Kirchheim

Das Weihnachtsgeschäft endet abrupt

Handel Am Dienstag ist der letzte richtige Einkaufstag in diesem Jahr. Danach dürfen nur noch wenige Läden weiterhin geöffnet bleiben. Wer von der Schließung betroffen ist, setzt auf Lieferdienste. Von Andreas Volz

Der Christbaumverkauf  - wie hier in Weilheim - ist nicht vom Lockdown betroffen. Er kann weitergehen. Foto: Markus Brändli
Der Christbaumverkauf - wie hier in Weilheim - ist nicht vom Lockdown betroffen. Er kann weitergehen. Foto: Markus Brändli

To lock down heißt so viel wie zusperren oder abschließen. Das große Zusperren beginnt demnach am Dienstagabend, wenn die meisten Geschäfte bis mindestens 10. Januar schließen müssen. So richtig merken wird es die Bevölkerung allerdings erst am Mittwoch, wenn - mitten in der vorweihnachtlichen Einkaufszeit - morgens kein Aufsperren mehr erfolgen darf. Die Läden bleiben geschlossen. Was sie allerdings weiterhin anbieten dürfen, sind Bestellungen per Telefon oder auf elektronischem Weg. Was sie ebenfalls anbieten wollen, ist ein eigener Lieferservice. Möglicherweise sollen Kunden die bestellte Ware auch selbst abholen dürfen, zum Beispiel an einem eigens dafür eingerichteten „Schalter“.

Karl-Michael Bantlin, der Vorsitzende der Kirchheimer Händlergemeinschaft City Ring, berichtet von verlängerten Öffnungszeiten am heutigen letzten Einkaufstag des Jahres - bis 19.30 Uhr. Er selbst spürte in den vergangenen Tagen, dass das Weihnachtsgeschäft angezogen hatte: „Es war deutlich mehr los als sonst in diesem Jahr. Aber das bedeutet, dass wir endlich auf einem normalen Niveau angekommen waren.“

Was jetzt passiert, kennt er alles bereits vom Frühjahr, mit einem einzigen Unterschied: War es von März bis Mai die Sommermode, die er nicht mehr in dem großen Umfang verkaufen konnte, wie es geplant gewesen wäre, geht es ihm nun mit der Winterkollektion nicht anders: „Zum Glück hatte ich weniger Wareneingang als normalerweise, weil ich da schon sehr vorsichtig war.“

Unverständnis bei den Händlern

Und noch etwas gleicht sich: Vor sechs Wochen waren es die Gastronomen, die nicht verstehen konnten, dass sie schließen mussten, obwohl sie Hygienekonzepte ausgearbeitet hatten. Nun geht es den Händlern ganz genauso. Karl-Michael Bantlin sagt stellvertretend für seine Kollegen: „Ich verstehe es nicht. Mir sind keine Gefahren in den Läden bekannt. Ich weiß von niemandem, der sich in einem Laden angesteckt hat.“ Selbst von infiziertem Personal ist ihm nur ein einziger Fall in Kirchheim bekannt: „Das war im Frühjahr, da war jemand infiziert aus Ischgl zurückgekommen.“

"Kirchheim bringt's"

Was der City Ring nun wieder aufbauen will, ist der Lieferservice „Kircheim bringt‘s“, der mit Elektrofahrzeugen unterwegs ist. So soll wenigstens ein Teil des Weihnachtsgeschäfts noch gerettet werden. Unberührt vom Lockdown bleiben die Adventsaktionen des City Rings: der digitale Adventskalender und das Weihnachtsrätsel. Beim Kalender sollen die Preise notfalls angepasst werden, sodass sie trotz Corona-Verordnung verliehen werden können. Und beim Rätsel wandern die Spruchstelen samt Nummern und Buchstaben ins Innere der Läden, bleiben aber weiterhin gut sichtbar.

Was dagegen nicht mehr funktioniert, ist der dezentrale Weihnachtsmarkt. Die meisten Buden sind bereits abgebaut. Das gilt auch für Stände, an denen Rote Wurst verkauft wird: „Wir wollen verhindern, dass sich da lange Schlangen bilden“, sagt Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader. Glühweinverkauf war ohnehin nicht vorgesehen im Corona-Jahr. Jetzt soll sogar ein generelles Alkoholverbot gelten: Außer dem Ausschank ist auch der Konsum untersagt. Wer Alkohol im Rucksack hat, sollte ihn getrost nach Hause tragen, um ihn erst dort zu öffnen und zu genießen.

Kein Grund für „Heiligen Morgen“

Wenn Läden geschlossen, Buden und Glühweinstände gar nicht erst im Angebot sind, gibt es eigentlich auch keinen Grund, am „Heiligen Morgen“ in die Stadt zu kommen, meint der Oberbürgermeister. Ein einziger Grund bleibt noch bestehen: der Wochenmarkt am 24. Dezember. Um auch diesen Termin zu entzerren, will die Stadt am Mittwoch, 23. Dezember, einen zusätzlichen Markttag anbieten. Was weiterhin geöffnet haben darf, ist der Lebensmittelhandel, sind Drogeriemärkte, Apotheken, Optiker, Tankstellen, Abhol- und Lieferdienste sowie Christbaumhändler. Bäume dürfen sogar die Baumärkte verkaufen, die ansons­ten geschlossen bleiben müssen.

Die Friseure sind jetzt ebenfalls vom Lockdown betroffen. Deswegen herrschte gestern dort noch Hochbetrieb. Heute wird es nicht viel anders aussehen: Letzte Gelegenheit zum professionellen Haareschneiden im Jahr 2020.

Wie es weitergeht, nach dem 10. Januar? „Man gibt die Hoffnung ja nicht auf“, sagt Karl-Michael Bantlin. Aber weil er auch da vorsichtig ist, fügt er hinzu: „Ich glaube nicht so recht daran, dass wir dann gleich wieder öffnen dürfen.“

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