Kirchheim

Der Blues als E-Musik

Konzert Der Gitarrist Dennis Jones und seine Band rocken zwei Stunden lang die Bastion.

Kirchheim. Mit 13 Jahren bekam Dennis Jones seine erste Gitarre, übte fortan jeden Tag, mit 16 spielte er in seiner ersten Band. Mit 18 kam er für einige Jahre nach Deutschland, als amerikanischer Soldat, nebenbei spielte er in Bands. Auf seine jetzige Europatournee startete Jones mit seiner Zwei-Mann-Weltklasse-Band, bestehend aus Wyzard am Bass und Gary (G-Man) Sullivan am Schlagzeug. Wyzard gehörte zu Mothers Finest, spielte mit The Who, Aerosmith und Santana, Sullivan war schon mit Tina Turner und vielen anderen Stars auf Tour.

Das erste Stück, „Slam Jam“, stammt von der CD „Passion For The Blues“, einer von fünf hoch gelobten Studio-CDs mit Eigenkompositionen, die Jones inzwischen eingespielt hat. Beim Konzert waren Stücke von allen fünf Einspielungen vertreten. Einerseits sorgten die drei Musiker – Jones auch als Sänger – für einen Schalldruck, der die Empore vibrieren ließ, andererseits tänzelte Jones ganz zart auf seinen Saiten bis hinauf zur wirklich allerletzten Lage und lieferte sich hin und wieder anregende musikalische Dialoge mit dem Bassisten.

Der zweifelhafte Versuch, zwanghaft zwischen ernster E- und unterhaltender U-Musik zu unterscheiden, ist zum Glück sanft entschlafen. Eine andere Übersetzung für das „E“ und „U“ wäre vielleicht passender, sie hängt überwiegend von den Zuhörern ab: Wird diese Art Musik eher ernsthaft oder unaufmerksam nebenher konsumiert? In diesem Sinn war der Weihnachtsblues in der Bastion E-Musik. Die Zuhörer lauschten bei hohem Schalldruck mit ungeteilter Aufmerksamkeit, ihre Konzentration stand der Oper oder einer zeitgenössischen Darbietung in nichts nach. Aufmerksame Blicke, kein Getratsche und Geklapper, die vielfachen rhythmischen Bewegungen aller möglichen Körperteile waren ebenfalls nur sichtbar. Wobei sich der Blues in der Bastion sowohl zwei Stunden auf der Stelle wippend genießen ließ, als auch andächtig sitzend, jeder tat es ganz nach seinem Geschmack.

Nach knapp 20 Songs kündigte Jones zum Abschluss mit „Super Deluxe“ nochmals ein Liebeslied an. Obwohl Jones darin das Ende der „Super-deluxe-Zeit“ besang, war das Konzert noch nicht ganz vorbei. In der Zugabe „Going Down“ zeigten die drei Musiker dann nochmals, was sie so alles drauf haben.

Das Blatt mit der Liedabfolge zu den Füßen von Jones befand sich ganz schnell im Besitz eines Fans. Gerne gab ihm ein lachender Wyzard am Ausgang noch ein Autogramm darauf – für ein exquisites Souvenir von einem ganz besonderen Abend. Peter Dietrich

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