Kirchheim

Dem eigenen Bauchgefühl trauen

Vortrag Bettina Wermter referierte zum Auftakt der Frauenkulturtage über Gewalt in Ehe und Partnerschaft.

Bettina Wermter
Bettina Wermter bei ihrem Vortrag. Foto: Gabriele Böhm

Kirchheim. „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, glauben und vertrauen Sie ihm!“, lautete die Botschaft von Bettina Wermter aus Frankfurt. Am Eröffnungstag der diesjährigen Frauenkulturtage sprach sie auf Einladung der Frauenliste Kirchheim-Teck in der VHS über die „Wahrheit der eigenen Gefühle“. Die Referentin stellte ihr Buch „Fremdbestimmt“ in den Mittelpunkt, in dem sie eigene Erfahrungen mit Gewalt in der Partnerschaft verarbeitete.

„Ich dachte, ich kenne ihn gut“, sagte Bettina Wermter über ihren Klassenkameraden, mit dem sie eine Liebesbeziehung begann. Doch nach einem anfänglichen Übermaß an Liebesbezeugungen des Partners habe sich das Blatt gewendet. „Ich wollte mich selbstständig machen“, erzählte die Referentin. Doch das schien ihrem Lebensgefährten nicht zu gefallen. „Immer, wenn ich einen wichtigen Termin hatte, schüttete er mir Kaffee über die Bluse oder die Autoschlüssel waren unauffindbar.“ Es begannen Verwirrspielchen, die sie glauben machen sollten, sie sei schusselig und würde den Schlüssel immer wieder verlegen. Eine systematische, perfide Demontage ihrer Persönlichkeit habe stattgefunden.

„Als ich begann, zu merken, was da passiert, wurde ich bedroht“, berichtete Bettina Wermter. Zwei Jahre habe sie sich nicht aus dem Haus getraut. Es sei extrem schwer gewesen, Hilfe zu bekommen. „Die Polizei machte sich lustig darüber, Freunde und Bekannte stellten sich auf die Seite meines doch so netten, charmanten Partners.“ Nur eine Freundin habe ihr beigestanden. „Da war auf einmal jemand, der mir glaubte.“ Auch der Frauennotruf sei mit der Thematik vertraut gewesen.

Zunächst alles schöngeredet

Neben der immer weiter zunehmenden Machtdemonstrationen des Partners nahmen dessen handfeste Betrugsdelikte zu. „Er betrieb Urkundenfälschung mit meinem Namen. Einmal sollte ich ein Auto anmieten, mit dem dann ein Unfall gefaked wurde.“ Plötzlich habe sie sich vor Gericht verantworten müssen. Der Partner habe „Rufmord par excellence“ betrieben und sie bei Ämtern und Arbeitgebern denunziert. Lange Zeit, so die Referentin, habe sie sich alles schöngeredet. Doch massive körperliche Beschwerden hätten sie gezwungen, hinzuschauen. „Ich erkannte: der Mann, neben dem du morgens aufwachst, ist dein Feind.“

Es sei ihr klar, sagte Bettina Wermter, dass das Thema psychische Gewalt in Familie und Beziehung sehr unpopulär sei. In 80 Prozent der Fälle seien Frauen betroffen. Sie würden oft aus Angst vor einer Trennung zurückschrecken. Zudem seien Frauen oft zum Aushalten und Unterordnen erzogen worden. Am Ende stünden oft die völlige Arbeitsunfähigkeit und eine sehr hohe Selbstmordrate. Europaweit sei jede dritte Frau von Gewalt in der Ehe betroffen.

Die Wurzeln, weshalb man sich so etwas gefallen ließe, lägen in der Kindheit. „Man schämt sich, vertraut sich selbst nicht, kriegt die Fakten nicht mehr klar und hält sich für schuldig.“ Um sich zu lösen, sei es wichtig, eigene Gefühle ernst zu nehmen und seinem Bauchgefühl zu vertrauen. Gabriele Böhm

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