Kirchheim

„Der Garten ist mein Idyll“

Irmi Euen wird heute 90 Jahre alt und lebt gerne mit ihren schönen Erinnerungen

Irmi Euen liebt ihre Rosen im eigenen Garten. Foto: Thomas Krytzner
Irmi Euen liebt ihre Rosen im eigenen Garten. Foto: Thomas Krytzner

Kirchheim. „Mein Vorname ist Irmtraud, aber alle nennen mich Irmi.“ Die Kirchheimerin Irmi Euen feiert heute ihren 90. Geburtstag und freut sich täglich über ihren Garten und

die vielen Rosen in mehreren Farben. „Und die Vögel beobachtet sie auch immer“, pflichtet ihr Sohn Jörg Euen bei. Die Jubilarin sitzt in ihrem Sessel, ein mildes Lächeln auf den Lippen und verrät, dass ihr verstorbener Ehemann sie immer durchs Leben getragen habe. „Er war ein großartiger und liebevoller Mann“, sagt sie stolz und fährt fort: „Jürgen war meine große Liebe.“

Geboren wurde die ehemalige Westfälin in Herford. Dort wuchs Irmi Euen auch auf. Nach einer schweren Kieferoperation kam sie nach Oberstdorf zur Kur. Vielleicht hat das Schicksal mitgespielt, als zwei Freundinnen mit ihr auf dem „Heilbronner Weg“ wanderten: An der Kemptner Hütte begegnete sie ihrem späteren Lebensgefährten. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt die 90-Jährige. Nie wieder trennten sich die beiden. 47 Jahre waren Irmi und Jürgen Euen verheiratet, und sie machte sich immer Sorgen, dass sie vor ihrem Mann sterben würde. „Er hätte sich ja nicht mal was kochen können. Für ihn zählte nur der damals noch florierende Wollhandel.“

Den Zweiten Weltkrieg hat sie sehr bewusst erlebt. Vor allem die Ankunft der Engländer konnte sie nie vergessen. Sie beschlagnahmten alles, die Häuser, die Möbel. Es sei nur Zeit geblieben, Handgepäck zu packen und dann hieß es sofort raus aus den eigenen vier Wänden. „Die ganzen Möbel wurden verbrannt, und das Klavier wurde im Garten als Zielscheibe benutzt.“ Auch der Anblick des zerstörten Berlins bewegte die junge Frau tief.

Irmi Euen studierte Zahnmedizin und entschied sich dann für die Familie. Die beiden Söhne Jörg und Carsten sowie Tochter Dagmar bereicherten das Familienleben. Sohn Carsten starb jedoch im ersten Lebensjahr am plötzlichen Kindstod. „Jörg kümmert sich auch heute noch rührend um mich“, verrät sie stolz, „ich fühle mich beschützt.“ Sie habe sich in Kirchheim sofort heimisch gefühlt. Den Garten, sagt sie stolz, hat sie selber geplant und angelegt: „Das ist mein Idyll.“ Wenn es ihr mal nicht so gut geht, beschäftigt sie sich mit ihren Pflanzen und dann kommt die gute Laune wieder. Irmi Euen hat ein klares Ziel: So lange leben, bis ihr Sohn Jörg in Rente ist. Ihr Blick schweift in den Garten – und sie lächelt milde.

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