Kirchheim

„Das ist eine aktive Friedensleistung“

Bulkes Kirchheim beschließt eine neue Städtepartnerschaft – mit Baćki Petrovac in Serbien

Kirchheim. Die Stadt Kirchheim beginnt im kommenden Jahr ganz offiziell ihre dritte Städtepartnerschaft: Nach Rambouillet in Frankreich und Kalocsa in Ungarin soll die dritte Partnerstadt nun Bački Petrovac heißen. Sie liegt im heutigen Serbien und ist die Kommune, zu der auch das Dorf Maglić gehört – das einstige Bulkes.

Das historische Bulkes ist sehr eng mit Kirchheim verbunden: 1786 war der Aufruf Kaiser Josephs II. erfolgt, das Land entlang der Donau in der Wojwodina zu besiedeln, wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Gemeinderat ausführte. Viele Menschen aus dem heutigen Südwesten Deutschlands waren diesem Aufruf gefolgt. Sie gründeten unter anderem den Ort Bulkes. Mehr als 150 Jahre lang habe sich Bulkes gedeihlich entwickelt – bis 1944 die verbliebenen Bewohner in ein Vernichtungslager kamen. Für die überlebenden Bulkeser ist Kirchheim nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer wichtigen Anlaufstation geworden. Schon bald begannen sie damit, ihre Heimattreffen regelmäßig in Kirchheim abzuhalten. 1966 mündete ihre Verbindung zu Kirchheim in die Übernahme einer Patenschaft der Stadt Kirchheim für die ehemaligen Bewohner des Dorfs Bulkes.

Nun haben die einstmals Vertriebenen längst wieder eine Brücke in die alte Heimat gebaut. Aus privaten Reisen sind offizielle Besuche entstanden, mittlerweile auch auf Verwaltungsebene. Aus dem Bewusstsein heraus, „dass Europa nur miteinander gelingen kann“, warb die Oberbürgermeisterin jetzt im Ratsgremium um Zustimmung zur neuen Partnerschaft – auch wenn es am Anfang vielleicht noch nicht den ganz großen Austausch geben werde wie mit Rambouillet. Ein erstes gemeinsames Ziel sei aber der Erhalt eines Kulturguts, einer evangelischen Kirche in der Wojwodina – der alten Kirche von Bulkes.

Stadtrat Andreas Kenner sprach von einer beachtlichen Geste, wenn die Bulkeser heute zur Versöhnung bereit seien: „Das ist eine aktive Friedensleistung. Hier wächst etwas zusammen, wo andernorts Europa auseinanderfällt.“ Siegfried Pöschl sagte: „Ich kann es nur begrüßen, wenn wir als Vorreiter die erste Stadt in Baden-Württemberg sind, die eine Städtepartnerschaft in Serbien eingeht.“

Das Gremium stimmte bei einer Enthaltung zu. Nächsten Mai soll die Partnerschaft in Serbien unterzeichnet und im Jahr darauf in Kirchheim bestätigt werden – bei der 50-Jahr-Feier der Partnerschaft mit Rambouillet.Andreas Volz

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