Kirchheim

Das geistliche WortIntegratives Beispiel Fußball

Bei einem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft kurz vor der Europameisterschaft wurde im Fernsehen zweimal eine schöne Szene eingeblendet: Ein dunkelhäutiger und ein weißer Junge hüpfen fröhlich miteinander und freuen sich gemeinsam lachend am Fußballspiel. Und mal abgesehen von der Randale einiger gewalttätiger „Fans“ erlebt man gerade fast täglich, wie auf Straßen und Plätzen in Frankreich und auch hierzulande Fußballfans verschiedenster Nationen aufeinander zugehen und ihre Begeisterung miteinander teilen.

Fußball verbindet Menschen und ist deshalb eine tolle, integrative Kraft. Diese Integration zeigt sich auch in den Mannschaften. In der deutschen Mannschaft ist es schon lange völlig normal, dass sie multikulturell zusammengesetzt ist, dass viele Spieler einen Migrationshintergrund haben, dass auch die jeweilige Religion oder Weltanschauung akzeptiert ist.

Auch für die allermeisten Fans ist die bunte Vielfalt einer Fußballmannschaft kein Problem. Fußball kann deshalb Vorbild für Integration in unserer Gesellschaft sein. Ein Miteinander mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, Kultur oder Religion zu schaffen, ist zwar eine He­rausforderung und ein hoher Anspruch, aber es lohnt sich. Denn bunte Vielfalt macht unser Leben nicht bedrohlich, sondern erst richtig interessant und spannend.

Wie arm und einfältig wären wir Menschen, wenn es nicht die Verschiedenheit unter uns gäbe, die uns bereichert und unseren Horizont erweitert. Wenn wir uns zum Beispiel Flüchtlingen zuwenden, dann geben wir nicht nur etwas, sondern empfangen auch viel. Das bestätigen immer wieder Menschen, die es mit Flüchtlingen zu tun haben. Und im Übrigen sind wir doch in allererster Linie Menschen, christlich gesprochen: Schwestern und Brüder, Geschöpfe Gottes, der uns alle nach seinem Bild geschaffen hat.

Trotz unserer unterschiedlichen Herkunft, Hautfarbe, Kultur und Religion sind wir doch alle Menschen, die dieselben Sehnsüchte, Wünsche, Freuden und Probleme haben. Und wenn wir immer wieder die Begegnung miteinander suchen, werden wir uns nicht fremd bleiben. Aus Fremden werden dann Freunde.

Es wird letztlich so sein, wie es im biblischen Buch Levitikus heißt: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten.“ Oder wie der Apostel Paulus in seinem Epheserbrief schreibt: „Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.“ Es muss das Ziel von Integration sein, dass sich jeder heimisch und angenommen fühlt.

Dazu kann der Fußball Vorzeigecharakter haben, aber auch das, was in Städten wie Kirchheim schon lange geschieht – zum Beispiel in Vereinen, in den Kirchen oder in der Moschee, wo Flüchtlinge eine Heimat finden, beim interkulturellen Begegnungsfest vor Kurzem, bei Veranstaltungen „Interkulturelles Kirchheim“ oder jetzt am Wochenende beim Stadtfest, das ohne die bunte Vielfalt der beteiligten internationalen Gruppen gar nicht denkbar ist.

Pastoralreferent Reinhold Jochim

Katholische Kirchengemeinde Sankt Ulrich, Kirchheim

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