Kirchheim

Das Stadtticket kommt

Verkehrspolitik Ab Januar wird Busfahren in Kirchheim und Dettingen günstiger und einfacher. Die Verbesserungen gibt‘s nicht zum Nulltarif, doch der Gemeinderat steht geschlossen hinter der Neuerung. Von Irene Strifler

Mehr Menschen als bisher sollen Kirchheims Busse nutzen, sobald es das Stadtticket gibt.Fotos: Jean-Luc Jacques/Oliver Buerkle
Mehr Menschen als bisher sollen Kirchheims Busse nutzen, sobald es das Stadtticket gibt. Foto: Jean-Luc Jacques

Für drei Euro kann man ab Januar den ganzen Tag per Bus in Kirchheim und Dettingen unterwegs sein. Das Gruppenticket für bis zu fünf Personen kostet sechs Euro für einen Tag. „Das steht der Stadt gut an“, freut sich Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker auf das Stadtticket. Einstimmig votierten die Räte für die Neuerung - und nahmen dabei ordentlich Kosten in Kauf: Mehr als 100 000 Euro muss die Stadt nämlich jährlich zuschießen. Eine Ausgabe, die die Räte angesichts des Ziels, den Öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, nicht infrage stellen.

„Wir machen den ÖPNV jetzt nicht nur billiger, sondern auch attraktiver“ jubelt Marc Eisenmann, Vorsitzender der SPD, auf deren Antrag das Stadtticket letztlich zurückgeht. „Die 100 000 Euro sind gut investiertes Geld“, bilanziert Eisenmann und träumt längerfristig sogar von noch günstigerem ÖPNV. „Wir stimmen jedem Antrag zu, der zu klimafreundlicher Mobilität führt“, lässt auch Dr. Silvia Oberhauser, Vorsitzende der Frauenliste, keinen Zweifel am Sinn der Neuerung. Sie pocht auf nachhaltige Werbung, um das Ticket zum Erfolgsmodell zu machen. Im Gespräch sind kostenlose Busfahrten zum Märzenmarkt.

Manfred Machoczek von den Grünen verweist auf die soziale Bedeutung des Stadttickets. Möglicherweise könne sich jetzt manch einer das Busfahren leisten, für den es bisher zu teuer war. Dr. Thilo Rose, Fraktionsvorsitzender der CDU, empfindet die Verbilligung ebenfalls als positiv, merkt aber verschobene Verhältnisse an: Während eine Fahrt von Ötlingen nach Kirchheim derzeit 2,50 Euro koste, könne man von Kirchheim zum Hauptbahnhof Stuttgart für 6,50 Euro fahren. Dieses Missverhältnis müsse korrigiert werden. Für die Freien Wähler signalisiert Ralf Gerber ebenfalls Zustimmung, drängt aber darauf, auch auf Verbesserungen wie Sitzgelegenheiten und schützende Dächer an den Bushaltestellen zu achten.

Das ist durchaus geplant. Laut Lisa-Marie Riemann von der Abteilung Städtebau und Baurecht in Kirchheim besteht Übereinstimmung mit dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), dass zahlreiche begleitende Maßnahmen nötig sind, um Busfahren attraktiver zu machen. Dazu zählt eine Verlängerung der Fahrtzeiten an Samstagen, eine Umwandlung des Ruftaxis zum Milcherberg in regulären Busverkehr sowie ein barrierefreier Ausbau der Bushaltestellen und eine Beschleunigung des Busverkehrs mithilfe von Ampeln. Ziel ist, dem ÖPNV ein positives Image zu verschaffen. Busse sollen als kundenfreundliches, bevorrechtigtes Verkehrsmittel wahrgenommen werden.

Erfahrungen aus der Region haben bereits gezeigt: Der VVS muss zunächst Einnahmeneinbußen verkraften, da Kunden von anderen Ticketarten, die alle unverändert bleiben, zum Stadtticket abwandern. So ist ein Ausgleich durch die Kommunen nötig. Zunächst ist das Ticket auf drei Jahre befristet. Kirchheim schießt also dreimal 100 000 Euro zu. Mit im Boot als Nutznießer, aber auch als Finanzier des Stadttickets ist die Gemeinde Dettingen. Über Dettingen fahren nämlich die Buslinien in den Kirchheimer Teilort Nabern. Der örtliche Gemeinderat hat bereits zugestimmt, jährlich knapp 10 000 Euro einzuspeisen.

Der weitere Verlauf ist vom Erfolg abhängig. Die bisherigen Erfahrungen mit Herrenberg und Ludwigsburg sind positiv, wie Lisa-Marie Riemann betonte. Etliche andere Städte bieten bereits verbilligte Tarife an, die unter dem Dach des VVS nun vereinheitlicht werden sollen.

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