Kirchheim

„Das wird hier nicht passieren“

Wie steht es um den Brandschutz im Kirchheimer Hochhaus an der Aichelbergstraße? Kirchheims Stadtbrandmeister Roland Schultheiß erklärt, warum sich Bewohner dort sicher fühlen können.

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Herr Schultheiß, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Bilder aus London sahen?

Roland Schultheiß: Unvorstellbar. Wie sich ein solcher Brand innerhalb so kurzer Zeit in diesem Maß ausbreiten konnte, war für mich nicht nachvollziehbar. Ich hatte auf den ersten Blick keinerlei Erklärung dafür.

Was sagen Sie den Bewohnern im Kirchheimer Hochhaus, die diese Bilder ebenfalls gesehen haben?

Schultheiß: So etwas wird hier in Kirchheim nicht passieren.

Und weshalb?

Weil das Kirchheimer Hochhaus außen nicht gedämmt ist. Das ist ein reiner Betonbau. Ausschließen kann man einen Brand nie. Ein Wohnungsbrand ist immer möglich, der auch überschlagen kann, von einem Stockwerk auf das andere. Aber mehr darf nicht passieren. Für einen solchen Fall gibt es entsprechende Vorkehrungen.

Wie sehen die aus?

Es gibt ein Sicherheitstreppenhaus, das außerhalb des eigentlichen Gebäudes verläuft und durch einen Vorraum von den Stockwerken abgekoppelt ist. Dadurch kann es im Brandfall nicht verrauchen. Das ist Vorschrift. Zudem gibt es vom Keller bis in den obersten Stock eine sogenannte nasse Steigleitung mit einer Druckerhöhungsanlage. Das ist eine Wasserleitung, die ständig unter Druck steht und Wandhydranten mit Schläuchen auf jedem Stockwerk versorgt. Entnimmt jemand in einer oberen Etage Wasser, registriert das die Anlage und erhöht sofort den Druck. Das ist wichtig, weil wir pro zehn Metern Höhe einen Druckverlust von einem Bar haben.

Sind diese Wandhydranten nur für die Feuerwehr vorgesehen?

Sie können im Prinzip von jedem benutzt werden, der ein Feuer entdeckt. Aus Feuerwehrsicht empfehlen wir die Benutzung allerdings nicht. Als erste Regel im Brandfall sollte immer gelten, sich in Sicherheit zu bringen und die Feuerwehr zu verständigen. Das heißt, sofort rausgehen, Türen schließen, die umliegenden Bewohner verständigen und das Gebäude schnellstmöglich verlassen. Laien können nicht abschätzen, was passiert.

Was ist, wenn diese Wasserversorgung ausfällt?

Davon ist nicht auszugehen. Die Anlage sitzt im Keller und wird mit Notstrom versorgt, weil bei einem schweren Brand jederzeit mit Stromausfall gerechnet werden muss.Bernd Köble