Kirchheim

Das geistliche WortDer Alltag holt uns ein

Uwe Geiger, Leiter des Museums und Stadtarchivs, mit der Sammlerin Ingrid Ostermann.Fotos: Sabine Ackermann
Uwe Geiger, Leiter des Museums und Stadtarchivs, mit der Sammlerin Ingrid Ostermann.Fotos: Sabine Ackermann

Die Adventszeit ist vorbei. Heute feiern wir. Im Kirchenlied „Tochter Zion“ heißt es: Der Friedefürst ist zu uns Menschen gekommen. Friede? Aleppo, Berlin, vergessene Kriege und Konflikte an anderen Orten in der Welt. Friede? Partnerschaft, Familie, Nachbarn.

Uns holt der Alltag auch am heutigen Heiligabend ein. Friede bleibt oft ein frommer Wunsch, eine Sehnsucht. Und da kommt dieser Jesus. Er kommt als Kind. Hineingeboren in diese friedlose Welt. In Bethlehem, einem unbedeutenden Ort, angewiesen auf zwei Menschen, die ihm Halt und Schutz geben: Maria und Josef.

Das soll der Friedefürst sein, dieses Kind in der Krippe? Ich ertappe mich dabei, dass ich Zweifel habe. Eigentlich erwarte ich jemanden, der stark und mächtig auftritt, eben wie ein richtiger Fürst. Jemand, der den Kriegen und Konfliktherden, dem Streit und dem Hass den Garaus macht. Jemand, der um und in uns Frieden schafft. Jemand, der mir die Angst vor meinen Mitmenschen nimmt, mir immer wieder Mut und Hoffnung gibt, mein Leben in die Hand zu nehmen. Doch da ist nur dieses Kind in der Krippe! Friedefürst? Ich schaue genauer hin und sehe zwei Menschen, die ihre Zweifel überwunden haben: Maria und Josef. Ohne diese beiden wäre es nie zu diesem Ereignis gekommen. Sie haben unter widrigsten Umständen zusammengehalten. Es wäre nichts passiert, wenn Maria nicht Ja gesagt hätte.

Maria wäre verstoßen worden, wenn Josef den ungeborenen Jesus nicht als sein Kind angenommen hätte. Die Familie wäre zugrunde gegangen, wenn die beiden sich nicht gemeinsam auf den Weg gemacht hätten. Als Mann imponiert mir gerade der Josef, wie er einfühlsam auf Maria eingeht und die schwierigen Situationen mit ihr angeht und durchsteht. Da können die „mächtigen“ Männer von heute einiges lernen. Maria und Josef – ohne diese beiden geht es nicht. Jesus, der Friedefürst, wäre nicht in diese Welt gekommen. Und heute wäre kein Heiligabend.

Friede fängt immer da an, wo Menschen sich öffnen und wie Maria und Josef auf den Weg machen: Auf den Weg mit dem Gott, der sich selbst in die Krippe eines jeden Herzens legen möchte.

Diakon Thomas Kubetschek

Katholische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim

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