Kirchheim

Dem Original verpflichtet

Konzert Das Concerto Imperiale hat sich der historischen Spielpraxis verschrieben. Das oberste Ziel: Authentizität.

Symbolbild

Kirchheim. Im fünften Abonnementskonzert des Vhs-Kulturrings Kirchheim ließen sich die Zuhörer auf ein musikalisches Experiment ein: Das Concerto Imperiale hat sich der „Historischen Aufführungspraxis“ verschrieben, deren oberstes Ziel die Authentizität ist: die möglichst genaue Rekonstruktion das Originalklangs und der Originalspielweise alter Musik. Das Ensemble bietet dafür beste Bedingungen. Ihr Leiter, Bernhard Moosbauer, ist ein ausgewiesener und erfahrener Kenner der Materie, seine Mitstreiter sind alle Insider, die auf Originalinstrumenten oder Nachbildungen musizieren. Außerdem versprach das wohldurchdachte Programm einen „runden“ Konzertgenuss. Zwei Werke der Großmeister Händel und Bach rahmten drei Werke von Georg Philipp Telemann ein, dessen Todestag sich dieses Jahr zum 250. Mal jährt. Zwei Suiten im französischen Stil luden zu reizvollem Vergleich ein: Bei Bachs berühmter „Ouvertüre in C-Dur“ BWV 1066 fand das Concerto Imperiale immer mehr zu klaren Linien in den langsamen Teilen und zu fließender Bewegung in den Tänzen.

Die Ausführenden agierten gestisch auffallend zurückhaltend, was sich angesichts der fröhlichen Tanzrhythmen merkwürdig ausnahm. Die Balance zwischen den Gruppen und die Tempi waren gut getroffen. Unüberhörbare Intonationstrübungen im hohen Register der Oboe waren wohl der alten Mensur des Instruments geschuldet, was bewies, dass Authentizität nicht mit Perfektion verwechselt werden darf. Die andere Suite, Ouvertüre in C-Dur „Wassermusik - Hamburger Ebb‘ und Flut“, entstand zur Jubiläumsfeier der Hamburger Admiralität.

Ein guter Unterhalter

Der Städtische Musikdirektor Telemann nutzte die Gelegenheit, sich den Honoratioren als Könner und guter Unterhalter zu präsentieren. Er unterlegte einige Sätze effektvoll mit Anspielungen auf antike Figuren, die die vorwiegend schlichte Musik aber nicht unbedingt interessanter machten. Pfeffer brachten vor allem die tiefen Streicher und die Bläser, vor allem die engagiert musizierende Fagottistin hinein. Gefallen fanden damals natürlich wie heute die tonmalenden Sätze, in denen Wasser und Wind zu hören waren. Im zweiten Werk von Telemann, dem Konzert für Blockflöte, Streicher und B.c. in C-Dur, nutzte die Solistin Sally Turner den Raum, den die sensibel begleitenden Streicher eröffneten. Stupende Finger- und Artikulationstechnik in den schnellen Sätzen und ein überzeugendes Cantabile ließen aufhorchen. Aber auch hier waren Intonationstrübungen nicht zu überhören.

Im dritten Werk von Telemann, der „Sonate für Streicher in A-Dur“, schaffte es das Ensemble, mit Leidenschaft zu musizieren und den Eindruck musealer Zurückhaltung zu vermeiden. Ähnlich farbig und lebendig geriet das „Concerto grosso B-Dur/g-Moll Opus 3/1“ von Georg Friedrich Händel. Hier kamen zahlreiche Instrumentalisten solistisch zum Zug.

Der feine, schlanke Klang der Solovioline füllte allerdings den großen, modernen Konzertsaal weniger gut als der vollere Klang anderer Soloinstrumente. An manchen heiklen Stellen, in denen es um die Synchronisation der Instrumente ging, hatte man das Gefühl, dass ein Dirigent doch gute Dienste geleistet hätte. Das Ganze in den Blick nehmend, muss man Bernhard Moosbauer zustimmen, dass die „Historische Spielpraxis“ eine ernst zu nehmende Alternative ist, wenn auch damals wie heute ebenso wichtig ist, mit spontanem, lebendigem Spiel die Herzen der Zuhörer zu gewinnen. Ulrich Kernen

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