Kirchheim

Der Heizungsmonteur wird smart

Digitalisierung An der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen wurde gestern das erste „Multilabor – Handwerk 4.0“ für angehende Energie- und Umwelttechniker eröffnet. Das Projekt ist bundesweit einmalig. Von Bernd Köble

Die Lehrkräfte Markus Berger (links) und Thomas Mailänder erklären den Gästen die verschiedenen Stationen im neuen Multilabor de
Die Lehrkräfte Markus Berger (links) und Thomas Mailänder erklären den Gästen die verschiedenen Stationen im neuen Multilabor der Friedrich-Ebert-Schule.Foto: Jean-Luc Jacques

Nur das Intro war dann doch ein wenig angestaubt: Zu Gitarrenriffs der Altrocker von Status Quo aus den Siebzigern hat der Landkreis gestern eine Tür zur Zukunft aufgestoßen. Mit der Einweihung des „Multilabor - Handwerk 4.0“ an der Esslinger Friedrich-Ebert-Schule, der ersten digitalen Lernwerkstatt für Energie- und Umwelttechniker an einer Berufsschule. Das Projekt ist bundesweit einmalig und wurde von Land, Kreis und Unternehmen gemeinsam finanziert.

Es sind Schüler wie der 26-jährige Bastian Schneider aus Neuhausen, die hier künftig Arbeitsprozesse an modernster Gebäudetechnik nachspielen können. Er und ein Dutzend Mitschüler haben den Aufbau des Labors in den vergangenen Monaten mit Lehrern begleitet und ihre Technikarbeit darüber verfasst. „Smart Home“ ist eines der Schlagworte. Es geht um vernetzte Gebäudetechnik - nicht nur, aber auch in Privathaushalten. Prozessorgesteuerte Heizungsanlagen, Ventile, die automatisch die Wärmeleistung drosseln, wenn sich ein Fenster zum Lüften öffnet, Beleuchtungs- und Lüftungssysteme, die sich per App vom Urlaubsort aus steuern lassen, oder Überwachungs- und Sicherheitstechnik, die nicht nur vor Einbrechern schützt, sondern auch dem Briefträger den Weg weist, wenn man gerade nicht zu Hause ist.

Der Handwerker von morgen muss solche Technik beherrschen und lernen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. „Die Digitalisierung vernetzt Branchen“, stellte Katrin Schütz, Staatssekretärin im Stuttgarter Wirtschaftsministerium, gestern vor Gästen aus Politik, Wirtschaft und Schule bei der Eröffnung fest. Deshalb fördert die Landesregierung nicht nur 16 Lernwerkstätten in der Industrie, sondern in Esslingen auch erstmals eine für das Handwerk. 364 000 Euro flossen vom Land in das Projekt, mit 265 000 Euro bezuschusst der Landkreis die größte seiner insgesamt acht Berufsschulen mit etwa 2 000 Schülerinnen und Schülern.

Das soll erst der Anfang sein. Noch in diesem Jahr will die Schule ihr Angebot um die Themen Photovoltaik und Speichermedien erweitern. Im Frühjahr soll an der Kirchheimer Max-Eyth-Schule eine Lernstraße „Industrie 4.0“ eröffnet werden, wo Schüler an 3D-Druckern Werkstücke fertigen und anschließend in Messräumen prüfen können. In der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen, wo das Kfz-Gewerbe beheimatet ist, denkt man über eine digital vernetzte Werkstatt für die Fahrzeugdiagnose nach.

Das Ganze ist Teil einer „Digitalisierungs-Strategie“, die der Kreistag im November beschlossen hat. Dass der Kreis Esslingen in vielen Bereichen als Vorreiter gilt, betont Landrat Heinz Eininger bei solchen Gelegenheiten gerne und nicht ohne Stolz. „Wir haben unsere Berufsschulen zu Kompetenzzentren ausgebaut.“ Was ihm vorschwebt: Die Vernetzung aller Fachbereiche in den Schulen in einer Cloud, in der Daten ausgetauscht und Schulprojekte Hand in Hand abgewickelt werden können.

Dazu braucht es schnelles Internet, und dabei ist der Kreis vieles, nur eines nicht: Vorreiter. Ein flächendeckendes Glasfasernetz ist erst in Planung, 53 Prozent der Gewerbegebiete im Kreis gelten als unterversorgt. Was die Berufsschulen betrifft, verspricht Eininger immerhin noch in diesem Jahr: WLAN für alle. Die Friedrich-Ebert-Schule hat Glück: Sie verfügt über einen Zehn-Gigabit-Anschluss mit Glasfaser. Gestern mussten die Gäste vor dem Einlass ins neue Multilabor trotzdem ihre Handys ausschalten, um das Netz zu schonen. Der neue Router ist noch nicht installiert.

„Dialog und Perspektive Handwerk 2025“

Der Titel klingt etwas sperrig. Die Initiative, die sich dahinter verbirgt, soll das Handwerk im Land zukunftsfähig machen. Wirtschaftsministerium und baden-württembergischer Handwerkstag beleuchten darin die wirtschaftlichen Entwicklungschancen im Handwerk in den kommenden zehn Jahren. Das Land fördert dabei 20 Projekte bis Ende 2019 mit insgesamt 4,4 Millionen Euro.bk

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