Kirchheim

„Der 1. Mai ist unser Tag“

Feiertag Ihren Interessen Nachdruck verliehen haben die Gewerkschaften bei der Kundgebung zum Tag der Arbeit vor dem Kirchheimer Rathaus. Dabei ging es um die Rechte der Arbeiter und Gerechtigkeit. Von Iris Häfner

Die Farbe rot dominierte bei der 1. Mai-Kundgebung in Kirchheim.Fotos: Carsten Riedl
Die Farbe rot dominierte bei der 1. Mai-Kundgebung in Kirchheim.Fotos: Carsten Riedl

Das war ein Wetter ganz nach dem Sinn der Gewerkschaften: strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Kein Grund also für die Werktätigen, zu Hause auf dem Sofa rumzulümmeln und den Tag der Arbeit zu verschlafen. Dem Aufruf, zur 1. Mai-Kundgebung zu kommen, ist in Kirchheim eine wackere Anzahl von Menschen gefolgt, die friedlich ihrem Ansinnen nach fairen Arbeitsbedingungen Nachdruck verliehen haben.

Man musste nur dem Ruf der Trommel folgen, um am richtigen Ort anzukommen. Vor dem Rathaus sorgte die internationale Gruppe „Linde’s groove“ vom Mehrgenerationenhaus Linde mit ihren Rhythmen für gute Stimmung.

Eine beherzte Rede hielt Eylem Aslan-Bilir vom Volkshaus Kirchheim. „Wir wollen eine gerechte Welt ohne Ausbeutung. Die Rechte sind nicht gottgegeben“, sagte sie und erinnerte an die Millionen von Menschen, die bis heute für eben jene Rechte der Arbeiter kämpfen, damit die einen gerechten Lohn erhalten sowie faire und nicht gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen vorfinden. Dazu zählt für sie auch ein annehmbares Auskommen im Rentenalter, ebenso angemessene Löhne für Angestellte in sozialen Berufen wie Altenpfleger oder Erzieherinnen. „Diese Rechte werden systematisch ausgehöhlt. Von einer gesicherten Rente kann man nicht mehr sprechen“, prangerte sie an. Die Zeit sei reif, um Verantwortung für sich, die Umwelt und die Menschen zu übernehmen. Einem politischen Rechtsruck sowie Faschismus, egal in welchem Land, erteilte sie eine klare Absage. „Der 1.  Mai ist unser Tag. Er ist rot - und er bleibt auch rot“, rief sie ihren Zuhörern zu.

Der Tag der Arbeit ist auch für Peter Schadt, Regionssekretär für den Bereich Esslingen/Göppingen, kein überflüssiger Feiertag. „Wir kämpfen für das, was uns zusteht“, sagte er. Özge Aygün, Gewerkschaftssekretärin „ver.di Fils-Neckar-Alb“, schloss sich dieser Aussage nahtlos an. „Der Tag gehört uns“, erklärte sie. Die deutlich erhöhte Arbeitsbelastung muss aus ihrer Sicht rückgängig gemacht werden. Wer länger arbeitet und Überstunden anhäuft, sei psychisch und physisch belastet. Einer Verlängerung der Arbeitszeit erteilte sie deshalb eine klare Absage. „Schon vor 100 Jahren wurde für den Acht-Stunden-Tag gekämpft“, so die Gewerkschaftssekretärin. Den großen Internetkonzernen müssen aus ihrer Sicht Grenzen gesetzt werden. Vor allem aber müssten sie Steuern zahlen, wie der kleine Bäcker von nebenan.

Ein Grußwort vor dem Rathaus sprach Hans Dörr vom „Kirchheimer Forum 2030“. Das Motto des Tages „Europa. Jetzt aber richtig!“, bedeutet für ihn auch eine kritische Zivilgesellschaft. „Alle sollen gut arbeiten und leben können - ohne Ausbeutung“, sagte er. Dazu zähle auch, dass keine Menschen mehr im Mittelmeer ertrinken. Ein radikaler Politikwechsel ist seiner Ansicht nach unumgänglich: „Egal, ob in den Bereichen Agrar, Verkehr oder Energie - dann können die Jugendlichen freitags wieder beruhigt in die Schule gehen.“

Sie hielt eine leidenschaftliche Rede: Eylem Aslan-Bilir.
Sie hielt eine leidenschaftliche Rede: Eylem Aslan-Bilir.
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