Kirchheim

Damit sie wissen, was sie tun können

Rente In der Reihe „Gut gerüstet in den Ruhestand“ hat die Stadt Kirchheim zum Infoabend mit Biertasting in die Stiftsscheuer geladen. Es geht um Ideen für die Freizeitgestaltung im Ruhestand. Von Thomas Zapp

Monique Kranz-Janssen (links) hört interessiert Brigitta Wrana zu. Zu den Bierproben gibt es Bätscher aus Biertreber.  Foto: Markus Brändli

Mit „den Ruhestand schöntrinken“ hat die Veranstaltung in der Kirchheimer Stiftsscheuer nichts zu tun. Die launige Bierverkostung mit Brauer Michael Attinger war eher als erfrischender Pausenfüller zwischen den Erfahrungsberichten der Gäs­te gedacht. Da sitzt etwa die berufstätige Ehefrau mit am Tisch, die ihren Gatten „einfach mal mitgenommen hat“. Der gehört zu den „Jungrentnern“ und lässt den Ruhestand nach eigener Aussage noch entspannt auf sich zukommen. Daran müssen sich beide noch gewöhnen. Als Christine Euchner von Männern erzählt, die im Ruhestand ihrer Ehefrau erst mal zeigen, wie man die Spülmaschine richtig einräumt, nickt sie energisch. 

Christine Euchner ist bei der Stadt Kirchheim für den Bereich „Soziale Lebenslagen“ zuständig und organisiert die gesellige Infoveranstaltung gemeinsam mit Monique Kranz-Janssen vom Verein buefet. Zielgruppe sind die Baby­boomer, die jetzt kurz vor dem Ruhestand sind. „Sie wissen bald nicht mehr, was sie tun sollen“, sagt Christine Euchner.

Ehrenamt ist erfüllend

Dass mit dem Ruhestand nicht notwendigerweise die totale Ruhe einkehrt, zeigen die vier eingeladenen lokalen „Promis“, die aus ihrem regen ehrenamtlichen Leben berichten. Der ehemalige Pro-Familia-Geschäftsführer Thomas Meyer-Weithofer etwa, der zuvor schon Seminare zum Thema Ruhestand gegeben hatte und eigentlich an seinem ersten arbeitsfreien Tag mit einem Fußmarsch von Kirchheim nach Venedig in das Rentnerleben starten wollte. Es kam alles anders: Die Schwiegermutter erkrankte schwer und er pflegte sie. Dann kam Corona. „Es kommt alles anders als Sie denken. Gönnen Sie sich lieber eine Übergangszeit und entscheiden Sie dann.“ Heute ist er erster Vorsitzender beim Veranstalter, dem Verein buefet.

Oder Brigitta Wrana: Die studierte Physikerin hat nach dem Ausstieg aus der Halbleiterindustrie in der Flüchtlings- und Hausaufgabenhilfe viele Leute kennengelernt. Als es „Zickenkrieg“ unter pubertierenden Schülerinnen gab, sattelte sie lieber auf Computerhilfe für ältere Menschen um und ist damit sehr zufrieden. Ihr Tipp: „Machen Sie nicht zu viel auf einmal. Probieren Sie einfach Dinge aus, ohne anderen davon zu erzählen.“

Daneben gibt es die Methode des „weichen Übergangs“: Doris Imrich hat ihren Beruf als Geschäftsführerin des VfL Kirchheim so gerne gemacht, dass sie auf 450-Euro-Basis weiter für den Verein arbeitet. „Ich hab sogar meinen alten Stuhl noch, nur eben keine Verantwortung mehr“, sagt sie. Das tue ihr sehr gut: „So bin ich weg von der Straße“, sagt sie unter Gelächter. Jetzt will sie sich verstärkt in der Hospiz-Bewegung engagieren.

Alles neu macht der Ruhestand: Nach diesem Motto ist Hans-Werner Schwarz verfahren. Mit 60 hat der ehemalige Lehrer einen Umzug und eine neue Partnerschaft gewagt und vier Jahre später ein Fernstudium begonnen. Heute ist er Referent für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei den Agenda-Gruppen und sehr zufrieden. Das Ehrenamt kostet zwar Zeit, ist dafür aber nachhaltig erfüllend: „Um Enkel kümmern ist toll, aber die werden groß und gehen irgendwann.“

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