Kirchheim

Intelligente Hommage an die 50er-JahreDas musikalische Quartett

Musikkabarett Behütete Schlagerwelt, unterwürfige Frauen – spritzig-witzig ­entführte das Vocal-Duo Knack in die Wirtschaftswunderzeit. Von Sabine Ackermann

Ach, wie war doch früher alles besser. - Nicht wenige, die sich ihre eigene Weltanschauung basteln und mit Blick zurück auf die Wirtschaftswunderzeit die Vergangenheit glorifizieren. Erste Liebe, Heirat, Familie, Beruf, Reisen - hinein ins donnernde Leben, Männer mit „HB“ und Frauen mit „Frauengold“.

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Da tut Aufklärung unbedingt Not, dachten sich Martina Knoll und Angela Hack und warnen eindringlich: „Cindy oh Cindy, steig nicht in das Traumboot der Liebe“. Mit viel Esprit, großartigen Stimmen und klug ausgewählter Liedfolge nimmt das Duo „Knack“ die 90 Zuschauer - dann ist der Farrenstall Schlierbach ausverkauft - mit auf eine spannende und zudem noch äußerst humorige Zeitreise.

Allein schon die Titel der alten Schmachtfetzen und Gassenhauer erzählen eine Geschichte. Nach „Baby, mach dich schön“ kommt der verzweifelte Aufruf: „Ham se nicht nen Mann für mich“, der dann wiederum „Am Tag, als der Regen kam“ mit der Erkenntnis „Das hab ich in Paris gelernt“ müde und entkräftet mit dem „Wanderlied einer Hausfrau“ endet. Kein Wunder, dass dann Cindy aus lauter Liebe zu ihrem Peter tief gesunken ist und sich eingesteht: „Ich zähle täglich meine Sorgen“.

Vom ersten bis zum durchweg letzten Ton hört und sieht man, das Quartett versteht sein Handwerk vortrefflich. Mit den erfahrenen Musikern Markus Deusch-le am Schlagzeug sowie den Percussions und Pianist Andreas Schuster gehen die „Mädels“ mustergültig mit der Konjunktur oder tanzen Calypso in Tipitipitipso. Besonders schön wirkt das, wenn Angela Hack und Martina Knoll zweistimmig singen, der wohlige Klang beschert Gänsehaut und beseitigt die „Trümmer“ der Langeweile und Talentfreiheit.

Doch es ist nicht nur die Interpretation ihrer Lieder, die gefällt. Zwischen den Songs erzählen „Knack“ amüsante Geschichten, zelebrieren kleine Sketche oder lassen akustisch alte Originalwerbespots einfließen.

Einfach herrlich, wie Martina Knoll Charles Aznavour Konkurrenz macht und grandios singt: „Du lässt dich geh‘n“ oder die bedrückte und „körperlich bestimmten Stimmungen unterworfene“ Angela Hack sich am hochprozentigen Wundertonikum „Frauengold“ einmalig die Kante gibt. „Packen Sie rechtzeitig alle Aufgaben an, welche Ehe, Beruf, Hausarbeit und Geselligkeit an Sie stellen? Haben Sie den inneren Schwung, um Frohsinn und Lebensfreude auszustrahlen - oder machen Sie etwa „Ihm“ das Leben schwer?“ - So sorgt die Werbe-Aussage nicht nur für beflügelten Unternehmungsgeist bei der weiblichen Klientel, sondern beim überwiegend älteren Publikum auch für ausgedehnte Lachsalven.

Ferner begnügen sich elegante Damen nicht mit dem Gottesgeschenk, schöne Beine zu haben. Nein, vielmehr wissen sie, was „Arwa-Strümpfe“ in schwingender Passform auch für die Frau von 50 verschönernd hinzuzugeben vermögen. Denn: „Kluge Frauen altern nicht, sie reifen“. Beruhigend, bereits in den Fünfzigern drehte sich vieles um die Figur. „Für vollkommene Brüste mit fester Elastizität hilft „Plasto-Sein“, wo anderes versagt“. Nun denn.

Hatte das Weib zur damaligen Zeit angeblich nur zwei Lebensfragen: „Was soll ich anziehen, und was soll ich kochen?“, war es dagegen erstaunlich: „Was ein Mann alles essen kann, wenn er verheiratet ist“, heißt es weiter aus dem Off. Das Allerwichtigste für den Herrn und Gebieter: Pudding, denn merke: „Männer, die gern Süßes essen, haben einen guten Charakter und sind sanft und verträglich. Da kann das neue Kleid ruhig mal 100 Mark mehr kosten“, empfiehlt Dr. Oetker.

Viel zu schnell ging der unterhaltsame und kurzweilige Abend im Schlierbacher Farrenstall zu Ende, bleibt nur zu hoffen: dass „Knack“ bald wieder auf Zeitreise geht.

Angela Hack fand den Weg zur Bühne über den Tanz. Nach Jahren des klassischen Balletts rundete sie ihre Tanzausbildung mit Jazztanz und Modern Dance ab. Ihr Talent zum Gesang entdeckte sie als Jugendliche und begann bereits mit 16 Jahren eine klassische Gesangsausbildung. Sie studierte in München und schloss parallel dazu ein Studium in Sprechwissenschaft ab. Darüber hinaus bildete sich die vielseitige Künstlerin im Bereich Schauspiel fort und wirkte in zahlreichen Musik-, Tanz- und Theaterproduktionen als Solistin mit.

Martina Knoll trat durch sängerisches Talent bereits im Kindesalter im Chorgesang in Erscheinung. Der Beginn einer fundierten Gesangsausbildung mit 18 Jahren war daher die logische Konsequenz. Seither hat sich die Sängerin in ganz unterschiedlichen Gesangsstilen beständig weitergebildet. Sie wirkte in zahlreichen Theater- und Musicalproduktionen mit, war Solistin einer Kabarettgruppe und ist langjähriges Mitglied der Murphy Singers in Stuttgart. Neben ihrer Arbeit als Sängerin ist sie im Bereich der musikalischen Früherziehung tätig.

Andreas Schuster ist am Tag der Mondlandung geboren, fühlte sich vielleicht deshalb bald zu Höherem berufen - und entdeckte bereits als Kind das elterliche Klavier. Mit neun Jahren begann er eine klassische Ausbildung, um sich als junger Erwachsener Popmusik, wilden Rhythmen und Improvisation zuzuwenden. Schon bald begleitete er die Gottesdienste seiner Heimatgemeinde am Rockpiano, war Pianist der Popformation „Prisma“, mit der er mehrere Alben einspielte und vervollkommnete seine Fertigkeiten als musikalischer Begleiter.

Markus Deuschle erfüllte sich mit neun Jahren neben dem Orgelspiel den Traum vom eigenen Schlagzeug. Da das Interesse für Rhythmik größer war als für Melodie, entschied er nach einigen Jahren Unterricht auf beiden Instrumenten, sich melodisch nur noch auf Vibraphon, Xylophon oder Marimbaphon zu konzentrieren. Markus sammelte seine Erfahrungen in Orchestern, Bands und Ensembles unterschiedlichster Stilrichtungen. Seine Leidenschaft für nicht ganz alltägliche Schlaginstrumente lebt er in der Percussion Formation „BoxBeat“ aus.ack