Kirchheim

„Das schreibe ich doch mit links“

Am Samstag feiert die Welt den 40. Linkshändertag – Entscheidungsfreiheit setzt sich durch

Viele können sich erinnern: Früher durfte es keine Linkshänder geben. Kinder wurden, teils unter Gewaltanwendungen, umerzogen.

Kirchheim. Linkshänder hatten lange Zeit kein schönes Schulleben. Da setzte es Tatzen, wenn mit der falschen Hand geschrieben wurde oder die Lehrer banden die linke Hand auf den Rücken. So wollten die Pä­dagogen das Phänomen Linkshändigkeit eliminieren. Psychologen der heutigen Zeit hätten sich wohl ob der Zwangsmaßnahmen die Haare gerauft.

Heutzutage kann jeder Mensch frei wählen, ob er rechts oder links schreibt. Viele Eltern versuchen zwar schon beim Kleinkind, die Handwahl zu beeinflussen, indem sie ihm immer wieder Gegenstände in die rechte Hand geben; dennoch wird sich der Spross im Laufe der Zeit eigenständig für eine Seite entscheiden. Zumindest in der Schule ist es kein Problem mehr, wenn ein Kind das Schreibzeug in die linke Hand nimmt.

Friedemann Korn, Schulleiter der Eduard-Mörike-Schule in Kirchheim, versichert: „Bei uns an der Schule gibt es schon lange keine Umerziehung mehr.“ Der Schulchef kennt seine Schüler und weiß, dass es in jeder Klasse bis zu drei Linkshänder gibt. Er sieht aber den gewissen Nachteil bei der Schönschrift: Da die Handschrift für Rechtshänder ausgelegt ist und viele „Linke“ stoßen, statt die Schrift zu ziehen, sehen diese nicht, was sie schreiben.

Die Haltung der Hand bei verschiedener Tätigkeit, etwa auch beim Essen, widerspricht der natürlichen Weise. Meist greifen die Finger von oben nach Kugelschreiber oder Messer und Gabel. Dies sieht auch Regina Gallus vom Schreibwarengeschäft „Wall am Markt“ in Kirchheim so: „In der rechten Hand schaut die Spitze des Stifts Richtung Ellenbogen, bei den meisten Linkshändern klappt dies nicht.“ Sie stellt fest, dass es heutzutage immer mehr Menschen gibt, die mit der linken Hand arbeiten und vermutet: „Es liegt wohl daran, dass seit Jahren keine bewusste Erziehung zum Rechtshänder mehr stattfindet.“

Das Sortiment in den Schreibwarengeschäften ist umfangreicher geworden. Gab es früher gerade mal Scheren und Füllfederhalter für Linkshänder, kann heute fast jeder Artikel für links oder rechts erstanden werden. Da gibt es Lineale, auf denen die Zentimeter-Skala von rechts nach links gedruckt ist, den Schreibblock, der auf der anderen Seite beringt ist oder den Spitzer extra für Linkshänder.

Manche Artikel sind sinnvoll, andere dienen eher dem psychologischen Aspekt, um Eltern und Kinder zu beruhigen. „Scheren und Füller für Linkshänder sind nach wie vor die Verkaufsschlager“, weiß die Expertin Regina Gallus. Sie wurde in der Kindheit selbst umerzogen und kann heute beidseitig schreiben. Dies demonstrierte sie auch gleich in einem Schulheft und erinnert sich an ein Gespräch kürzlich im Laden: „Das Schreiben mit Links ist immer noch Streitthema und viele wissen gar nicht, welchen Druck sie damit auslösen.“ Für Menschen, die schon immer links schreiben, ist die „normale“ Haltung des Schreibgeräts in der linken Hand schier unmöglich. Doch was soll‘s. Regina Gallus bleibt der felsenfesten Überzeugung: „Auch Linkshänder schreiben schön, wenn sie nur Füller oder Stift richtig halten.“

„Häkeln hab‘ ich nie gelernt“

Wie lebt es sich in der heutigen Zeit als Linkshänderin?

Gab es in der Schulzeit Probleme oder gar Hänseleien?

Birgt das Smartphone Tücken für Linkshänder?

Gibt es eine Tätigkeit, die Sie bewusst rechts ausüben?

Wo sehen sie den größten Nachteil, Linkshänder zu sein?

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