Kirchheim

Corona schränkt die Bildung ein

Kursanbieter Volkshochschule und Familien-Bildungsstätte hoffen auf die Zeit nach Pfingsten. Dann wollen sie trotz Mindestabstand wieder mit vollem Programm für möglichst volle Häuser sorgen. Von Andreas Volz

Solange die Kinder auf ihrer eigenen Matte bleiben, lässt sich der Mindestabstand durchaus einhalten. Aber wehe, wenn ein Ball d
Solange die Kinder auf ihrer eigenen Matte bleiben, lässt sich der Mindestabstand durchaus einhalten. Aber wehe, wenn ein Ball davonrollt! Archiv-Foto: Günter Kahlert

In der Erwachsenenbildung gibt es keine Abschlussklassen, die - wie an den Schulen - wieder in den Unterricht kommen dürften. Deshalb hängen die Einrichtungen bei der Frage, wie es weitergehen soll, immer noch in der Luft. In Kirchheim hoffen Volkshochschule (VHS) und Familien-Bildungsstätte (FBS) auf die Zeit nach den Pfingstferien.

Dr. Iris-Patricia Laudacher, die Leiterin der Volkshochschule, wundert sich gerade über ein Schreiben der Stadt Kirchheim, demzufolge sie für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen soll: „Wir müssen jetzt intensiv an unserem Herbst-/Winterprogramm arbeiten. Das geht aber nicht, wenn wir jetzt alle in Kurzarbeit schicken. Dann können wir im September schließen.“

Ohnehin sei die Corona-Zeit selbst ohne Publikumsverkehr sehr arbeitsintensiv an der Volkshochschule: „Wir machen Großputz und haben außerdem viele Handwerker im Haus.“ Das bedeutet, dass jemand diese Arbeiten koordinieren muss, und das erfordert eine ständige Präsenz: „Wir haben hier Hochbetrieb, obwohl das Haus eigentlich geschlossen ist.“ Manche Mitarbeiter seien im Home-Office tätig, sagt Iris-Patricia Laudacher, fügt aber - bezogen auf die mögliche Kurzarbeit - hinzu: „Die arbeiten alle wie wild.“

Was weiterläuft, sind Webinare, bei denen alle digital verbunden sind: „Dazu braucht es aber mehr Aufwand - und auch mehr Personal, weil außer dem Kursleiter ein Moderator dabei sein muss.“ Der Präsenzunterricht hat teilweise wieder begonnen - mit Prüfungsvorbereitungskursen für die Abschlussklassen, die ja auch wieder zur Schule gehen. Ab Montag bietet die VHS erste Deutsch-Abendkurse an. „Sobald es klare Aussagen vom BAMF gibt, legen wir auch mit Integrationskursen los.“ Viele Kurse sind ab 25. Mai wieder erlaubt - „bis auf Kochen und Bewegung“. Da soll es nach Pfingsten weitergehen können.

Was Iris-Patricia Laudacher grundsätzlich vermisst, sind klare Handlungsanweisungen, die frühzeitig kommuniziert werden: „Wir können nicht von einem Tag auf den anderen alles wieder hochfahren. Da braucht es einen Vorlauf.“ Um bei allen Vorgaben und Bestimmungen, die aktuell gelten oder nicht mehr gelten, auf dem Laufenden zu bleiben, brauche es eigentlich eine eigene Vollzeitstelle. Die Volkshochschule arbeitet aber auch an unkonventionellen Lösungen, die in normalen Zeiten völlig undenkbar wären: „Von Sprachkursen haben wir schon die Rückmeldung erhalten, dass die auch in den Sommerferien Unterricht machen würden - wenn man sowieso nicht fortfahren kann.“ Das wird zwar nicht für jeden Kurs die Lösung sein. Aber an der Volkshochschule als Organisation soll es nicht scheitern: „Wir machen das - wenn Kursleiter und Teilnehmer es wünschen.“

„Bildung lebt von Begegnung“

Anderes Haus, gleiche Branche, gleiche Sorgen: „Als Einrichtung treffen uns die Corona-Maßnahmen sehr hart“, sagt FBS-Leiterin Gudrun Müller. „Bildungsarbeit lebt ja von Begegnung, Austausch und Präsenz.“ Gerade für die Präsenz sieht sie aber allenfalls „eine vorsichtige Perspektive, den Betrieb nach den Pfingstferien in einzelnen Bereichen wieder aufnehmen zu können“. Bis dahin müssen Hygiene-, Putz- und Desinfektionspläne ausgearbeitet sein. Der Mindestabstand könnte allerdings zum Problem werden: „Was heißt das für uns? Brauchen wir kleinere Gruppen, größere Räume - oder vielleicht sogar beides?“

Kochen und Bewegung sind wesentliche Bereiche, in denen die Familien-Bildungsstätte aktiv ist. „Kochkurse wären zwar auch online denkbar“, meint Gudrun Müller. Aber die Kurse würden davon leben, dass man gemeinsam kocht und anschließend gemeinsam isst. Im Webinar geht also viel von dem verloren, was den Kochkurs so reizvoll macht - abgesehen von vielen kleineren und größeren Problemen beim Online-Kurs: „Bei den einen ist das WLAN nicht stabil genug, den anderen fehlt der passende Rückzugsraum.“

Trotzdem sieht Gudrun Müller die „Lernchance“ bei Online-Angeboten. So könnten Seminare zu Erziehungsfragen online sehr attraktiv sein. Was derzeit aber gar nicht geht, sind Eltern-Kind-Kurse: „Sobald die Kinder krabbeln können, lässt sich keine Distanzregel mehr einhalten.“ Während sich ein Kochkurs wohl auch auf nächstes Jahr verschieben lässt, sind viele andere FBS-Kurse ans erste Lebensjahr der ganz kleinen Kurs­teilnehmer gebunden oder auch an Schwangerschaft und Geburtstermine. Hier setzt Gudrun Müller auch auf die Kooperation mit Hebammen, die eigenverantwortlich Kurse anbieten dürfen.

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