Kirchheim

Der Ball rollt – auch in der Firma

So mancher kann nur bei der Arbeit die Europameisterschaft am Bildschirm verfolgen

Die Anpfiffzeiten der EM sind durchaus arbeitnehmerfreundlich. Wer jedoch Spätschicht hat, muss auf großzügige Chefs hoffen. Etwa heute, beim zweiten Deutschland-Spiel.

Public Viewing kann eine tolle Sache sein. Doch nicht jeder hat Zeit dafür, denn die Arbeit geht meist vor.Archiv-Foto: Jean-Luc
Public Viewing kann eine tolle Sache sein. Doch nicht jeder hat Zeit dafür, denn die Arbeit geht meist vor.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Bei der Polizei geht‘s oft rund, auch ohne dass der Ball rollt. Kein Wunder also, dass im Kirchheimer Revier Fußballschauen eigentlich kein Thema ist. Im Gegenteil: Bei so mancher spannenden Partie wird der Dienst sogar verstärkt. Zum Beispiel wenn Deutschland, Italien oder die Türkei spielen. Daniel Straub, Stellvertreter des Revierleiters in Kirchheim, seufzt: „Klar interessiert uns Fußball, und wir würden ja gerne auch mehr Spiele schauen, aber gerade in dieser Zeit sind wir nun mal auf der Straße gefragt.“

Wohl dem also, den der Schichtbetrieb rund um die Uhr nichts angeht. Ulrike Kaufmann, Personalleiterin bei Apparatebau Kirchheim, kann sich freuen, dass die Fußballpartien überwiegend außerhalb der Arbeitszeit angepfiffen werden. „So tangiert uns die EM kaum, wer will, kann in seiner Freizeit schauen.“

Notfälle kennen keinen EM-Terminkalender, und wenn‘s um Leben und Tod geht, sind Schweinsteigers Tore und Boatengs Abwehrmanöver schlichtweg unwichtig: „Die Rettung der in Not geratenen Menschen hat Vorrang“, erklärt dazu eindeutig Kim Schietinger vom Deutschen Roten Kreuz. Auch in der Leitstelle Nürtingen sind daher keine gemeinsamen Aktivitäten geplant. „Wir schauen nicht fern in den DRK-Gebäuden.“

Anders sieht das aus bei Firmen, die dem Sport an sich nahestehen. So verrät zum Beispiel Britta Herrmann, Marketing- und PR-Leiterin bei Leki, dass die Belegschaft gemeinsam für Deutschland die Daumen drückt, wenn das Team die Finalrunden erreicht. „Bei der Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea haben wir wegen der Zeitverschiebung einige Spiele in der Firma geschaut“, erzählt sie. Auch für die aktuelle EM ist das Sitzungszimmer schon umgerüstet: Ein Fernseher steht bereit.

Supermärkte garantieren die Grundversorgung längst auch zu später Stunde. Bei Rewe in Kirchheim braucht der Marktleiter dieser Tage planerisches Feingefühl, denn einkaufen ist hier bis 24 Uhr möglich. Pressereferentin Susanne Amann erklärt, dass es für die Rewe-Filialen keine allgemeine Regelung während der EM-Zeit gibt. Die Fußballfans unter den Mitarbeitern können aber vorab bei der Personaleinsatzplanung Wünsche äußern.

Im Kreiskrankenhaus Kirchheim ist Fußball Glücksache. Wer Bereitschaftsdienst hat, darf die Spiele im Personalraum anschauen – sofern es die Arbeit zulässt. „Public Viewing ist zwar nicht geplant“, sagt die Öffentlichkeitsbeauftragte Renate Wahl, „aber die Ärzte in der Psychiatrie werden die Europameisterschaft gemeinsam mit den Patienten verfolgen.“ Bei Tageszeitungen ticken die Uhren anders: Speziell im Druckbereich geht die Arbeit gegen Mitternacht erst richtig los. Beim Teckboten können die Schichtarbeiter der Druckerei die Teams am Bildschirm anfeuern – außerhalb ihrer offiziellen Arbeitszeit. Wer für den Druck zuständig ist, kann vorarbeiten, wie Bruno Panni, Technischer Leiter bei GO Druck Media, verrät: „Nach dem Spiel geht‘s weiter.“

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