Kirchheim

Das „Wir“ wird wieder größer geschrieben

Einschränkungen Gemeinderat wendet sich in Zeiten der Coronakrise mit einem offenen Brief an alle Kirchheimer.

Die leere Marktstraße zeigt es in Coronazeiten deutlich: Die Stadt Kirchheim befindet sich im Krisenmodus. Foto: Markus Brändli
Die leere Marktstraße zeigt es in Coronazeiten deutlich: Die Stadt Kirchheim befindet sich im Krisenmodus. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Das Kirchheimer Rathaus ist für die Öffentlichkeit geschlossen. In diesem Fall zählt sogar ausnahmsweise einmal der Gemeinderat zur Öffentlichkeit: Für eine ganz normale Sitzung wäre selbst der große Sitzungssaal zu klein, um die Abstandsregeln einzuhalten, die in Coronazeiten wegen der Ansteckungsgefahr gelten. Abgesagt sind deswegen alle Sitzungen, die noch im April hätten stattfinden sollen - ob es nun die Ortschaftsräte, die Ausschüsse oder den Gemeinderat betrifft.

Trotzdem sitzt der Gemeinderat jetzt nicht gänzlich untätig zuhause: Der erweiterte Ältestenrat, zu dem außer den fünf Fraktionsvorsitzenden auch noch zwei Vertreter der kleineren Gruppierungen Zugang hatten, hat virtuell getagt. Beschlossen wurde, Gebühren für die Kinderbetreuung im April nicht zu erheben, Miet- und Pachtzahlungen sowie Sondernutzungsgebühren für ein halbes Jahr zu stunden und durch die Taskforce „Wirtschaft“ Unternehmen zu unterstützen, die durch die Coronakrise unverschuldet in Not geraten sind. Vorgesehen ist auch eine zusätzliche Gemeinderatssitzung für den 20. Mai.

Außerdem wenden sich die Ratsmitglieder mit einem offenen Brief an alle Kirchheimer. Sie danken für die bislang bewiesene Geduld und bitten um Verständnis für die notwendigen Einschränkungen. Verständnis zeigt der Rat auch selbst - für die Nöte der Bürger: „Neben Sorgen um die Gesundheit und die Betreuung kommen durch Kurzarbeit und fehlende Einnahmen in vielen Fällen nun auch finanzielle Sorgen bis hin zu existenziellen Ängsten dazu.“

Zugleich wird im offenen Brief die Solidarität gelobt: „Unsere Nachbarschaftsnetzwerke leisten Großartiges, das ,Wir‘ wird wieder größer geschrieben. Wenn wir diese Hilfsbereitschaft und das Füreinander-Sorgen in die Zeit nach der Corona-Krise mitnehmen können, wäre das schön.“ Ähnliches gilt für die „Helden des Corona-Alltags“, die durch ihre Arbeit dazu beitragen, dass die medizinische und pflegerische Versorgung ebenso gewährleistet bleibt wie der Rettungsdienst oder die Lebensmittelversorgung. Hier schreibt der Gemeinderat: „Die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, auch für die nicht erwähnten Berufsgruppen gilt: Ihnen allen gebührt unser Respekt und Dank, verbunden mit der Hoffnung, dass ihre Arbeit auch in Nicht-Krisenzeiten so wertgeschätzt wird wie jetzt.“

Verantwortung für das Leben

Der Gemeinderat versichert, die kommunalen Entscheidungen „wachsam und konstruktiv kritisch, aber auch mit Vertrauen zu begleiten.“ Aktuell gehe es um die Frage, wann und wie die Einschränkungen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen wieder zurückgenommen werden können. Auch das Dilemma bringt der offene Brief auf den Punkt: „Bei der Lockerung geht es um nicht weniger als die Abwägung des Rechtsguts der persönlichen Freiheit mit dem Rechtsgut der Verantwortung für die Gesundheit der Menschen, mitunter sogar für das Leben.“ Der Gemeinderat beschäftige sich derzeit mit Fragen wie: „Wann dürfen Kinder wieder auf einen Spielplatz? Wann und unter welchen Bedingungen darf der Kirchheimer Einzelhandel seine Geschäfte wieder öffnen? Welche sozialen Kontakte können wieder gestattet werden, und wie kann die wertvolle Arbeit in Vereinen, Freizeit- und Bildungseinrichtungen in den nächsten Wochen und Monaten aussehen?“

Wichtig sei es dabei, eine neuerliche, unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu verhindern: „Auch wenn uns die aktuellen Zahlen vorsichtig optimistisch stimmen - wir bitten weiterhin um Geduld und um Vertrauen in die von den Behörden getroffenen Maßnahmen. Sie dienen zum Schutz von uns allen.“ Abschließend stellt der Gemeinderat fest: „Niemand muss eine Krise alleine durchstehen. Diesen Vorsatz möchten wir auch nach Corona weiterleben, zusammen mit Ihnen.“ Andreas Volz

In voller Länge ist der offene Brief nachzulesen unter kirchheim-teck.de. In der Rubrik „Stadt&Rathaus“ geht es über „Aktuelles“ zu den „Stadtnachrichten“ und von dort zum offenen Brief.

Anzeige