Kirchheim

Der 18. Mai wird zum Tag der Biergärten

Lockerungen Baden-Württemberg will in zehn Tagen wieder alle Speisegaststätten öffnen lassen – innen und außen. Die Hygiene-Auflagen, die damit verbunden sind, stehen allerdings noch nicht fest. Von Andreas Volz

Demonstration der Gastronomen in Plochingen: Gemeinsam appellierte die Meistervereinigung gestern an die Politik - unter Einhalt
Demonstration der Gastronomen in Plochingen: Gemeinsam appellierte die Meistervereinigung gestern an die Politik - unter Einhaltung der Abstandsregeln -, Hotels und Gaststätten nicht im Regen stehen zu lassen. Foto: Roberto Bulgrin

Mit deutlicher Verspätung startet die Gastronomie in die Freiluftsaison: Wochenlang war Kirchheims Innenstadt in den lauesten Abendstunden völlig verwaist - obwohl unter normalen Umständen kaum ein Platz an einem der zahllosen Biertische frei gewesen wäre. Corona ist eben nicht nur eine Biersorte.

Nach Läden und Schulen sollen jetzt also die Gaststätten wieder öffnen können. Das magische Datum, an dem sich die Fata Morgana eines Biergartens, der schemenhaft mit Gästen besetzt zu sein scheint, als tatsächliche Oase erweist, ist Montag, der 18. Mai. In ganz Baden-Württemberg kann dann jeder wieder vom wichtigsten aller bürgerlichen Freiheitsrechte Gebrauch machen und sich wie der Münchner im Himmel fühlen, der endlich wieder auf Erden weilt.

Verwirrung stiftet der Termin gleichwohl - weil gestern auch noch alle möglichen anderen Daten kursierten. Aber die Pressemitteilung aus dem baden-würt­tembergischen Justizministerium ist über jeden Zweifel erhaben. Schwarz auf Weiß steht da, dass für Wirte wie Gäste Weihnachten und Ostern auf den 18. Mai fallen. In zehn Tagen ist einfach alles wieder offen: Die Speisegastronomie erhält „im Außen- und Innenbereich die Möglichkeit, wieder schrittweise öffnen zu können“. Am 29. Mai folgt „eine mögliche Öffnung von Hotels und Beherbergungsbetrieben sowie Freizeitparks für den Tourismus“.

Der guten Nachricht des fast sicheren Termins folgt - wie so oft - die Frage, wie die Öffnungen eigentlich konkret aussehen sollen. Das Ministerium schreibt von strengen Auflagen, „die insbesondere die Einschränkung von Öffnungszeiten, die Ausarbeitung von Hygiene-Konzepten durch die Betriebe, die Begrenzung von Gästezahlen und das Sicherstellen von Abstandsregeln umfassen“.

Letzteres soll durch separate Ein- und Ausgänge oder gar durch eine Reservierungspflicht sichergestellt werden. Gerade das Reservieren wäre so ziemlich das Gegenteil vom gemütlichen Biergartenbesuch, zu dem der Gast ja häufig spontan neigt - je nach Lage des Wetters und der Tagesfreizeit.

Die Auflagen, die noch nicht einmal feststehen, trübten ges­tern die Freude der Gastronomen. Matthias Kübler, Inhaber und Geschäftsführer von Hotel Fuchsen und Küblers Restaurant, sagte: „Wir müssen die Auflagen kennen und dann auch Schulungen machen, bevor wir öffnen.“

50 Prozent Auslastung reicht nicht

Eine der Auflagen, die im Gespräch sind, besagt, dass nur 50 Prozent der Plätze besetzt sein dürfen. „Damit machen wir aber nicht automatisch auch 50 Prozent unseres Umsatzes. Mit 15 oder 20 Prozent überlebt man nicht allzu lange. Das ist ein Sterben auf Raten.“ Als Vorstandsmitglied der Meis­tervereinigung Gastronom Baden-Württemberg war Matthias Kübler gestern in Plochingen, um gemeinsam mit 200 bis 300 Kollegen an die Politik zu appellieren, dass sie der Gastronomie unter die Arme greift: „Deutschlandweit sind rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer von unserer Branche abhängig. Da kommt man mit 330 Millionen Euro aus einem Rettungsschirm nicht weit.“ Was ihm ebenfalls fehlt, ist eine Definition des Begriffs „Großveranstaltung“: „Wir leben von Familienfesten wie Hochzeiten oder Geburtstagen. Täglich rufen Leute an und fragen nach Terminen. Wir können aber nichts dazu sagen. Auch da brauchen wir Planungssicherheit.“

Um den Umsatz-Ausfall seit Anfang März kompensieren zu können, fordern Kirchheimer Gastronomen unter der Federführung von Michael Holz jetzt von der Stadt, die Sondernutzungsgebühren für Außenflächen im Jahr 2020 komplett aufzuheben und zusätzlich die Außenflächen für die Gastronomie im restlichen Jahr zu erweitern. Er selbst plant, vor der „Eisdiele“ des Stadtkinos Speisen anzubieten, die im 3K zubereitet werden. Dort will er ebenfalls verstärkt die Außenflächen nutzen.

Zur möglichen 50-prozentigen Auslastung hat Michael Holz eine klare Meinung: „Eine Teilöffnung kann schädlicher sein als die Schließung. Schließlich bleiben unsere Fixkosten bei 100 Prozent. Ich kann ja meine Stromrechnung und meine Stundenlöhne nicht einfach halbieren.“

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