Kirchheim

Das große Warm-up für den Heiligen Abend

Kult Zum „Heiligen Vormittag“ ist die Kirchheimer Innenstadt rund um die Glühweinstände rappelvoll. – Ein Riesentreff mit Verwandten, Freunden, Ex-Kirchheimern. Von Günter Kahlert

Gut gefüllt zeigt sich die Innenstadt auch dieses Jahr wieder am „Heiligen Vormittag“.Fotos: Günter Kahlert
Gut gefüllt zeigt sich die Innenstadt auch dieses Jahr wieder am „Heiligen Vormittag“. Foto: Günter Kahlert

Dass der „Heilige Vormittag“ in Kirchheim längst als Institution gilt, ist keine wirklich überraschende Feststellung. Trotzdem waren die „Glühwein-Gastronomen“ Michael Holz und Co. im Vorfeld etwas verunsichert. Heiligabend an einem Sonntag, keine zusätzliche Laufkundschaft durch Last-Minute-Einkäufe. Wie wird‘s werden? Wie immer. Ab etwa 10.30 Uhr beginnen die ersten auf den Achsen Max-Eyth-Straße und Marktstraße in die Stadt zu pilgern. Und das, obwohl es gemäß Auflagen erst ab 11 Uhr Glühwein gibt. Ordnungsamt und Polizei checken das in der Stunde davor auch nochmal ab.

Aber Glühwein oder Punsch ist gar nicht das zentrale Thema des „Heiligen Vormittags“. Man trifft sich einfach mit anderen Menschen, manche hat man seit Langem nicht mehr gesehen, manche, die längst weit weg von Kirchheim wohnen, kommen gerade an Weihnachten nach Hause, um bei Freunden oder den Eltern zu sein. Das ist der eigentliche Charakter des „Heiligen Vormittags“ Man hat das Gefühl, alle freuen sich darauf, die Menschen sind entspannt, gut gelaunt. - Ein entspanntes Fest der Begegnungen. Keiner, mit dem man so ins Gespräch kommt, sieht es als „Ersatz“ für den besinnlicheren Teil des Tages mit der Familie am Heiligen Abend.

Ab 11 Uhr jedenfalls ist die Innenstadt bereits gut gefüllt, bis Mittag ist vor den Getränke-Ständen kaum noch ein Durchkommen. Zentraler Punkt ist wie jedes Jahr der Platz vor dem Rathaus. Hier hat der „Bären“ seinen Ausschank, und Gunnar Stahlberg hat zwölf Meter seiner Glühweinbar aus dem „Winter Wunderland“ über Nacht hertransportiert und auf der anderen Seite des städtischen Christbaums aufgebaut. Aber das sind nicht die einzigen „Hotspots“ für heiße Getränke. Am „Wachthaus“ gibt‘s einen, in der Widerholtstraße auf dem „Platz der kleinen Freiheit“ zwischen Stiftscheuer, „Wunderbar“ und „Freudenhaus“, in der oberen Dettinger Straße und vor dem Stadtkino. Überall das gleiche Bild: fröhliche Menschen mit Getränken in der Hand im Gespräch.

Am Stadtkino steht der Kirchheimer Kult-Gastronom Michael Holz höchstpersönlich am Glühwein-Zapfhahn. Er gilt in Kirchheim als „Erfinder des Heiligen Vormittags“. Stimmt das? Er lacht: „Nein, so kann man das nicht sagen.“ Vor 18 Jahren, erinnert er sich, hat er auf Wunsch der Gäste seines „Bären“ eine kleine Weihnachtshütte vor der Wirtschaft aufgebaut. Mehr war es nicht. „Die Leute konnten ihre Getränke sogar selbst mitbringen. Meistens war das eine Flasche Sekt.“ Was daraus geworden ist, erstaunt Michael Holz immer noch: „Wir haben das nie beworben, es war nie als Veranstaltung geplant, es sollte immer ein Treff sein.“

Punkt 14 Uhr ist nach Anweisung der Stadtverwaltung Schluss, zumindest mit der Außenbewirtschaftung, aber die Gastronomen melden ohnehin für ihre Glühweinbestände „ausverkauft“. In den Lokalitäten geht es noch eine Weile weiter, doch irgendwann ist es ja dann auch Zeit, sich allmählich dem richtigen Heiligen Abend zu widmen.

Irgendwelche Vorkommnisse? „Also uns liegt absolut nichts vor“, meldet Robert Heinrich vom Lagezentrum des Reutlinger Polizeipräsidiums: „Und das ist immer ein gutes Zeichen.“

Da blieb nichts übrig: Bis 14 Uhr war der Glühwein ausverkauft.
Da blieb nichts übrig: Bis 14 Uhr war der Glühwein ausverkauft. Foto: Günter Kahlert
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