Kirchheim

Das Risiko im eigenen Häusle

Interview Kamine können durchaus eine Gefahr darstellen.

Karl-Heinz Sigel.Foto: Haußmann
Karl-Heinz Sigel.Foto: Haußmann

Kirchheim. Karl-Heinz Sigel vom Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks Baden-Württemberg berichtet, wann Kamine und Co in den eigenen vier Wänden zur Gefahr werden können.

Herr Sigel, wann werden Feuerstätten im Haushalt zur Todesfalle?

Karl-Heinz Sigel: Ob Gastherme, Heizkessel, offene Kamine, Kachel- oder Kaminöfen - überall dort, wo eine Verbrennung kohlenstoffhaltiger Substanzen stattfindet, kann Kohlenmonoxid entstehen. Allerdings werden diese Feuerstätten nur dann zur Gefahr, wenn sie der Eigentümer falsch bedient oder wenn ein Defekt vorliegt. Dank des guten Kontrollsystems, das wir in Deutschland haben, kommt es im Gegensatz zu anderen Ländern wie Belgien oder Frankreich hier sehr selten zu Kohlenmonoxid-Unfällen im Haushalt. Die vorgeschriebene regelmäßige Prüfung durch den Schornsteinfeger minimiert das Risiko von Zwischenfällen.

Kann sich auch Unterdruck in der Wohnung zum Problem entwickeln?

Sigel: Eine Feuerstätte benötigt zum Brennen permanent Frischluft. Je länger ein Ofen brennt, desto mehr Raumluft saugt er für seinen Bedarf ab, diese muss nachströmen. Viele Hausbesitzer nutzen ganz selbstverständlich ihre Lüftungsanlagen. Allerdings wird das zum Problem, wenn parallel der Kamin in Betrieb ist. Denn Geräte wie Abluftdunstabzugshauben oder Badentlüfter benötigen ebenfalls eine gewisse Menge Luft - allerdings mehr, als durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle nachströmt. Und genau darin liegt die Krux: Zum Druckausgleich kehrt der Kamin seine Strömungsrichtung um, Abgase und damit eben auch Kohlenmonoxid gelangen in den Wohnbereich.

Wie lässt sich das verhindern?

Sigel: Wer sich einen Kaminofen oder einen offenen Kamin zulegen will, sollte darauf achten, dass die Feuerstätten sachkundig installiert und vom Schornsteinfeger abgenommen werden. Außerdem muss die Luftmenge, die ein Kaminofen oder ein offener Kamin bei der Nutzung verbrauchen, in einem angemessen Verhältnis zur Größe des Raumes stehen, in dem sie betrieben werden. Bei Feuerstätten und Dunstabzug kann auch ein Fensterkontaktschalter oder Druckwächter weiterhelfen. Der Schornsteinfeger informiert gern.

Kann sich auch eine Haussanierung auf die Verbrennung auswirken?

Sigel: Werden in alten Gebäuden Fenster und Türen durch neue ersetzt, besteht per Gesetz sogar die Pflicht, die Verbrennungsluft neu berechnen zu lassen. Viele sind sich dessen gar nicht bewusst. Da neue Fenster und Türen dichter schließen, kann sich die Menge der Luft, die der Feuerstätte beim Betrieb zur Verfügung steht, verringern, und Kohlenmonoxid kann deshalb zum Problem werden.

Wie sieht es bei der Gastherme aus?

Sigel: Genau wie Kohlenmonoxid ist verbranntes Erdgas farb-, geruch- und geschmacklos. Dass die Gasheizung defekt ist und sich Abgase im Wohnbereich befinden, ist also nicht so schnell feststellbar wie bei der Holzverbrennung, die in der Regel mit Rauch- und Geruchsentwicklung einhergeht. Ein Alarmzeichen, das signalisiert, dass mit der Gasfeuerung etwas nicht stimmt, ist die Entwicklung von Wasserdampf, der sich an den Fensterscheiben bemerkbar machen kann. Wer nicht kocht oder mit heißem Wasser hantiert und beim Betrieb der Feuerstätte beschlagene Scheiben feststellt, sollte die Heizung sofort abschalten, die Fenster öffnen und den Schornsteinfeger sowie Heizungstechniker informieren.

Daniela Haußmann

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