Kirchheim

Corona hilft gegen Verbrechen

Kriminalität Pandemie und Lockdown sorgen dafür, dass 2020 in Kirchheim weniger Straftaten zu verzeichnen waren. Einbrecher und Ladendiebe haben derzeit keine Konjunktur, sagt die Polizei. Von Andreas Volz

Auch Prävention gehört zur Polizeiarbeit. Das Foto ist während einer Einbruchspräventionsstreife entstanden. Archiv-Foto: Jean-L
Auch Prävention gehört zur Polizeiarbeit. Das Foto ist während einer Einbruchspräventionsstreife entstanden. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Vorneweg die wichtigste Botschaft: „In Kirchheim lebt man sehr sicher - und immer sicherer.“ Das sagte der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Kirchheim, Daniel Straub, im Gemeinderatsausschuss für Bildung. Soziales und Bürgerdienste (BSB). Die Zahlen für 2020 liegen bislang nur intern vor. Deswegen konnte er nur Trends angeben, ohne sie durch konkrete Angaben zu unterfüttern. Eine andere Schwierigkeit beim Rückblick auf 2020: „Das vergangene Jahr ist corona-bedingt nicht repräsentativ.“

So sei die Zahl der Wohnungseinbrüche oder auch der Ladendiebstähle 2020 stark rückläufig. Die Gründe dafür sind so einfach wie einleuchtend: „Wenn niemand mehr nach draußen geht und alle fast immer daheim sind, wird auch weniger eingebrochen. Und wenn die Läden nicht geöffnet sind, gibt es auch keinen Ladendiebstahl.“ Stattdessen habe der Warenkreditbetrug zugenommen - was ebenfalls eine Folge der Pandemie ist.

Ausgeblieben ist in Kirchheim dagegen der befürchtete Anstieg bei der häuslichen Gewalt. „Das war unsere erste Annahme und unsere erste Sorge: Was passiert, wenn mehr Leben in den eigenen vier Wänden stattfindet?“ Nichts von diesen Befürchtungen ist eingetroffen: „Null Zunahme bei häuslicher Gewalt. Da fällt auch mir ein großer Stein vom Herzen.“

Und Corona selbst? Verstöße gegen die Maskenpflicht, Verstöße einiger weniger Gaststätten oder auch Verstöße gegen die Ausgangssperre von 20 bis 5 Uhr, das gibt es im kleineren Rahmen. „Aber die Anzahl ist nicht exorbitant hoch.“ Generell stellte Daniel Straub in diesem Zusammenhang fest: „Gruppierungen, die uns schon vor Corona Schwierigkeiten bereitet haben, machen uns jetzt auch mit Corona Probleme.“

Was der Polizei Sorge bereitet: „Die Straftaten, die sich gegen Polizeibeamte richten, sind auf einem gleichbleibend hohen Niveau.“ Als aktuellen Fall nannte Daniel Straub einen Einsatz am Kirchheimer Rambouilletplatz: „Dabei hat sich ein junger Kollege, der sich noch in der Ausbildung befindet, einen komplizierten Ellenbogenbruch zugezogen.“

Auch die Zahl der Sachbeschädigungen im Kirchheimer Stadtgebiet ist unverändert hoch - „nicht dramatisch hoch, aber doch so, dass Handlungsbedarf besteht“. Verstärkte Polizeikontrollen hätten zwar bereits 2019 zu einer Trendumkehr geführt, aber auch zu einer gewissen Verdrängung: 2018 und 2019 waren die Herrschaftsgärten ein großes Problem. Das hat sich jetzt in Richtung Bas­tion verlagert, aktuell auch in Richtung Rambouilletplatz.“

Mehr Kontrolle - mehr Delikte

Verstärkte Kontrollen haben die Zahlen bei der erfassten Rauschgiftkriminalität steigen lassen: „Wenn man mehr kontrolliert, findet man auch mehr. Deswegen sind diese Delikte in unserer Statistik nach oben gegangen.“

Den Vandalismus nimmt jetzt eine gemeinsame Projektgruppe von Stadt und Polizei in den Blick: „Da werden alle Aspekte beleuchtet - vom Streetworking bis hin zur Videoüberwachung.“ Die Polizei begrüßt das Streetworking und freut sich bereits auf eine konstruktive Zusammenarbeit, sobald die neue Stelle bei der Stadt besetzt ist. Zugleich hält Daniel Straub die Videoüberwachung an manchen Stellen für einen gangbaren Weg: „Wichtig ist, dass man dann in der Projektgruppe auch konsequent vorgeht, wenn man etwas vereinbart hat.“

Konsequentes Vorgehen aller Beteiligten würde sich die Polizei auch bei der Wertevermittlung wünschen: „An der Akzeptanz für Werte, zum Beispiel für den Schutz fremden Eigentums, aber auch für das Ansehen der Polizei und des Staats allgemein, müssen alle arbeiten - jeder Bürger, jede Organisation, jeder Verein“, sagte Jürgen Ringhofer, der am 15. Dezember die Revierleitung in Kirchheim übernommen hat.

Fortführen will er die Zusammenarbeit mit der Polizeireiterstaffel, mit der an seiner vorherigen Stelle in Uhingen bereits gute Erfahrungen gesammelt hat. „Das schafft Aufmerksamkeit. Außerdem sind die Kollegen im Wortsinn auf hohem Ross unterwegs und können über Mauern und Hecken blicken. Das ist auch ein Beitrag zur Einbruchsprävention.“ Wichtige Präventionsaufgaben sieht Jürgen Ringhofer auch bei den Themen „Enkeltrick“, „falsche Polizeibeamte“ und „Gewinnversprechen“. Zudem regte er die Gründung eines Vereins „Sicheres Kirchheim“ an. Oberbürgermeister Pascal Bader zeigte sich sehr aufgeschlossen dafür.

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