieg der Arbeitslosenquote weiter moderat. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet aber mit sinkenden Beschäftigtenzahlen in den nächsten Monaten.

Industrie im „freien Fall

Die Bewertungen der Industrie zur wirtschaftlichen Lage befinden sich im freien Fall. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen im Landkreis melden einen schlechten Stand. 83 Prozent haben Umsatzeinbußen, 60 Prozent eine schlechte Ertragslage. Von weiter fallenden Auftragseingängen gehen 64 Prozent aus. Die Lage und den Ausblick im Handel bezeichnet die IHK als „desaströs“. Die Krise trifft den Einzel- und Großhandel gleichermaßen. Ein Ansteigen der Kauflaune zweifeln 84 Prozent der Händler in den nächsten zwölf Monaten stark an.

Ungewohnt ist das Bild in der Dienstleistungsbranche: Die Bewertung der Lage und der Geschäftsentwicklung weist steil nach unten. Hotel- und Gastronomiebetrieben sowie der Veranstaltungslogistik brachen die Umsätze fast komplett weg. In Sparten wie der Information und Kommunikation oder auch bei Rechts- und Unternehmensberatungen fielen die Rückgänge dagegen weniger ­drastisch aus. pm

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