Kirchheim

Der Gegenbesuch Im Kirchheimer Rathaus ist ausgemachte Sache

Inklusion Bei seinem Besuch im „PauLe“, dem Zentrum für Familie und Selbsthilfe der Lebenshilfe Kirchheim, ließ sich Oberbügermeister Bader bereitwillig von Menschen mit Behinderung ausfragen. Von Karin Ait Atmane

Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader nahm sich viel Zeit, hier im Gespräch mit Sabine Grandl und Aron Mosescu. Foto: Karin Ait Atmane

Als die Lebenshilfe Kirchheim im vergangenen Jahr bei Oberbürgemeister Dr. Pascal Bader wegen einer Schirmherrschaft für das „PauLe“, das dem Zentrum für Familie und Selbsthilfe, anfragte, sagte er spontan zu. Jetzt war der Rathauschef eingeladen, bei einem Besuch die Angebote des Zentrums kennenzulernen. Hier werden Menschen mit Behinderung und ihre Familien unterstützt. Auch die Selbstvertretung ist eine wichtige Säule, und so waren neben den beiden Vorstandsvorsitzenden der Lebenshilfe einige Menschen mit Behinderung als Gesprächspartner vor Ort.

Bader dürfte an diesem Tag ein paar Fans dazugewonnen haben: weil er genau zuhörte, nachfragte und freimütig antwortete. Markus Grözinger berichtete, wie bei einem Wahlseminar im vergangenen Sommer die Parteiprogramme besprochen wurden, in leichter Sprache – was sich auch mancher nicht-behinderte Mensch wünschen würde. Anita Erdmann erklärte, dass sie demnächst einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Menschen mit Handicap besuchen werde: „Da kann man gucken, wie man helfen kann, wenn irgendwas passiert.“ Und Nico Schwend erzählte begeistert davon, wie die Lebenshilfe durch die 72-Stunden-Aktion des BDKJ zu einem Gartenhäuschen kam: „Es war wunderbar.“ Der inklusive „Chor ohne Barrieren“ wurde ebenfalls vorgestellt.

Selbstvertretung und Bildungsangebote, bei denen „alltägliche, wichtige Themen niveaugerecht in einfacher Sprache vermittelt werden“, so fasste Sabine Grandl vom „PauLe“-Team das Angebot für Erwachsene zusammen. Ein anderer Teil der Arbeit im PauLe ist die Entlastung von Familien, die von Behinderung betroffen sind. Dazu gehört die Beratung, die oft schon vor der Geburt eines Kindes beginnt.

Aber auch ganz Alltägliches wie eine inklusive Krabbelgruppe oder die Samstagsbetreuung für Kinder mit Behinderung und ihre Geschwister sind für diese Familien enorm wichtig. Was es bedeutet, als Mutter eines Kindes mit Behinderung in einer „normalen“ Krabbelgruppe zuzugehören, wie die anderen die Fortschritte ihrer Kleinen vergleichen, das konnten die Vorsitzende Bärbel Kehl-Maurer und ihre Stellvertreterin Irmgard Schwend aus eigener Erfahrung berichten.

Im zweiten Teil des Gesprächs stellten die Menschen mit Behinderung souverän, ihre Fragen. Angefangen von der nach der Lieblingsfarbe von Pascal Bader, die Aron Mosescu dank der Hinweise des OB prompt erriet, bis hin zur Frage:. Und was macht eigentlich ein Oberbürgermeister? Da musste der Gefragte kurz nachdenken: Er bereite Themen vor, über die der Gemeinderat später entscheiden muss – zum Beispiel in Sachen Kinderbetreuung, Schulen, Straßenbau oder städtische Ämter, fasste er zusammen. Seine Gesprächspartner hakten mit konkreten Anliegen nach, beispielsweise für die Bushaltestelle am Kruichling: „Könnte man da nicht ein Bänkle hinstellen und die Haltestelle überdachen?“ Tatsächlich hat die Stadt das nach und nach mit allen Haltestellen vor, berichtete der OB, der anregen möchte, dass es an der angesprochenen Station etwas schneller geht. Die Frage, was die Stadt für Menschen mit Behinderung tun könne, beantwortete er mit dem Hinweis auf den Inklusionsplan, der im Herbst beschlossen wurde: „jetzt müssen die Maßnahmen umgesetzt werden.“ Der zentrale Punkt sei, dass man bei allen Planungen die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung im Hinterkopf habe.

Seine Aufgabe als Schirmherr sehe er darin, die Einrichtung bekannt zu machen und sie bei der Sponsorensuche zu unterstützen, sagte Bader. Passend dazu bekam er einen Lebenshilfe-Schirm in Regenbogenfarben überreicht und unterschrieb mit guten Wünschen auf dem PauLe-Logo. Nach dem zweistündigen Besuch sorgte die fröhliche Runde dafür, dass der Gesprächsfaden zwischen der Lebenshilfe und dem Oberbürgermeister nicht abreißen wird: „Dürfen wir Sie auch mal im Rathaus besuchen?“ Das nahm der OB gerne auf – ein Termin für den Gegenbesuch soll vereinbart werden.

 

Info Das „PauLe“, das Zentrum für Familie und Selbsthilfe der Lebenshilfe Kirchheim, möchte sich mit anderen Einrichtungen und mit den Nachbarn im Steingau-Quartier vernetzen. Beim Tag der Begegnung am Samstag, 7. Mai, sind alle von 10 bis 16 Uhr eingeladen, vorbeizuschauen und bei einer der angebotenen Aktionen mitzumachen. Weitere Informationen übers „PauLe“ gibt es unter www.lebenshilfe-kirchheim.de

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