Kirchheim

Der Blick in andere Töpfe lohnt sich

Begegnung Gemeinsam kochen und sich austauschen – das geht beim Deutsch-Türkischen Frauentreff.

Kirchheim. Der Duft von Bärlauch, Zwiebeln, Bohnen und Butter zieht durch die Flure des Vogthauses und macht Appetit auf mehr. Der Duft wird intensiver, je näher man der Küche kommt. Es mischen sich Gelächter und Stimmen unter das Klappern der Töpfe. Alles zusammen führt in die Küche im zweiten Obergeschoss. Dort tummeln sich Frauen um den Herd, schneiden frische Kräuter und formen Kugeln aus Teig.

Es ist der Deutsch-Türkische Frauentreff, der sich hier eingefunden hat. Zweimal im Jahr kommen Frauen aus Kirchheim und Umgebung zusammen, um gemeinsam zu kochen und zu essen. „Wir tauschen Rezepte aus, vermitteln Nachhilfe für die Kinder, empfehlen uns Handwerker, geben Einkaufstipps und verteilen Gewürze aus dem Garten“, sagt Organisatorin Susanne Knauer. Sie kümmert sich mit Renate Hirsch, Nuriye Aydogdu und Sevin Ümit um die Planung der Abende.

Bei jedem Treffen, egal ob in der Familien-Bildungsstätte (FBS) oder der Sultan Ahmet Moschee in der Lohmühlegasse, kochen die Frauen deutsche und türkische Gerichte. Dieses Mal gibt es aufgezogene Dampfnudeln, süße Rohrnudeln mit Vanillesoße und Apfelmus, Kohlrabisuppe, Bärlauch-Crêpes mit Möhrengemüse, Walnussbrötchen sowie türkischen Reis, Engelshaar mit Milchcremefüllung, Bohneneintopf, Salat und Fladenbrot, genannt Bazlama. Natürlich darf echter türkischer Tee nicht fehlen. Für die Zusammenstellung der Rezepte sind Nuriye Aydogdu und Dagmar Köber zuständig. Dagmar Köber gibt Kochkurse an der FBS und freut sich über die Deutsch-Türkischen Abende: „Wir lernen so viel voneinander.“

Die deutschen Frauen sind besonders fasziniert von der Technik des Teigausrollens. Mit geschickten Bewegungen und dem sogenannten „Oklava“, einem dünnen Holzstab, werden Kugeln zu Fladen geformt. So kommen sie auf das „Saç“, eine leicht nach außen gewölbte Metallplatte. Sind die Bazlama fertig gebacken, werden sie mit Butter eingerieben und gestapelt. „Für türkische Verhältnisse ist das wenig“, sagen die Frauen lachend. Ihre deutschen Kochpartnerinnen haben es schwer, sind sie doch das klassische Wellholz gewohnt. „Wenn die einzelnen Kochstationen gemischt sind, kann jede Köchin der anderen etwas beibringen“, sagt Dagmar Köber. Das ist das Ziel der Treffen.

Die Frauen sollen hier nicht das Kochen lernen, sondern neue Bekanntschaften knüpfen. Sevim Ümit weiß das: „Die Sprache steht an zweiter Stelle, das Essen verbindet uns.“ Auch wenn sich die Frauen mit Händen und Füßen verständigen müssen: Sie durchbrechen Schranken. Für Monika Maier-Bachmann ist das eine Chance, türkische Frauen auf ungezwungene Art kennenzulernen. Sie ist das zweite Mal dabei und hat vor, auch in Zukunft zu kommen.

Im Laufe des Abends treffen immer mehr Leute ein. Manche sind schon länger dabei, andere möchten einmal in andere Kulturen hi­neinschnuppern. Viele bringen ihre Kinder mit. In der Küche wird es immer lebendiger. Man unterhält sich über Kniffe der jeweiligen Kochkunst und trinkt Tee. Schließlich lässt das lebhafte Treiben nach, die Speisen sind fertig. Stolz sitzen alle vor ihren gefüllten Tellern. Viele sind sich einig: „Ich komme wieder.“ Sabrina Kreuzer

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