Kirchheim

Dem Füllhorn folgt der Tritt auf die Euphoriebremse

Analyse Finanzbürgermeister und Stadtkämmerer nehmen den Haushaltsplan für 2019 genauer unter die Lupe.

Kirchheim. Ihre Begeisterung über einen Haushaltsplan, den das Füllhorn mit allen seinen Gaben überschüttet hat, können die Finanzverantwortlichen der Stadt Kirchheim kaum verbergen. Trotzdem werden sie ihrer Verantwortung gerecht - und treten gewaltig auf die Euphoriebremse. Das galt schon für die Haushaltsrede der Oberbürgermeisterin im Gemeinderat, noch mehr aber für die Analysen von Finanzbürgermeister Stefan Wörner und Kirchheims neuem Kämmerer Fabian Kaiser. Vor allem gehe es darum, sich in guten Zeiten bereits gegen die kommenden Krisen zu wappnen.

„Mit einem Zahlungsmittelüberschuss von 16 Millionen Euro kann man die finanzielle Lage als hervorragend betrachten.“ Mit solchen Worten tun sich Bürgermeister und Kämmerer normalerweise schwer, denn zu ihrem finanzpolitischen Handwerk gehört nicht das Klappern, sondern das Jammern. Deshalb braucht Stefan Wörner auch nicht lange für seinen ersten „Dämpfer“: Er wolle nicht schwarzmalen, aber zu jeder Planaufstellung in Hochkonjunkturphasen gehöre die Frage: „Wie lange geht das noch so weiter?“

Beispiel Personalaufwendungen: Schon allein durch neue Tarifabschlüsse steigen die Kosten Jahr für Jahr. 2019 liegen sie bei 32,6 Millionen Euro. Und das sollte auch so weitergehen, will eine Stadt wie Kirchheim „im Kampf um Arbeitskräfte bestehen“. Letzteres ist ja immer die Kehrseite der Boomphasen - auch ohne demografischen Wandel: Die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz bei der Kommune ist da weniger verlockend als die Aussicht auf hohe Gehälter in der freien Wirtschaft.

Definitiv aber sind bei den städtischen Personalkosten keine Kurven zu erwarten, sondern stetig steigende Linien. Das sieht beim ordentlichen Ergebnis ganz anders aus: Über die Jahre hinweg zeigen sich hier ziemliche Zickzack-Linien - bedingt auch durch kaum vorhersehbare Einmaleffekte bei der Gewerbesteuer. Da kann es sowohl hohe Nachzahlungen als auch hohe Rückzahlungen geben.

Eine weitere Medaille mit Kehrseite, auf die Kämmerer Fabian Kaiser verwies, ist die Entwicklung der Ausgaben, die der Entwicklung der Einnahmen kaum nachsteht. Das führt zu Folgeproblemen: „Bei den Abschreibungen ist aufgrund der großen Investitionstätigkeit eine steigende Tendenz abzulesen.“

Eine völlig neue Tendenz im Kirchheimer Haushalt zeigt dagegen die Entwicklung des Schuldenstands: Die Stadt dürfte Ende 2019 im Kernhaushalt „faktisch schuldenfrei“ sein. Die Frage ist nur, ob sich die komplette Schuldentilgung auch rechnerisch lohnt - falls dafür zusätzliche Zinsen oder Gebühren anfallen sollten. Dennoch sind für die Jahre 2021 und 2022 neue Kreditaufnahmen vorgesehen. Auch hier ist also kein langfristiges Zurücklehnen möglich. Immerhin fährt die Stadtverwaltung auf Sicht und legt für 2021 auch gleich eine Rückstellung in Höhe von 7,8 Millionen an - für den Finanzausgleich. Auch das hat mit Augenmaß und Verantwortung zu tun. Andreas Volz

2019: Eckdaten zum Kirchheimer Haushalt

Erträge Ergebnishaushalt: 123,8 Mio. Euro Aufwendungen Ergebnishaushalt: 121,8 Mio. Euro Ordentliches Ergebnis: plus 2 Mio. Euro Finanzausgleichs-Rückstellung für 2021: 7,8 Mio. Euro Investive Auszahlungen Finanzhaushalt: 20,7 Mio. Euro Zahlungsmittelüberschuss aus laufender Verwaltungstätigkeit: 16,1 Mio. Euro Liquidität Ende 2019: 25,3 Mio. Euro Kreditaufnahmen für 2019 und 2020: keine vol

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