Kirchheim

„Da steckt ganz viel Herzblut drin“

Nachtleben Gunnar Stahlberg zieht sich aus dem Kult-Club Milchbar in Kirchheim zurück. Der 35-Jährige hat aber viele neue Pläne für Events in Kirchheim im Gepäck. Von Günter Kahlert

Milchbar ade: Gunnar Stahlberg zieht sich aus dem Kult-Club zurück.Foto: Günter Kahlert
Milchbar ade: Gunnar Stahlberg zieht sich aus dem Kult-Club zurück. Foto: Günter Kahlert

Der Mann ist ein Macher oder wie der Schwabe sagt „en Schaffer“. Gunnar Stahlberg hat seit 2010 in Kirchheim die „Milchbar“ als Kult-Club aufgebaut, die „Wunderbar“ übernommen, die „Minibar“ installiert und als jüngstes großes Projekt 2016 erfolgreich das „Street Food Festival“ auf dem Rollschuhplatz ins Leben gerufen. Jetzt gibt er das erste seiner „Babys“ in andere Hände. Die „Milchbar“ wird ab 1. Juli unter neuer Leitung laufen. Heute Abend ist die „Closing Party“, wie man das gerne mal neudeutsch nennt, gestern hat er bereits mit allen derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern ein Familienfest gefeiert.

Der endgültige Entschluss, die Milchbar abzugeben, fiel Ende 2016. Initialzündung war aber eigentlich das erste „Street Food Festival“ im Sommer. „Da habe ich ganz deutlich gemerkt, dass ich wieder Projektmanagement machen muss. Da ist etwas in mir aufgeflammt“, schildert Gunnar Stahlberg. „Jeder muss machen, was sein Herz ihm sagt, ohne Leidenschaft geht das nicht“, ergänzt er. Und da ist noch etwas: „Ich habe jahrelang sieben Tage in der Woche gearbeitet, dann habe ich beschlossen, wenigstens Sonntag ist Ruhetag für mich.“ Also mehr langfristige Projekte, anstatt jedes Wochenende in seinen Lokalitäten „die Feuerwehr spielen zu müssen“. Traumziel: eine Fünftagewoche.

Rettungsanker: der frühere Chef

Im Grunde ist es ein „Zurück an die Wurzeln“. Der 35-Jährige kommt beruflich vom Veranstaltungs-Management. Er hat vor seiner Kirchheimer Zeit beispielsweise Promotion für die Deutschland-Tour des russischen Nationalballets organisiert. „80 Städte in drei Monaten, das war richtig heftig“, erinnert sich Gunnar Stahlberg. Dazu zahlreiche Club-Events in Stuttgart. Anstrengend ja, aber das war sein Ding. Als ihn die Stuttgarter Agentur plötzlich finanziell hängen ließ, stand er erst mal vor dem Nichts. Rettungsanker war sein früherer Chef von „Perpedes Röck“ in Stahlbergs Heimatort Schopfloch. Während seiner ersten Ausbildung als Industriemechaniker hatte er dort mit 16 Jahren einen Nebenjob. An das Gespräch erinnert sich Gunnar noch gut. Er: „Ich brauche Geld“, Chef: „Du kannst morgen anfangen“. Nach einem halben Jahr war er bereits Produktionsleiter des Orthopädie-Spezialisten. Typisch Stahlberg, möchte man fast sagen. Und dann kam die Chance mit dem ehemaligen „Schinderhannes“-Keller. Stahlberg griff zu, am 6. August 2010 war Eröffnung, und der Rest ist Kirchheimer Szene-Geschichte.

DJ übernimmt die „Milchbar“

Leicht hat er sich den Abschied von der „Milchbar“ nicht gemacht, denn „da steckt natürlich ganz viel Herzblut drin.“ An die 40 Interessenten meldeten sich über „Immo-Scout“ bei ihm, stellten sich bei ihm vor, doch keiner kam zum Zug. „Es waren leider alles Leute, denen ich nicht mit ruhigem Gewissen das Ding übergeben wollte“, erzählt Gunnar Stahlberg. „Mein Herz hat einfach Nein gesagt.“ Dann die Lösung: Pascal Amann, der schon seit den Anfangszeiten als DJ in der „Milchbar“ arbeitet. „Pascal ist motiviert, er wird das Konzept so ähnlich weiterführen, bloß mit noch mehr Energie“, erzählt Gunnar Stahlberg.

Und wie geht‘s weiter? Da ist zunächst mal das „Streetfood Festival“. Es wird wahrscheinlich 2018 noch wachsen, eventuell dauert es dann eine Woche oder sogar zehn Tage. Der Zustimmung seitens der Verwaltung kann er sich sicher sein: „Die Stadt hat Bock darauf, vor allem das Stadtmarketing. Die haben auch vorgeschlagen, dass wir die Fläche in Richtung Rathaus und Widerholt-Platz noch vergrößern könnten.“ Und es gibt eine ganz neue Veranstaltung: „Winter Wunderland“ vom 15. bis 23. Dezember im Marstall-Garten und in den Kasematten. Dass die eher skeptische staatliche Schlösserverwaltung sein Konzept akzeptiert, darauf ist er besonders stolz.

Dazu passt auch die öffentliche Geburtstags-Party der Stahlberg-Gruppe am letzten Augustwochenende im Kirchheimer Schloss mit elektronischer Musik. Auch das eine ungewöhnliche Kombination. Außerdem organisiert Gunnar Stahlberg zu den Goldenen Oktobertagen eine Veranstaltung und viele kleinere Events. Also, langweilig wird‘s ihm nach seinem Rückzug aus der „Milchbar“ bestimmt nicht.

Und er freut sich dieses Jahr sogar auf das Weindorf: „Da werde ich das erste Mal ganz entspannt sitzen. Ich muss keine „Weindorf After Hour“ in der Milchbar organisieren.“ Gunnar Stahlberg schmunzelt. Ob das wohl klappt mit dem Relaxen? Denn der 35-Jährige sagt schon selbst von sich: „Ich bin kein ruhiger Mensch. Irgendwie stehe ich ständig unter Strom.“

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